Nagelstudios: LAGetSi findet Mängel bei Chemikalienschutzhandschuhen
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deMitteilungen von Umweltämtern sowie Beschwerden von Anwohnern und Nachbarbetrieben über Geruchsbelästigungen und Gefahrstoffbelastungen durch Nagelstudios haben das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi) veranlasst, die Arbeitsbedingungen in dieser Branche im Rahmen einer Schwerpunktaktion genauer zu untersuchen.
Im Mittelpunkt standen dabei die Klärung der eingesetzten chemischen Stoffe, die Identifikation potenzieller Gefährdungen für das Personal sowie die Überprüfung der erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen vor Ort.
Inhalative Risiken und Besonderheiten des Chemikalienrechts
Die im Arbeitsalltag von Nagelstudios verwendeten Produkte bergen nach Angaben des LAGetSi spezifische gesundheitliche Gefahren. Insbesondere Acrylate und flüchtige Lösemittel können Schädigungen der Haut und der Schleimhäute hervorrufen. Aufgrund der hohen Flüchtigkeit vieler Inhaltsstoffe besteht zudem ein kontinuierliches inhalatives Gefährdungspotenzial für die Beschäftigten in den Behandlungsräumen.
Aus rechtlicher Sicht bewegen sich Nagelstudios in einer regulatorischen Besonderheit. Das LAGetSi weist darauf hin, dass Nagelpflegeprodukte als kosmetische Mittel dem Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) sowie der Kosmetikverordnung unterliegen.
Zwar besitzt das Chemikaliengesetz (ChemG) grundsätzlich Gültigkeit, Vorschriften zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung nach Paragraph 2 Absatz 1 Nummer 1 des Chemikaliengesetzes greifen für Kosmetika nach dem LFGB jedoch nicht.
Festgestellte Defizite beim Einsatz von Schutzhandschuhen
Neben inhalativen Risiken ist der direkte Hautkontakt ein zentraler Gefährdungsfaktor. Besichtigungen durch das LAS ergaben wiederholt, dass Beschäftigten insbesondere im Gesundheitsbereich keine geeigneten Schutzhandschuhe zur Verfügung gestellt werden.
Zudem zeigte sich in Prüfungen, dass vorhandene Handschuhe oft nicht bestimmungsgemäß eingesetzt und weit über den vorgesehenen Nutzungs- oder Durchbruchszeitraum hinaus getragen werden, wodurch ihre Schutzwirkung gegen chemische Stoffe verloren geht.
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Messungen belegen kurzfristige Expositionsspitzen
Dass Durchschnittswerte die tatsächliche Belastung der Arbeitskräfte unterschätzen können, verdeutlicht eine in der Fachzeitschrift Risk Analysis erschienene Studie.
Forscher maßen die Konzentrationen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) in fünf New Yorker Nagelstudios über den Zeitraum einer Woche im Minutentakt. Die Auswertung zeigte erhebliche Schwankungen mit ausgeprägten, kurzzeitigen Spitzen, die bei rein rechnerischen Acht-Stunden-Mittelwerten unberücksichtigt bleiben.
Zu den am häufigsten nachgewiesenen Substanzen zählten Ethylacetat, Aceton, n-Butylacetat und Methylacetat. Methacrylate sowie Benzol traten dagegen seltener und in geringeren Konzentrationen auf.
Trotz niedriger Benzolwerte überschritt das modellierte Lebenszeit-Krebsrisiko in mehreren Studios unter spezifischen Expositionsszenarien die Schwelle der US-Umweltbehörde EPA von eins zu einer Million. Das Nicht-Krebs-Risiko lag überwiegend unter dem Benchmark, wurde jedoch in dem Salon mit den höchsten VOC-Messwerten ebenfalls überschritten.
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Die Autoren der Untersuchung verweisen darauf, dass die Nagelpflegebranche in den USA ein Volumen von 8 Mrd. US-Dollar umfasst. Herkömmliche Arbeitsplatzgrenzwerte seien historisch auf gesunde, nicht schwangere Männer bei Acht-Stunden-Schichten ausgelegt und böten für Frauen im gebärfähigen Alter unter Umständen keinen ausreichenden Schutz.
