Unternehmen winkt neue Klimaschutz-Milliardenförderung
05.06.2023 - 14:12:51Unternehmen aus besonders energiehungrigen Branchen können auf zusĂ€tzliche staatliche Förderung fĂŒr die Umstellung auf klimafreundliche Produktionsmethoden hoffen. Noch in diesem Jahr könnten sich Unternehmen in einer Auktion Angebote zur Teilnahme an so genannten KlimaschutzvertrĂ€gen abgeben, sagte Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (GrĂŒne) am Montag in Berlin. Der GrĂŒnen-Politiker nannte die PlĂ€ne ein «industriepolitisches Ausrufezeichen».
KlimaschutzvertrĂ€ge sollen neuen und aus Sicht des Klimaschutzes wĂŒnschenswerten Technologien den nötigen Schub verleihen, damit sie sich am Markt durchsetzen. Dabei soll der Staat dem Unternehmen eine Ausgleichszahlung garantieren, die es fĂŒr die höheren Kosten der klimafreundlichen Produktion entschĂ€digt. AuĂerdem soll das Unternehmen fĂŒr eine Dauer von fĂŒnfzehn Jahren gegen Unsicherheiten etwa bei der Preisentwicklung von Wasserstoff abgesichert werden. Sobald sich neue Verfahren rechnen, soll Geld zurĂŒck an den Staat flieĂen.
Adressaten sind energieintensive Industriebranchen, wie zum Beispiel die Stahl-, Zement-, Papier- oder Glasindustrie. KlimaschutzvertrĂ€ge werden auch im Koalitionsvertrag von SPD, GrĂŒnen und FDP als mögliches Instrument genannt.
Die EU-Kommission muss die PlÀne noch absegnen
Interessenten an der staatlichen Förderung haben ab diesem Dienstag zwei Monate Zeit, sich am vorbereitenden Verfahren zu beteiligen. Das sei Voraussetzung fĂŒr die Teilnahme am ersten Bieterverfahren, so das Ministerium.
Eingeplant ist zunĂ€chst ein mittlerer zweistelliger Milliardenbetrag, wie Habeck sagte. «GĂŒnstigstes Gebot zuerst, bis das Geld alle ist», beschrieb er das spĂ€tere Bieterverfahren. Es gehe dabei um die «fĂŒr den Steuerzahler gĂŒnstigsten Gebote». Von der Entwicklung neuer, klimafreundlicherer Produktionstechniken profitierten am Ende alle.
Es gibt aber zwei wichtige Vorbehalte: Einerseits muss die EU-Kommission die PlĂ€ne absegnen, weil bei staatlicher Förderung der Industrie immer die Frage möglicher Wettbewerbsverzerrungen in Europa im Raum steht. Dazu sagte Habeck, es gebe eine grundsĂ€tzliche Zustimmung der BrĂŒsseler Behörde, weitere offene Fragen mĂŒssen im Verlauf geklĂ€rt werden. Und zweitens muss das Geld im Bundeshaushalt bereitgestellt werden, der noch nicht steht. Die Förderrichtlinie, die an diesem Dienstag veröffentlicht werden soll, ist laut Ministerium innerhalb der Bundesregierung abgestimmt.
Die PlÀne zielen primÀr auf den Mittelstand
Noch im Februar hatten Berater Habecks vor Risiken bei KlimaschutzvertrĂ€gen gewarnt. Der unabhĂ€ngige Wissenschaftliche Beirat des Ministeriums hatte erklĂ€rt, das Instrument könne hilfreich sein beim Einstieg in eine neue Technologie, stelle aber auch «einen tiefen Eingriff des Staates in die Produktionsentscheidungen der Unternehmen dar». Es drohten Wettbewerbsverzerrungen und fĂŒr den Staat hohe Kosten. Die Berater hatten stattdessen fĂŒr «grĂŒne LeitmĂ€rkte» plĂ€diert, also staatlich geschaffene oder geförderte MĂ€rkte fĂŒr klimafreundlich produzierte Grundstoffe wie «grĂŒnen Stahl».
Habeck sagte, in Reaktion auf die Kritik habe sein Haus die PlĂ€ne «mittelstandsfreundlicher» gemacht. Profitieren könnten Anlagen ab einem jĂ€hrlichen AusstoĂ von zehn Kilotonnen Kohlendioxid. «Es geht nicht nur um die ganz groĂen industriellen Schwergewichte Deutschlands, sondern möglichst breite Teilnahme auch in den deutschen Mittelstand hinein.» Voraussetzung fĂŒr die Förderung sei, dass nur Strom zur Industrieproduktion genutzt wird, zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde, Wasserstoff muss EU-Kriterien erfĂŒllen.
WĂ€hrend der Laufzeit des Vertrags gelten bestimmte Vorgaben. So mĂŒssen die Treibhausgase aus einer Anlage ab dem dritten Jahr mindestens 60 Prozent unter dem Wert vor dem Start des Klimaschutzvertrags liegen. WĂ€hrend der gesamten Laufzeit muss eine Minderung um 90 Prozent technisch möglich sein und im letzten Jahr auch erreicht werden, also spĂ€testens nach fĂŒnfzehn Jahren.


