ROUNDUP, FrĂŒhjahrsbelebung

Nur schwache FrĂŒhjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

28.03.2025 - 13:21:58 | dpa.de

NÜRNBERG - Die schwache Konjunktur und ihre anhaltende Wirkung auf den Arbeitsmarkt werden zunehmend auch finanziell zum Problem fĂŒr die Bundesagentur fĂŒr Arbeit.

(neu: Details und Hintergrund.)

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die schwache Konjunktur und ihre anhaltende Wirkung auf den Arbeitsmarkt werden zunehmend auch finanziell zum Problem fĂŒr die Bundesagentur fĂŒr Arbeit. Die Ausgaben etwa fĂŒr Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld oder Insolvenzgeld liegen höher, als dies bei der Erstellung des Haushaltes angenommen worden war.

"Wir rechnen damit, dass wir unsere RĂŒcklagen in diesem Jahr brauchen werden", sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles, in NĂŒrnberg. Zu Jahresbeginn hatte die Bundesagentur ein Finanzpolster von 3,2 Milliarden Euro, das fĂŒr NotfĂ€lle vorgesehen ist.

Fast drei Millionen Arbeitslose

Die Situation trĂŒbt sich auch deswegen ein, weil die FrĂŒhjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt zunĂ€chst ausgesprochen schwach ausgefallen ist. Die Zahl der Arbeitslosen sank im MĂ€rz um 22.000 auf 2,967 Millionen Menschen. Das ist der schwĂ€chste RĂŒckgang der Arbeitslosigkeit in einem MĂ€rz seit 2009. Damals war die Zahl in der Finanzkrise sogar gestiegen.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Zahl der Arbeitslosen um 198.000 höher. Die Arbeitslosenquote betrug im MÀrz den Angaben der Bundesagentur zufolge unverÀndert wie im Februar 6,4 Prozent.

Weniger offene Stellen

Auch die Zahl der zu besetzenden Stellen ging zurĂŒck. Im MĂ€rz waren bei den Arbeitsagenturen 643.000 offene ArbeitsplĂ€tze gemeldet. Das sind 64.000 weniger als vor einem Jahr.

Bei der Kurzarbeit geht es weiter leicht nach oben. Im Januar zahlte die Bundesagentur fĂŒr 240.000 BeschĂ€ftigte konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Das waren 36.000 mehr als im Dezember 2024 und 51.000 mehr als im Januar des vergangenen Jahres. Aktuellere Daten zur tatsĂ€chlichen Inanspruchnahme stehen derzeit nicht zur VerfĂŒgung. Allerdings wurde vom 1. bis 24. MĂ€rz fĂŒr 43.000 weitere Personen Kurzarbeit beantragt.

Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch viel Bewegung. Seit Oktober haben sich fĂŒr das bevorstehende Ausbildungsjahr 327.000 Bewerber gemeldet- ihnen stehen 416.000 bisher gemeldete Lehrstellen gegenĂŒber. Dassind 10.000 Bewerber mehr und 22.000 Stellen weniger als vor einem Jahr.

Kommende Monate bleiben schwierig

"Die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert sich weiter", sagte der stellvertretende HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Achim Dercks. "Die Arbeitslosigkeit ist saisonbereinigt gestiegen, und der Wiedereinstieg in BeschĂ€ftigung wird fĂŒr viele Menschen immer schwieriger." Die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage lasse einen weiteren RĂŒckgang in den kommenden Monaten erwarten.

Hoffnung auf Besserung der Konjunktur

Die Bundesagentur setze darauf, dass Ende des Jahres oder spĂ€testens Anfang 2026 ein konjunktureller Umschwung einsetze - auch beflĂŒgelt von den von der Bundesregierung beschlossenen Investitionspaketen, sagte Nahles. Wenn dies passiere, könne auch auf dem Arbeitsmarkt eine Kehrtwende eingelĂ€utet werden.

GegenwÀrtig versuchten die Arbeitsagenturen, verstÀrkt die Vermittlung von Arbeitslosen in offene Stellen voranzutreiben. Es gebe immer noch FachkrÀftemÀngel in einigen Sektoren.

In diesem Zusammenhang bezeichnete Nahles auch den Job-Turbo zur Integration von GeflĂŒchteten als Erfolg. Es sei gelungen, zahlreiche Menschen aus der Ukraine und den Haupt-Asylstaaten in den Arbeitsmarkt zu bringen - obwohl dieser nicht ohne weiteres aufnahmebereit war.

Dies betonte auch der Arbeitsmarktexperte von KfW Research, Martin MĂŒller. "Perspektivisch wird der Arbeits- und FachkrĂ€ftemangel wieder stĂ€rker als zuvor als Wachstumshemmnis in den Vordergrund treten", sagte er.

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