Netanjahu droht den Huthi im Jemen mit hÀrterer Gangart
23.12.2024 - 06:36:49 | dpa.de"So wie wir machtvoll gegen die Terrorableger der iranischen "Achse des Bösen" vorgegangen sind, so werden wir gegen die Huthi vorgehen", kĂŒndigte MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu an. Israels MilitĂ€r werde "kraftvoll, entschlossen und ausgeklĂŒgelt" handeln, sagte er in einem Video, das er unmittelbar nach einer Lagebesprechung mit MilitĂ€rvertretern in der nördlichen Stadt Safed aufnahm.
In der Nacht zum Samstag hatte eine Rakete aus dem Jemen die KĂŒstenmetropole Tel Aviv getroffen. Dutzende Menschen wurden Rettungsdiensten zufolge verletzt. Anders als in frĂŒheren FĂ€llen blieben Versuche der israelischen Luftabwehr, das Geschoss abzufangen, erfolglos. Bereits zwei Tage zuvor waren TrĂŒmmer einer abgeschossenen Huthi-Rakete auf ein SchulgebĂ€ude in der Vorstadt Ramat Gan gefallen. Dass es keine Opfer gab, war nur dem Umstand zu verdanken, dass sich zur Zeit des Angriffs am frĂŒhen Morgen niemand in dem GebĂ€ude aufgehalten hatte.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2023 greifen die mit der Hamas verbĂŒndeten Huthi-Milizen regelmĂ€Ăig mit Raketen und Drohnen Ziele in Israel sowie Schiffe im Roten Meer an. Nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs feuerten die Huthi seitdem 200 Raketen und 170 Drohnen auf Israel ab. Die meisten Geschosse wurden abgefangen oder erreichten Israel nicht.
Huthi schÀdigen Israel und den Welthandel
Der Schaden fĂŒr die israelische Volkswirtschaft ist dennoch betrĂ€chtlich. Das Risiko, das mit den Angriffen einhergeht, legte den israelischen Rotmeer-Hafen Eilat lahm. Noch gröĂer sind die SchĂ€den, die der Welthandel durch den Huthi-Beschuss internationaler Frachtschiffe im Roten Meer und vor den KĂŒsten des Jemens erleidet. Ăgypten muss wiederum enorme Verluste wegen der entgangenen Einnahmen aus dem Suezkanal hinnehmen, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet und der Schifffahrt die Umrundung Afrikas erspart.
Sowohl Israel als auch die USA und ihre VerbĂŒndeten bombardieren deswegen Huthi-Stellungen oder HĂ€fen im Jemen. Israel stehe nicht allein, meinte Netanjahu in seiner AnkĂŒndigung verstĂ€rkter Angriffe gegen die Islamisten. "Die USA und andere LĂ€nder sehen in den Huthi nicht nur eine Bedrohung der internationalen Schifffahrt, sondern auch eine, die sich gegen die internationale Ordnung richtet", fĂŒgte er hinzu.
Geheimdienstchef: "Auf den Kopf zielen"
Der Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, rĂ€t indes der israelischen FĂŒhrung einem Bericht zufolge, den Iran anzugreifen. "Wir mĂŒssen auf den Kopf zielen - nur die Huthi anzugreifen, reicht nicht", soll er einem Bericht des Fernsehsenders Channel 13 zufolge in GesprĂ€chen mit der Regierungsspitze gesagt haben. Der Sender berief sich auf namentlich nicht genannte Personen, die Kenntnis von den Unterredungen hatten. Der Iran hat Jahre hindurch die Huthi-Miliz im Jemen als verlĂ€ngerten Arm fĂŒr seine expansionistischen Bestrebungen in der Nahostregion aufgebaut.
Ringen um neue Ordnung in Syrien
Rund zwei Wochen nach dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad bemĂŒht sich die von den siegreichen Rebellen gestellte neue FĂŒhrung des arabischen Landes weiter um internationale Akzeptanz. Der AnfĂŒhrer der Islamistengruppe HTS, Ahmed al-Scharaa, forderte die im Land einflussreichen auslĂ€ndischen Staaten zu gemeinsamen Schritten fĂŒr die Zukunft Syriens auf. "Es ist wichtig, dass sich die groĂen Akteure auf allgemeine GrundsĂ€tze in Bezug auf Syrien einigen", sagte er in Damaskus nach einem Treffen mit dem tĂŒrkischen AuĂenminister Hakan Fidan.
Neben der TĂŒrkei sind es vor allem die USA und ihre westlichen VerbĂŒndeten, die Golfstaaten, der Iran, Russland und Israel, die in Syrien militĂ€rischen oder wirtschaftlichen Einfluss ausĂŒben. Dennoch mĂŒssten die Syrer unabhĂ€ngig ĂŒber die StabilitĂ€t und Sicherheit des Landes entscheiden dĂŒrfen, sagte al-Scharaa - zuvor bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Mohammed al-Dschulani. "Die Bevölkerung hat in den vergangenen 14 Jahren stark gelitten."
AuĂenminister Fidan sagte, die Kurdenmiliz YPG in Syrien stelle aus Sicht der TĂŒrkei eine Bedrohung dar und forderte erneut, dass sich die Miliz auflösen mĂŒsse. Ankara sieht die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Die USA unterstĂŒtzen wiederum die YPG als ihren VerbĂŒndeten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).
Kein Ende des BlutvergieĂens in Gaza
Im Gazastreifen griff das israelische MilitÀr Ziele in der humanitÀren Zone al-Mawasi nahe Chan Junis an. Dabei seien mindestens sieben Menschen getötet worden, berichtete ein lokaler Reporter des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira. Das israelische MilitÀr teilte auf seinem Telegram-Kanal mit, dass der Angriff einem Hamas-KÀmpfer gegolten habe, der in der humanitÀren Zone aktiv gewesen sei.
In der Zeltstadt al-Mawasi leben PalĂ€stinenser, die vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens geflohen sind. Nach UN-Angaben drĂ€ngen sich auf dem 41 Quadratkilometer groĂen Landstrich bis zu 34.000 Menschen pro Quadratkilometer zusammen. Bei weiteren Angriffen an verschiedenen Stellen des Gazastreifens wurden am Sonntag nach palĂ€stinensischen Medienberichten rund 30 Menschen getötet.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker palĂ€stinensischer Terroristen aus dem KĂŒstengebiet am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel mit 1.200 Toten und rund 250 Verschleppten. Seither kĂ€mpft Israel gegen die islamistische Hamas in Gaza, wo nach palĂ€stinensischen Angaben bisher mehr als 45.000 Menschen getötet wurden.
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