Netzentgelte: Bundesnetzagentur setzt Frist bis September
01.06.2026 - 11:04:29 | boerse-global.deDie Bundesnetzagentur hat zwei Netzbetreibern ein Ultimatum gesetzt: Bis Ende September müssen sie endlich die gesetzlich vorgeschriebenen Sondertarife für E-Autos und Wärmepumpen umsetzen – oder es drohen empfindliche Geldstrafen.
Die Behörde zeigte sich am heutigen Montag ungewohnt deutlich. Präsident Klaus Müller erklärte, die anhaltenden Verzögerungen seien nicht länger hinnehmbar. Eigentlich hätten die variablen Netzentgelte – bekannt als Modul 3 der NSAVER-Verordnung – bereits am 1. April 2025 in Kraft sein müssen. Doch zwei Netzbetreiber kamen ihrer Pflicht bis heute nicht nach.
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Die neuen Tarife sollen Anreize schaffen, Strom dann zu verbrauchen, wenn das Netz wenig ausgelastet ist. Das entlastet die Infrastruktur und senkt langfristig die Kosten. Die finale Frist läuft nun am 30. September 2026.
Milliardenreform der Netzentgelte
Der Vorfall ist nur die Spitze des Eisbergs. Parallel treibt die Bundesnetzagentur das Großprojekt AgNes voran – eine grundlegende Reform der Netzkostenverteilung. Rund 37 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für ihr Stromnetz aus. Dieses System muss sich ändern, nicht zuletzt wegen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs.
Ein besonders heikler Punkt: Ab 2029 sollen Besitzer von Solaranlagen tiefer in die Tasche greifen. Die Behörde plant einen höheren Grundpreis für sogenannte Prosumer – also Haushalte, die selbst Strom erzeugen und verbrauchen. Offiziell soll der Aufschlag unter 100 Euro pro Jahr bleiben. Der Solarverband BSW-Solar rechnet jedoch mit bis zu 150 Euro und warnt vor einer Bremse für den Photovoltaik-Ausbau. Kleine Balkonkraftwerke sollen von der Regelung ausgenommen bleiben.
Ab 2029 ist zudem ein leistungsbasierter Preis fĂĽr Stromeinspeiser geplant. Komplexere dynamische Einspeiseentgelte werden frĂĽhestens 2032 erwartet.
Streit um die richtige Reformrichtung
Die Energieverbände reagieren gespalten. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) begrüßte, dass Batteriespeicher weiterhin vertrauensgeschützt bleiben und nicht vorschnell ihre Netzentgeltbefreiung verlieren. Scharfe Kritik übte der Verband jedoch an der dreijährigen Verlängerung des sogenannten Bandlastprivilegs – ein Schritt, der als rückwärtsgewandt gilt und die Marktmodernisierung ausbremst.
Der BDEW warnt vor allem vor überkomplexen dynamischen Netzentgelten. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae befürchtet, dass solche Mechanismen langfristige Investitionen gefährden könnten. Der Verband lehnt dynamische Energiepreise für die Einspeisung kategorisch ab und fordert ein schlüssigeres Gesamtsystem, das die Marktteilnehmer nicht überfordert.
Energy Sharing startet – Smart Meter bleiben das Problem
Seit heute ist eine weitere Neuerung in Kraft: Energy Sharing. Haushalte und kleine Unternehmen dĂĽrfen ihren Solarstrom nun direkt an Nachbarn im selben Netzgebiet verkaufen. Der Preis ist frei verhandelbar, die Gesamtkosten inklusive Steuern und Netzentgelten dĂĽrften bei rund 25 Cent pro Kilowattstunde liegen.
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Doch es gibt einen Haken: Die Abrechnung erfordert intelligente Messsysteme – sogenannte Smart Meter. Die sind bislang aber nur an gut fünk Prozent aller Anschlüsse installiert. Ein echtes Hindernis für die Energiewende im Kleinen.
Bidirektionales Laden: 720 Euro pro Jahr für Netzstabilität
Technologisch tut sich derweil einiges. Am 30. Mai startete das Forschungsprojekt „BDL Next“ – eine Pilotphase mit 20 Testhaushalten. Beteiligt sind unter anderem Eon, BMW und Tennet. Die Idee: Elektroauto-Batterien sollen das Stromnetz stabilisieren, indem sie bei Bedarf Strom zurück ins Netz speisen. Eon rechnet vor, dass Teilnehmer rund 720 Euro pro Jahr verdienen könnten. Marktreife Produkte werden für 2027 erwartet.
Infrastruktur-Lücke: 42 Prozent der Gemeinden ohne Ladesäule
Doch all diese Innovationen nutzen wenig, wenn die Basis fehlt. Laut Regierungsdaten vom Mai 2026 haben 42 Prozent der 10.775 deutschen Gemeinden keinen einzigen öffentlichen Ladepunkt. Besonders dramatisch ist die Lage in Ostdeutschland.
Immerhin: Die Hersteller locken weiter mit Rabatten. Der durchschnittliche Nachlass auf Neuwagen mit Elektroantrieb sank zwar von 19,5 Prozent im Januar auf 18,6 Prozent im Mai – bleibt aber auf hohem Niveau. Der Markt für E-Mobilität kommt also langsam in Fahrt. Nur das Netz hinkt noch hinterher.
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