NUFG-Gesetz, Gewerbeverband

NUFG-Gesetz: Gewerbeverband warnt vor Nachhaltigkeitsbürokratie

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 04:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Der Schweizerische Gewerbeverband warnt vor einer Mehrbelastung durch geplante Nachhaltigkeitsvorschriften und fordert eine Regulierungskostenbremse.

Schweizer Rechnungslegung: Neue Nachhaltigkeitsregeln belasten KMU
NUFG-Gesetz - Gestapelte Schweizer Franken-Banknoten und Münzen neben einem klassischen Buchhaltungsbuch auf einem Schreibtisch. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während das geltende Obligationenrecht (OR) die Anforderungen an der Unternehmensgröße ausrichtet, warnt der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) vor einer drohenden Mehrbelastung durch neue Nachhaltigkeitsregeln. Anfang Juli 2026 schlug der Verband Alarm.

Wer muss wie buchen?

Die Artikel 957 bis 963b OR regeln die Buchführungspflicht rechtsformneutral – der Umfang hängt von der wirtschaftlichen Bedeutung des Unternehmens ab. Für Einzelfirmen und Personengesellschaften gilt eine Umsatzschwelle von 500.000 CHF. Wer darunter liegt, muss nur eine einfache Buchführung über Einnahmen, Ausgaben und Vermögen führen.

Sobald dieser Umsatz überschritten ist oder es sich um eine AG oder GmbH handelt, ist die doppelte Buchführung Pflicht. Dazu gehören Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang. Ein zentrales Merkmal bleibt das Vorsichtsprinzip, das unter anderem stille Reserven erlaubt. Belege müssen sieben Jahre aufbewahrt werden, die unterzeichnete Jahresrechnung zehn Jahre.

Strengere Regeln für Große

Größere Unternehmen unterliegen zusätzlichen Transparenzpflichten. Das betrifft Betriebe, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mindestens zwei dieser Kriterien erfüllen: Bilanzsumme über 20 Millionen CHF, Umsatz über 40 Millionen CHF oder mehr als 250 Vollzeitstellen.

Diese Firmen müssen eine Geldflussrechnung erstellen, einen Lagebericht verfassen und gegebenenfalls eine Konzernrechnung vorlegen. Zudem besteht eine ordentliche Prüfungspflicht. Als anerkannte Standards gelten neben dem OR auch Swiss GAAP FER, IFRS oder US GAAP.

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Kampf gegen die „Nachhaltigkeitsbürokratie“

Der sgv positionierte sich am 7. Juli 2026 deutlich gegen das geplante Bundesgesetz über nachhaltige Unternehmensführung (NUFG). Der Verband sieht eine neue „Nachhaltigkeitsbürokratie“ entstehen, die KMU indirekt über ihre Lieferketten belasten würde.

Nach Einschätzung des sgv sei das NUFG wirtschaftsfeindlicher als vergleichbare EU-Regelungen. Stattdessen fordert der Verband die Umsetzung einer parlamentarischen Motion zur Regulierungskostenbremse. Ziel: Entlastung statt neuer rechtlicher Risiken und Kosten.

Vereinfachung in Sicht?

Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) hat eine Expertengruppe eingesetzt. Sie soll bis Ende 2027 einen Bericht zum Bürokratieabbau und zur Vereinheitlichung von Reportingformaten vorlegen. Im Fokus stehen Bagatellanforderungen. Finma und SNB begrüßen Vereinfachungen, lehnen eine generelle Deregulierung aber ab.

Parallel dazu treibt die EU-Kommission die Standardisierung voran. Am 3. Juli 2026 veröffentlichte sie eine Verordnung zu überarbeiteten Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS 2026). Diese werden ab dem 1. Januar 2027 verpflichtend – für 2026 gibt es noch Wahlmöglichkeiten. Auch wenn die Standards primär große Unternehmen betreffen, könnten sie über freiwillige Standards indirekt die gesamte Unternehmenslandschaft beeinflussen.

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Digitalisierung als Entlastung

Neben der Rechnungslegung rückt die Digitalisierung in den Fokus. In Deutschland wird ab 2028 die E-Rechnung im ZUGFeRD- oder XRechnung-Format für alle Unternehmen verpflichtend – die Empfangsbereitschaft ist bereits seit 2025 nötig. Ähnliche Bestrebungen zur Effizienzsteigerung werden auch im Schweizer Kontext als Potenzial zur Entlastung der KMU-Verwaltung diskutiert.

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