Obstbau-Krise: VerbĂ€nde fordern flexible Arbeitszeiten fĂŒr SaisonkrĂ€fte
21.06.2026 - 03:31:17 | boerse-global.de
VerbÀnde fordern von der Politik jetzt radikale Reformen.
Flexiblere Arbeitszeiten gefordert
Vertreter des Bundesausschusses Obst und GemĂŒse (BOG) und der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen (BfO) trafen Anfang Juni Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer in Berlin. Ihre Botschaft: Die starren Arbeitszeitregeln passen nicht zur Ernte. Die Betriebe brauchen rechtssichere Sonderregelungen fĂŒr SaisonkrĂ€fte.
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Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) legte am 19. Juni nach. Seine Forderung: Weg von der tĂ€glichen, hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Der Grund: Bei extremer Hitze mĂŒssen Obstbauern die Arbeit in die kĂŒhleren Morgen- oder Abendstunden verlegen können. DafĂŒr braucht es auch Ausnahmen bei den Ruhezeiten.
Kirschernte zeigt die ganze Misere
Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt die aktuelle Saison. Zur Eröffnung der Kirschernte in Sachsen-Anhalt Mitte Juni wurde die Lage der Branche schonungslos deutlich. Die Region erwartet rund 1.300 Tonnen Kirschen von 170 Hektar â 150 Hektar SĂŒĂkirschen, 20 Hektar Sauerkirschen.
Die QualitĂ€t ist gut: Keine FrostschĂ€den, wenig Hagel. Die Preise in den HoflĂ€den liegen stabil zwischen 7 und 9 Euro pro Kilo. Trotzdem warnen Verbandsvertreter wie Jörg Geithel vor dem Kollaps. Steigende Mindestlöhne fĂŒr SaisonkrĂ€fte, hohe Energiekosten und der allgemeine ArbeitskrĂ€ftemangel fressen die Gewinne auf.
Der Strukturwandel ist messbar: In Sachsen-Anhalt sank die Zahl der Obstbaubetriebe von 101 im Jahr 1997 auf nur noch 37 im Jahr 2022. Die Erntemengen schwanken dramatisch â 2025 waren es noch 2.200 Tonnen SĂŒĂkirschen, 2024 fĂŒhrte massiver Frost zu einem Einbruch auf 350 Tonnen.
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BĂŒrokratieabbau als Lichtblick
Das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Forsten (BMLEH) hat die Notsignale offenbar gehört. Ein geplantes BĂŒrokratieabbaugesetz sieht vor, das Intervall fĂŒr die Pflanzenschutz-Fortbildung auf sechs Jahre zu verlĂ€ngern. Auch verschiedene Meldepflichten im Lebensmittel- und Futtermittelrecht sollen wegfallen.
Doch reicht das? Experten diskutieren lĂ€ngere alternative Modelle: Die BeschĂ€ftigung von GeflĂŒchteten mit Arbeitserlaubnis könnte den Personalmangel lindern. FĂŒr Ukrainer gibt es bereits bĂŒrokratische Erleichterungen. International kĂ€mpfen andere AgrarmĂ€rkte mit denselben Problemen â in Marokko erwĂ€gt die Regierung sogar die Anwerbung von Wanderarbeitern aus Asien.
