okELSTER ab Juli: Automatische Steuererklärung mit Fallstricken
30.05.2026 - 19:28:05 | boerse-global.deFür Handwerker, Solarinstallateure und kleine Unternehmen ergeben sich daraus sowohl Erleichterungen als auch neue Fallstricke.
Wer seine Steuererklärung selbst in die Hand nimmt, stolpert oft über die komplexen Funktionen des Finanzportals. Dieses kostenlose E-Book erklärt Schritt für Schritt, wie Sie MeinElster richtig nutzen und durch praktische Ausfüllhilfen bares Geld sparen. So erledigen Sie Ihre Steuererklärung mit MeinElster schneller als je zuvor
GoBD-konforme Rechnungen: Werkzeuge für den Mittelstand
Moderne Rechnungstools setzen gezielt auf die Anforderungen des deutschen Steuerrechts. Die Software Werkheft etwa bietet Handwerkern eine Plattform, die von Beginn an die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern (GoBD) erfüllt. Das System automatisiert die Pflichtangaben nach §14 UStG und sorgt für eine lückenlose Rechnungsnummerierung.
Besonders praktisch: Für den §35a-Steuerbonus bei haushaltsnahen Dienstleistungen können Material- und Arbeitskosten getrennt ausgewiesen werden. Die zehnjährige Aufbewahrungspflicht nach §147 AO wird durch eine integrierte Archivierungsfunktion abgedeckt. Und für Kleinunternehmer nach §19 UStG gibt es einen speziellen Modus – der verhindert nicht nur den versehentlichen Ausweis der Umsatzsteuer, sondern warnt auch, wenn die Umsatzgrenzen von 25.000 Euro (Vorjahr) oder 100.000 Euro (laufendes Jahr) in Reichweite rücken.
Im Baugewerbe vollzieht sich der Wandel ebenfalls rasant. Das schwedische Unternehmen Finntorpet Bygg hat seine Projektverwaltung und Rechnungsstellung auf das digitale Tool Blikk umgestellt. Ergebnis: 90 Prozent der Angebote entstehen direkt im System, die manuelle Verwaltung reduziert sich spürbar, und Zeiterfassung sowie Lohnabrechnung laufen zentral zusammen.
Solarbranche: Neue Regeln für Einspeisevergütung und Netzanschluss
Für Solarinstallateure und Anlagenbetreiber gibt es gleich mehrere Neuerungen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 10. Februar 2026 stellt klar: Netzbetreiber müssen die EEG-Einspeisevergütung für Photovoltaik-Strom erst am Ende des Kalenderjahres zahlen. Einen generellen Anspruch auf monatliche Abrechnung gibt es nicht. Allerdings dürfen Betreiber eine Anpassung zu niedrig angesetzter Abschläge verlangen.
Vereinfachung kommt bei den Netzanschlussverträgen: Die Fachagentur Wind und Solar hat im Mai 2026 einen ersten Mustervertrag für flexible Netzanschlussvereinbarungen (fNAV) veröffentlicht. Das modulare Vertragswerk soll eine rechtssichere Grundlage nach §8a EEG bieten. Zwei weitere Musterverträge sollen noch 2026 folgen.
Auch die Technik macht Fortschritte: Sigenergy hat im Mai 2026 einen KI-gesteuerten Agenten vorgestellt, der PV-Anlagen und Batteriespeicher autonom steuert. Das System analysiert Wetterdaten und Strompreise, um die Kosten zu optimieren – quasi ein Energiemanager und kaufmännischer Assistent in einem.
Gerade für Anlagenbetreiber und Gewerbetreibende ist die korrekte steuerliche Behandlung oft eine Herausforderung. Experten erklären in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie die Umsatzsteuererklärung für Ihre Photovoltaik-Anlage richtig erstellen und teure Fehler beim Finanzamt vermeiden. Photovoltaik-Anlage auf dem Dach? Dann droht vielen Hausbesitzern eine böse Überraschung vom Finanzamt
Steuersaison 2026: Automatisierung mit Risiken
Die Steuerverwaltung setzt zunehmend auf Automatisierung. Der bundesweite Start von okELSTER ist für den 1. Juli 2026 geplant – zunächst für Rentner und kinderlose Singles. Das System befüllt die Steuererklärung automatisch mit Daten, die den Behörden bereits vorliegen: Lohnsteuer, Sozialversicherungsbeiträge und mehr.
Doch Vorsicht: Steuerexperten warnen, dass bestimmte Abzugsposten nicht automatisch berücksichtigt werden. Dazu gehören Handwerkerleistungen, Spenden oder außergewöhnliche Belastungen. Wer die vorausgefüllten Daten einfach bestätigt, ohne diese manuell zu ergänzen, riskiert Steuernachteile – denn der Bescheid wird nach §173 AO bestandskräftig.
Im Unternehmenssektor zeigt das Ausmaß der Digitalisierung ein Großprojekt: Fonoa hat die Indirect Tax Edge-Plattform von PwC übernommen und 110 Millionen US-Dollar (rund 100 Millionen Euro) eingesammelt. Ziel ist ein KI-basiertes Steuerbetriebssystem, das den gesamten Lebenszyklus indirekter Steuern in über 190 Ländern abdeckt.
Vertragsmanagement: Tausende Stunden eingespart
Große Digitalisierungsprojekte zeigen beeindruckende Effizienzgewinne. SV Informatik meldete Ende Mai 2026, dass die Einführung eines digitalen Vertragsmanagements jährlich rund 2.500 Arbeitsstunden einspart – davon 1.520 Stunden im Einkauf und 960 Stunden über den gesamten Vertragslebenszyklus.
Moderne Systeme nutzen inzwischen künstliche Intelligenz, um Verträge auf Risiken zu prüfen und die Einhaltung von Vorschriften sicherzustellen – vom Digital Services Act (DSA) über NIS2 bis zum Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Dieser trend zur Hochautomatisierung erfasst auch den Dienstleistungssektor: Partnerschaften zwischen CPQ-Anbietern (Configure Price Quote) und Field-Service-Management-Plattformen sorgen für einen nahtlosen Datenfluss vom ersten Angebot bis zum Kundendienst.
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