Nachtarbeit, Long-COVID

Nachtarbeit und Long-COVID: Risiko um 88% erhöht laut Studie

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine aktuelle Studie belegt: Nachtschichtarbeit und Schlafmangel steigern das Risiko fĂŒr Long-COVID deutlich. Besonders gefĂ€hrdet sind BeschĂ€ftigte mit Adipositas.

Nachtarbeit erhöht Long-COVID-Risiko: Neue Studienergebnisse aus Wien und Barcelona
Eine mĂŒde Person arbeitet nachts in einem schwach beleuchteten BĂŒro, wĂ€hrend blaues Mondlicht durch das Fenster fĂ€llt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Untersuchung eines österreichisch-spanischen Forschungsteams liefert neue Erkenntnisse ĂŒber die gesundheitlichen Langzeitfolgen von Nachtarbeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Die im „Scandinavian Journal of Work, Environment & Health“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Nachtschichtarbeiter ein signifikant höheres Risiko tragen, nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 an Long-COVID zu erkranken.

Signifikante Risikoerhöhung durch Nachtarbeit und Schlafmangel

Die gemeinsamen Analysen der Medizinischen UniversitĂ€t Wien und des ISGlobal in Barcelona belegen, dass das Risiko fĂŒr Long-COVID bei Nachtschichtarbeitern im Vergleich zu Personen, die ausschließlich in Tagschichten tĂ€tig sind, um 88 Prozent höher liegt. Statistisch wird dies mit einem relativen Risiko (RR) von 1,88 beziffert. Dabei spielt die HĂ€ufigkeit der NachteinsĂ€tze eine entscheidende Rolle fĂŒr die GefĂ€hrdung der Betroffenen.

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Bei Angestellten, die mindestens drei Nachtschichten pro Monat absolvieren, steigt das Risiko den Studienergebnissen zufolge weiter an und erreicht einen Wert von RR 2,07. Neben den reinen Arbeitszeiten identifizierten die Forscher chronische Schlaflosigkeit als einen weiteren belastenden Faktor. Besteht eine chronische Schlaflosigkeit unabhÀngig von den Arbeitszeiten, erhöht sich das Long-COVID-Risiko bereits um 42 Prozent (RR 1,42).

Besonders kritisch bewertet das Forschungsteam die Kombination aus beiden Belastungen. Wenn Nachtschichtarbeit und chronische Schlaflosigkeit zusammentreffen, steigt das Risiko fĂŒr Langzeitfolgen um den Faktor 2,7 (RR 2,69).

Einfluss von Vorerkrankungen und Symptomverteilung

Ein weiterer wesentlicher Befund der Untersuchung betrifft die physische Konstitution der Arbeitnehmer. Bei Nachtarbeitern, die zusĂ€tzlich unter Adipositas (starkem Übergewicht) leiden, wurde ein massiv erhöhtes relatives Risiko von RR 3,77 festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass die Kombination aus metabolischen Belastungen und gestörten Schlaf-Wach-Rhythmen die AnfĂ€lligkeit fĂŒr chronische KrankheitsverlĂ€ufe nach einer Infektion erheblich verstĂ€rkt.

Hinsichtlich der klinischen Manifestationen von Long-COVID berichteten die Forscher, dass neurologische Symptome die hĂ€ufigste Erscheinungsform darstellten. Diese traten bei 54,4 Prozent der betroffenen Studienteilnehmer auf. Interessanterweise fand die Studie jedoch keinen Zusammenhang zwischen Nachtschichtarbeit und einer generell erhöhten Wahrscheinlichkeit, sich ĂŒberhaupt mit COVID-19 zu infizieren. Die Arbeitszeitmodelle scheinen demnach primĂ€r den Verlauf und die Regeneration nach der Erkrankung zu beeinflussen, nicht jedoch das ursprĂŒngliche Infektionsrisiko.

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Datengrundlage der COVICAT-Studie

Die Ergebnisse basieren auf der sogenannten COVICAT-Studie, die in der Region Katalonien durchgefĂŒhrt wurde. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich ĂŒber die Jahre 2021 bis 2023. Insgesamt umfasste die Studie 2.941 Teilnehmer, von denen 1.899 Personen eine nachgewiesene Infektion mit dem Coronavirus durchlaufen hatten.

Innerhalb dieser group der Infizierten entwickelten 14,9 Prozent – konkret zwischen 283 und 284 Personen – Krankheitsbilder, die als Long-COVID eingestuft wurden. Die Auswertung dieser Daten ermöglichte es dem österreichisch-spanischen Team, die spezifischen Risikoprofile fĂŒr verschiedene BeschĂ€ftigtengruppen prĂ€zise zu definieren. Die Erkenntnisse könnten kĂŒnftig eine wichtige Rolle bei der arbeitsmedizinischen Bewertung von Schichtmodellen und der Gesundheitsvorsorge in Unternehmen spielen.

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