Ölpreise, Nahostkonflikt

Ölpreise steigen deutlich: Saudi-Arabien stoppt Ost-West-Pipeline, Golf-Treffen im Oman verschoben

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 07:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Ölpreise steigen zum Wochenbeginn kräftig, nachdem Saudi-Arabien eine wichtige Pipeline abgeschaltet und ein geplantes Außenministertreffen zur Straße von Hormus im Oman verschoben wurde. Der Brent-Preis nähert sich erneut der Marke von 110 US-Dollar je Barrel.

Der Konflikt im Nahen Osten setzt den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien zu. - Bild: Amr Nabil/AP/dpa
Der Konflikt im Nahen Osten setzt den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien zu. - Bild: Amr Nabil/AP/dpa

Zum Wochenstart haben die Ölpreise deutlich zugelegt, nachdem Saudi-Arabien eine wichtige Pipeline abgeschaltet und ein regionales Außenministertreffen im Oman zur Straße von Hormus verschoben worden ist.

Brent-Preis steigt nach kurzem Rücksetzer wieder kräftig

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im November ist am Morgen um knapp drei Prozent auf 107,60 US-Dollar gestiegen und hat sich damit erneut der Marke von 110 US-Dollar angenähert. In der vergangenen Woche war der Brent-Preis nach einem rasanten Anstieg zunächst etwas gefallen, weil am Markt die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahostkonflikt aufgekommen war.

Geplantes Golf-Außenministertreffen im Oman fällt vorerst aus

Diese Hoffnungen haben sich vorerst nicht erfüllt. Das für heute geplante Treffen von Außenministern aus Staaten am Persischen Golf im omanischen Salalah zur Lage an der Straße von Hormus findet nicht statt. Nach den Angaben des omanischen Außenministers Badr al-Busaidi wurde das regionale Treffen "im Interesse des Konsenses" verschoben. Berichten zufolge sollte bei dem Treffen eine Vereinbarung präsentiert werden, mit der Iran und Oman den festgefahrenen Konflikt um die wichtige Seestraße adressieren.

Blockierte Seewege und Bedrohungen für Engpassrouten

Der Konflikt im Nahen Osten setzt Saudi-Arabien als weltgrößten Ölexporteur zunehmend unter Druck. Die Straße von Hormus ist faktisch durch iranische Maßnahmen blockiert, zudem steigt nach Einschätzung der Behörden die Bedrohung der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz im Jemen. Zuletzt kamen Drohnenangriffe hinzu, die das Königreich dazu veranlassten, eine wichtige Pipeline vorsorglich abzuschalten.

Ost-West-Pipeline als entscheidender Puffer fällt vorerst weg

Bei der betroffenen Leitung handelt es sich um die Ost-West-Pipeline, die große Mengen Öl vom Persischen Golf zum Roten Meer transportiert und damit die faktisch blockierte Straße von Hormus umgeht. Nach Angriffen auf die Pipeline in den Regionen Riad und Medina wurde die Leitung vorsorglich stillgelegt. Sollte Saudi-Arabien seine Ölexporte zusätzlich reduzieren müssen, könnte dies die Ölpreise weiter steigen lassen.

Öl bleibt unter Kriegszwischenhoch, aber deutlich teurer

Brent-Rohöl hat sich seit Jahresbeginn um fast 80 Prozent verteuert. Trotz des jüngsten Anstiegs liegt der Preis aktuell noch klar unter dem Ende April verzeichneten Kriegszwischenhoch von etwas mehr als 126 US-Dollar je Barrel. Wie sich die Lage an den Engpassrouten und die diplomatischen Bemühungen im Golf-Raum weiter entwickeln, dürfte entscheidend für die weitere Preisentwicklung sein.

Ölpreisanstieg als Ausdruck geopolitischer Unsicherheit

Der kräftige Anstieg des Brent-Preises zu Wochenbeginn spiegelt die hohe Unsicherheit in einer ohnehin angespannten Lage auf den Energiemärkten wider. Die Kombination aus einer faktischen Blockade der Straße von Hormus, Bedrohungen an der Meerenge Bab al-Mandab und der Abschaltung einer zentralen saudischen Ost-West-Pipeline trifft einen Markt, der bereits seit Jahresbeginn deutliche Preissteigerungen verzeichnet. Für die globale Wirtschaft bedeutet dies eine weitere Belastung, da Öl nicht nur für den Transport, sondern über Raffinerieprodukte auch für zahlreiche Industrien von zentraler Bedeutung ist.

Strategische Engpässe im globalen Ölhandel

Die Straße von Hormus und Bab al-Mandab zählen zu den wichtigsten Engpässen im Welthandel mit Rohöl. Ein großer Teil der Exporte aus dem Persischen Golf passiert diese Routen, sodass Blockaden oder militärische Bedrohungen dort rasch Auswirkungen auf Angebotserwartungen und damit auf die Preise haben. Die saudische Ost-West-Pipeline ist in diesem System ein wichtiger Umgehungskorridor, der Öl ohne Passage durch Hormus zum Roten Meer bringt. Wenn diese Leitung vorsorglich stillgelegt wird, schwindet für den Markt ein zentraler Puffer gegen Lieferstörungen, was die Anfälligkeit für weitere Preissprünge erhöht.

Politische Dimension und Folgen für Verbraucher

Das verschobene Außenministertreffen im Oman unterstreicht, dass diplomatische Bemühungen zur Entschärfung des Konflikts um die Straße von Hormus derzeit nur langsam vorankommen. Solange keine belastbare Vereinbarung zur Sicherung der Seewege vorliegt, bleiben Risikoaufschläge im Ölpreis wahrscheinlich. Für Verbraucher und Unternehmen in Europa und Deutschland kann ein dauerhaft höheres Preisniveau beim Rohöl mittelfristig über Kraftstoff- und Heizölpreise spürbar werden. Zugleich wächst der Druck auf energieintensive Branchen und die Bedeutung alternativer Energiequellen, da geopolitische Spannungen im Nahen Osten die Verletzlichkeit fossiler Energielieferketten erneut deutlich machen.

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