Netzentgelte-Reform: Bundesnetzagentur schlieĂt AgNeS-Konsultation ab
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Bundesnetzagentur hat die Konsultation zur kĂŒnftigen Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNeS) abgeschlossen. Die Frist fĂŒr Stellungnahmen zum im August vorgelegten Festlegungsentwurf endete am Freitag, 18.09.2026. Nach der Netzregulierung NEST ist AgNeS bereits das zweite GroĂvorhaben, das die Bonner Behörde auf Grundlage der durch ein Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2021 erweiterten Gestaltungsmacht vorantreibt.
Die PlĂ€ne stoĂen in der Energiewirtschaft und Industrie jedoch auf erhebliche Bedenken. VerbĂ€nde wie der VKU, der BDEW, die DGS sowie das Energieunternehmen EnBW mahnen praxisnĂ€here Regelungen an.
Umstrittener Prosumer-Aufschlag belastet Solaranlagen und Mieterstrom
Besonders scharfe Kritik richten die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Sonnenenergie (DGS) und Green Planet Energy gegen den geplanten Prosumer-Aufschlag in der Niederspannung. Dieser soll jĂ€hrlich 70 bis 90 Prozent des Grundpreises betragen und fĂŒr Entnahmestellen mit bis zu 100.000 kWh Jahresverbrauch gelten, sofern sich Erzeugungseinheiten am selben Netzanschluss befinden.
Ausgenommen bleiben lediglich SteckersolargerĂ€te. Nach Berechnungen der DGS bedeutet diese Neuerung fĂŒr einen Haushalt mit Photovoltaikanlage Mehrkosten von rund 100 bis 200 Euro pro Jahr.
Da der Aufschlag je verbrauchender Marktlokation erhoben werden soll, warnt die DGS vor den Folgen fĂŒr Mieterstrom und die gemeinschaftliche GebĂ€udeversorgung in MehrfamilienhĂ€usern. Der Verband sieht die Gefahr einer Belastungsspirale fĂŒr die Solarenergie.
Auch Green Planet Energy moniert diesen Mechanismus: Bereichsleiterin Carolin DĂ€hling gab zu bedenken, dass die finanzielle Last eines Mehrfamilienhauses mit jeder weiteren angeschlossenen Wohneinheit steige.
Der Ăkostromanbieter fordert daher eine klare Differenzierung zwischen Ein- und MehrfamilienhĂ€usern und kritisierte zugleich die Verschiebung spĂŒrbarer FlexibilitĂ€tsanreize auf die 2030er Jahre.
In eine Ă€hnliche Richtung argumentiert der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA). Zwar begrĂŒĂt der Verband den Reformansatz grundsĂ€tzlich, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin AygĂŒl Ăzkan pocht jedoch auf Nachbesserungen.
MaĂgeblich mĂŒsse stets der Netzanschlusspunkt sein, um MehrfachaufschlĂ€ge bei gemeinsam versorgten GebĂ€uden oder Arealen zu vermeiden. Quartierskonzepte und Mieterstrom dĂŒrften keinesfalls benachteiligt werden. Zudem mĂŒssten die PV-Pflichten der LĂ€nder mit AgNeS harmonisiert und der Rollout intelligenter Messsysteme beschleunigt werden.
Der Festlegungsentwurf zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom liegt vor, die Stellungnahmefrist ist abgelaufen â doch zentrale Punkte wie der Prosumer-Aufschlag in der Niederspannung bleiben umstritten. Wer PV-Anlagen, Mieterstrom oder Speicher plant, braucht jetzt eine belastbare Einordnung der offenen Regelungen. Unser kostenloser Report fasst den Stand zusammen und zeigt, welche Punkte fĂŒr Ihre Kalkulation entscheidend sind. Kostenlosen AgNeS-Report anfordern
Einspeiseentgelte und Fristen fĂŒr dynamische Netzentgelte
Der Regulierungsentwurf sieht zudem Einspeiseentgelte fĂŒr Erzeugungsanlagen mit einer Bruttoleistung von mehr als 30 kW vor. FĂŒr Bestandsanlagen soll eine Ăbergangsfrist greifen, nach der entsprechende Entgelte erst nach 20 Betriebsjahren erhoben werden.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) lehnt Entgelte auf Erzeugung und Einspeisung grundsĂ€tzlich ab. BEE-PrĂ€sidentin Ursula Heinen-Esser forderte fĂŒr den Fall einer EinfĂŒhrung eine verlĂ€ssliche Obergrenze von 4,5 Euro pro Kilowatt und Jahr ĂŒber die gesamte Betriebsdauer anstelle rollierender KapazitĂ€tspreise.
Dynamische Einspeiseentgelte fĂŒr Wind- und Solaranlagen weist der Verband zurĂŒck. Die DGS forderte zudem eine gemeinsame FolgenabschĂ€tzung der AgNeS-Reform im Verbund mit der EEG-Novelle und dem Netzpaket.
Dynamische Netzentgelte plant die Bundesnetzagentur erst mit zeitlichem Vorlauf: FĂŒr Speicher sollen sie frĂŒhestens 2030 und spĂ€testens 2033 greifen, fĂŒr Erzeugungsanlagen im Zeitfenster zwischen 2032 und 2035. FĂŒr klassische Letztverbraucher sind sie zunĂ€chst nicht vorgesehen.
Industrie und Versorger verlangen Planungssicherheit
Vonseiten der Energieversorger meldete EnBW Bedenken an. Vorstandsmitglied Dirk GĂŒsewell forderte verlĂ€ssliche Rahmenbedingungen und kritisierte, dass eine bundeseinheitliche Regelung der mehr als 800 unterschiedlichen Verteilnetzentgelte nicht weiter verfolgt werde.
EnBW plĂ€diert fĂŒr Vertrauensschutz bei Speicherprojekten mit Inbetriebnahme vor Mitte 2029, regionale BaukostenzuschĂŒsse sowie eine Ăberarbeitung der geplanten dynamischen Netzentgelte im 15-Minuten-Takt.
Mehr als 800 unterschiedliche Verteilnetzentgelte und ein Festlegungsentwurf, der eine bundeseinheitliche Regelung nicht weiter verfolgt â fĂŒr Speicher- und Erzeugungsprojekte fehlt damit die verlĂ€ssliche Kalkulationsgrundlage. Der Report ordnet ein, welche Ăbergangs- und Vertrauensschutzregelungen der Entwurf vorsieht und wo Nachbesserungen gefordert werden. Analyse zur Netzentgelt-Reform sichern
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) begrĂŒĂte zwar das vorlĂ€ufige Absehen von dynamischen Tarifen fĂŒr Stromverbraucher sowie bestehende Vertrauensschutzregelungen. Bereichsleiter Matthias Belitz mahnte jedoch an, dass die Besonderheiten industrieller Verbundstandorte und Chemieparks unzureichend berĂŒcksichtigt seien.
Kraft-WĂ€rme-Kopplung sowie industrielle Eigen- und Standorterzeugung wĂŒrden benachteiligt. Der Verband fordert mehr Transparenz ĂŒber die Kostenfolgen und lĂ€ngere Ăbergangsfristen.
