Immer hÀufiger «Potenz-Honig» abgefangen
19.03.2025 - 04:00:37Sie heiĂen «Horny Performance Chocolate», «Jaguar Power» oder «Secret Miracle Honey» - und versprechen potenzsteigernde Wirkung. Der Zoll zieht immer öfter Lebensmittel mit nicht erlaubten Inhaltsstoffen aus dem Verkehr. Die ZollfahndungsĂ€mter MĂŒnchen und Hamburg hĂ€tten in der Vergangenheit beispielsweise mehr als 13 Tonnen potenzsteigernde Lebensmittel sichergestellt, teilte ein Sprecher der Generalzolldirektion mit. Das PhĂ€nomen sei beim Zoll erstmals 2022 aufgetaucht.
Mehr Kontrollen entlarven nicht angegebene WirkstoffeÂ
Bundesweite Zahlen zu sogenanntem Potenz-Honig und Co. gibt es nicht. Eine Sprecherin des RegierungsprĂ€sidiums Karlsruhe, das in Baden-WĂŒrttemberg landesweit fĂŒr die ĂberprĂŒfung der vom Zoll abgefangenen Produkte zustĂ€ndig ist, berichtete beispielsweise, dass im vergangenen Jahr in 18 FĂ€llen honigartige Pasten untersucht wurden. Im Jahr davor habe es nur drei VorgĂ€nge gegeben.Â
«Alle Produkte enthielten den nicht deklarierten Wirkstoff Sildenafil und/oder Tadalafil», teilte die Sprecherin mit. Diese Stoffe wĂŒrden zur Behandlung von Erektionsstörungen bei MĂ€nnern angewendet. Sie dĂŒrften aber eigentlich nur nach Vorlage einer Ă€rztlichen Verschreibung abgegeben werden.Â
Die Arzneimitteluntersuchungsstelle am Bayerischen Landesamt fĂŒr Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte einem Sprecher zufolge seit 2023 im Auftrag der ArzneimittelĂŒberwachung 56 Proben besagter Produkte, von denen 49 potenzsteigernde Wirkstoffe enthielten. In den Vorjahren seien lediglich vereinzelt solche Untersuchungen erbeten worden. Die Behörde habe die betroffenen Produkte als zulassungspflichtige Fertigarzneimittel eingestuft.Â
Risiken wie Neben- und Wechselwirkungen
HĂ€ufig fehlten Angaben zur Dosierung, erklĂ€rte die Sprecherin des Karlsruher RegierungsprĂ€sidiums. «Damit ist die Einnahme auch mit einem erheblichen Risiko der Ăberdosierung verbunden.» Die Inhaltsstoffe seien bei den Produkten regelmĂ€Ăig nicht angegeben. «Dem Verbraucher bleibt die Zusammensetzung verborgen und er kann daher nicht wissen, mit welchen Nebenwirkungen und Risiken die Einnahme des Produktes verbunden ist.»Â
Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen am Herz-Kreislauf-System drohten ernste Probleme, hieà es. Auch die Kombination mit bestimmten anderen Arzneimitteln wie Nitraten und Ritonavir aus der Therapie von HIV-Infektionen und Aids sei wegen erheblicher Wechselwirkungen gefÀhrlich.
Keine Gefahr im Supermarkt
Honig, KrĂ€uterpasten und andere mit Potenzmitteln versetzte «Lebensmittel» werden laut Generalzolldirektion ĂŒberwiegend aus der TĂŒrkei nach Deutschland verbracht und stammen aus der TĂŒrkei, aus Staaten des Mittleren Ostens oder aus Malaysia.Â
Der GrĂŒnen-Landtagsabgeordnete und Hobby-Imker Ralf Nentwich aus Baden-WĂŒrttemberg forderte strengere Kontrollen. Zwar bestehe fĂŒr Verbraucher keine Gefahr, aus Versehen solche Honige im Supermarkt zu kaufen, sagte er. Die mĂŒsse man schon von einer Reise in Ausland mitbringen oder im Internet bestellen. «Aber sie schĂ€digen den Ruf des Honigs.»


