Nachhaltigkeitsberichterstattung: 5.000 Konzerne müssen neue Standards erfüllen
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 08:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat Anfang Juli 2026 überarbeitete Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung vorgelegt. Das Vereinfachungspaket umfasst neue European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und einen freiwilligen Berichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Die Rechtsakte liegen nun dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Prüfung vor.
Strengere Regeln für Großkonzerne
Bereits seit dem Frühjahr 2026 gelten spezifische Berichtspflichten für Firmen mit über 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz. EU-weit sind schätzungsweise 5.000 Unternehmen betroffen. Besonders der Standard ESRS S1 fordert detaillierte Angaben zur Personalstruktur, etwa zum Lohngefälle.
Schweizer Konzerne machen Tempo
Die Praxis zeigt: Nachhaltigkeitsberichterstattung wird ernst genommen. Branchenanalysen zum Geschäftsjahr 2025 belegen: Rund zwei Drittel der im SMI Expanded gelisteten Schweizer Unternehmen integrieren ihre ESG-Daten direkt in den Geschäftsbericht. 2021 war das erst bei der Hälfte der Fall.
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Noch deutlicher fällt der Sprung bei der externen Prüfung aus: Über 90 Prozent der analysierten Großkonzerne ließen ihre Nachhaltigkeitskennzahlen durch Dritte verifizieren. Vor five Jahren war es weniger als die Hälfte.
SBTi setzt neue Maßstäbe
Zusätzlichen Druck erzeugt die Science Based Targets initiative (SBTi). Am 7. Juli 2026 veröffentlichte sie Version 2.0 ihres Corporate Net-Zero Standard. Die neuen Richtlinien fordern konkrete Umsetzungspläne und eine jährliche Berichterstattung.
Der Fokus liegt klar auf der tatsächlichen Emissionsreduktion. Carbon Credits bleiben lediglich als Ergänzung zulässig. Unternehmen haben bis zum 31. Januar 2028 Zeit für die Umstellung. Für KMU gibt es flexible Ansätze.
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Technologie und Aktionärsdruck treiben Wandel
Die steigenden Anforderungen zwingen Firmen zum Handeln. ERP-Systeme entwickeln sich zu zentralen Plattformen für CO2- und Gefahrstoffdaten. Neue Kooperationen verknüpfen Gebäudedaten mit IoT-Systemen, um das Reporting für Immobilienportfolios zu automatisieren.
Gleichzeitig wächst der Druck von Investoren. Studien zeigen: Die Ablehnung von Nachhaltigkeitsberichten durch den Streubesitz bei Aktionärsversammlungen hat innerhalb von zwei Jahren massiv zugenommen. Ohne die Stimmen von Ankeraktionären würden immer mehr Anträge der Verwaltungsräte scheitern. Internationale Standards wie jene des International Sustainability Standards Board (ISSB) gewinnen daher rasant an Bedeutung.
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