Paketsteuer, Euro

Österreichs Paketsteuer: 2,40 Euro pro Bestellung, HĂ€ndler ziehen vor Gericht

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Handelsverband fordert eine EU-PrĂŒfung; HĂ€ndler wĂ€hlen verschiedene Modelle zur Weitergabe der Paketabgabe an Kunden.

Österreichs Paketsteuer: HĂ€ndler wehren sich, Kunden zahlen unterschiedlich
Leere Industrie-FörderbÀnder in einer verlassenen Lagerhalle bei DÀmmerlicht. Illustration mit AI erstellt.

Seit dem 1. Oktober gilt in Österreich eine neue Paketsteuer fĂŒr VersandhĂ€ndler, die im Vorjahr einen inlĂ€ndischen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro erzielt haben. Die Abgabe betrĂ€gt 2 Euro pro Paket oder Bestellung und erreicht inklusive Umsatzsteuer bis zu 2,40 Euro. Gegen die neue Steuer formiert sich im Handel breiter Widerstand, der inzwischen auch die europĂ€ische Ebene erreicht hat.

Juristische Schritte und Bedenken zum EU-Binnenmarkt

Der Handelsverband reichte am 6. Oktober eine EU-Binnenmarkt-Beschwerde bei der EuropĂ€ischen Kommission ein. Darin ersuchte die Interessengemeinschaft um eine offizielle PrĂŒfung sowie die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens, da sie mögliche VerstĂ¶ĂŸe gegen die Warenverkehrs- und die Dienstleistungsfreiheit sieht.

Auch auf nationaler Ebene ist die Maßnahme juristisch umstritten. Bereits am 20. August klagte das Versandhandelsunternehmen Zalando beim Verfassungsgerichtshof gegen die Neuregelung. Zudem kĂŒndigte Otto Österreich an, Beschwerden gegen kĂŒnftige Steuerbescheide einzulegen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer stellte fest, dass Nachbesserungen nötig seien, sollte eine Rechtswidrigkeit der Abgabe festgestellt werden.

Unterschiedliche Modelle und Folgen fĂŒr die Konsumenten

Nach Angaben des Handelsverbands sind von der Neuregelung 15 große OnlinehĂ€ndler und MarktplĂ€tze sowie rund 4.000 heimische MarktplatzhĂ€ndler betroffen. Bei der Weitergabe der Kosten an die Endkunden gehen die Marktteilnehmer derzeit unterschiedliche Wege.

Amazon gibt die Belastung weiter und berechnet seit dem 1. Oktober 2026 in Österreich 2,40 Euro inklusive Umsatzsteuer pro Bestellung – unabhĂ€ngig von der tatsĂ€chlichen Zahl der Pakete oder Lieferungen.

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Otto Österreich wĂ€hlte ebenfalls das Bestellmodell und rechnet pro Bestellung ab, kĂŒndigte jedoch gemeinsam mit Universal an, die Abgabe noch bis zum 11. Oktober selbst zu ĂŒbernehmen. Andere HĂ€ndler wie Ikea, Shop-Apotheke und XXXLutz geben die Abgabe derzeit gar nicht an die Kunden weiter.

Die Wahl des steuerlichen Modells wirkt sich spĂŒrbar auf den Endpreis aus: Bei einer Bestellung, die drei Pakete umfasst, belaufen sich die Kosten bei voller Weitergabe inklusive Umsatzsteuer auf 2,40 Euro im Bestellmodell, wĂ€hrend im Paketmodell 7,20 Euro fĂ€llig werden. Abholungen via Click & Collect ohne steuerpflichtigen Versand sind von der Regelung ausgenommen.

FĂŒr die Übergangsregelung ist typischerweise die Zahlungsannahme maßgeblich und nicht der Zustellzeitpunkt. Die Steuerpflicht bleibt nach einer erfolgreichen Zustellung grundsĂ€tzlich auch dann bestehen, wenn eine Ware retourniert wird; lediglich eine nachweisliche Nichtzustellung kann eine steuerliche Berichtigung ermöglichen.

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Finanzierungsziel und Kritik der Branchenvertreter

Das Finanzministerium erwartet aus der Paketsteuer ein jÀhrliches Aufkommen von 280 Millionen Euro. Die Einnahmen dienen der teilweisen Finanzierung der seit dem 1. Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung auf ausgewÀhlte Grundnahrungsmittel.

Der Handelsverband wies die Maßnahme scharf zurĂŒck und rechnete vor, dass die monatliche Ersparnis eines durchschnittlichen österreichischen Haushalts durch die Mehrwertsteuersenkung bei rund 6 Euro liege, wĂ€hrend die Paketabgabe die Haushalte rund das Doppelte koste.

Laut dem Verband lehnen 70 Prozent der Bevölkerung die Abgabe ab, und 92 Prozent befĂŒrchten höhere Endkundenpreise. Zudem bĂŒndelten Konsumenten vermehrt ihre Bestellungen, was bereits erste negative Folgen fĂŒr stationĂ€re HĂ€ndler nach sich ziehe, da spontane ZusatzkĂ€ufe vor Ort zurĂŒckgingen.

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