Das BriefgeschĂ€ft wird fĂŒr die Post zur Nebensache
05.03.2026 - 13:30:06 | dpa.deDie Deutsche Post hat mit der Paketzustellung erstmals mehr Geld in die Kassen bekommen als mit dem Austragen von Briefen. Wie das Unternehmen in Bonn mitteilte, machte es mit Briefen im vergangenen Jahr in Deutschland einen Umsatz von rund 7,1 Milliarden Euro und damit 3,8 Prozent weniger als 2024. Im PaketgeschĂ€ft waren es 8,2 Milliarden Euro, ein Plus von 11,2 Prozent.Â
Die BrieftrĂ€ger und Paketboten des Unternehmens trugen in Deutschland 10,6 Milliarden Briefe und 2 Milliarden Pakete aus, bei der Menge war die Entwicklung wie beim Umsatz: Bei Briefen ging es nach unten und bei Paketen nach oben.Â
Grund fĂŒr die Entwicklung ist das verĂ€nderte Verhalten der Verbraucher und Firmen im Digitalzeitalter: Immer weniger Menschen schicken Briefe, stattdessen setzen sie auf E-Mails und Chatnachrichten zur Kommunikation. Auch Werbetreibende haben das Internet im Fokus, daher finden die Menschen weniger Werbeprospekte oder Werbebriefe in ihren BriefkĂ€sten als frĂŒher.Â
Briefmenge sinkt und sinkt
2024 hatte der gelbe Riese, der sich inzwischen in DHL umbenannt hat und im nationalen BriefgeschĂ€ft Deutsche Post heiĂt, mit seinem BriefgeschĂ€ft noch minimal mehr Geld bekommen als mit Paketen. «Wir sind jetzt an diesem Punkt, wo sich die Umsatzlinien gekreuzt haben», sagt FinanzvorstĂ€ndin Melanie Kreis. DHL geht davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und womöglich sogar beschleunigt. 2010 seien 30 Briefe auf ein Paket gekommen, inzwischen kĂ€men fĂŒnf Briefe auf ein Paket, sagt Kreis. «Wir rechnen damit, dass wir am Ende dieser Dekade bei eins zu eins oder zwei zu eins sind.»
Bis der letzte Brief in Deutschland zugestellt wird, wird es nach EinschĂ€tzung des Post-Managements aber noch sehr lange dauern. Deutschland sei im Vergleich zu anderen EU-Staaten weniger digitalisiert, sagt der Vorstandsvorsitzende Meyer. So brauche das Gerichtswesen hierzulande eine flĂ€chendeckende Briefzustellung, auĂerdem gebe es Briefwahl-Unterlagen und gedruckte Zeitungen, die vom BrieftrĂ€ger gebracht werden.Â
DĂ€nemark hat den Stecker schon gezogen
DĂ€nemark ist schon weiter als Deutschland, dort stellte der frĂŒhere Monopolist die staatlich garantierte Briefzustellung Ende 2025 ein. Ein anderer Anbieter setzt dieses GeschĂ€ft im kleinen Stil fort. Aus Sicht des Post-Chefs Tobias Meyer ist DĂ€nemark kein gutes Beispiel. Dort gebe es mehr Beschwerden und bei der Zustellung internationaler Briefe nach DĂ€nemark komme es zu massiven Verzögerungen. «Ich glaube, dass der Staat in Deutschland noch sehr lange auf die physikalische Zustellung angewiesen sein wird.»
Dazu stehe der Bonner Konzern weiter zur VerfĂŒgung, «auch wenn wir natĂŒrlich sehen, dass der wirtschaftliche Erfolg im PaketgeschĂ€ft deutlich gröĂer ist», sagt der Manager, der seit 2023 Post-Chef ist und dessen Vertrag gerade um vier Jahre bis 2031 verlĂ€ngert worden war.
Post & Paket Deutschland legt zu
Meyer und FinanzvorstĂ€ndin Kreis stellten die Jahreszahlen fĂŒr 2025 vor, die alles in allem positiv ausfielen. Wegen der konjunkturellen Flaute und wegen WĂ€hrungseffekten fiel der Umsatz zwar um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro. Zugleich legte das operative Ergebnis (Ebit) von DHL aber um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro zu - das GeschĂ€ft wurde also profitabler. Der Gewinn stieg um 3,8 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Kosten wurden gesenkt und ArbeitsablĂ€ufe effizienter gemacht, etwa durch den Einsatz von Robotern und kĂŒnstlicher Intelligenz. Routen wurden optimiert und Preise angehoben.
Erstaunlich gut schnitt das StammgeschĂ€ft ab, also die Beförderung von Briefen und Paketen in Deutschland. Dem Bereich wird in dem global aufgestellten Konzern eigentlich kein groĂes Wachstumspotenzial beigemessen - bisweilen wirkt er eher wie ein Sorgenkind. Doch nun legte der Umsatz um drei Prozent auf 17,9 Milliarden Euro zu und das Betriebsergebnis schnellte um gut ein Viertel auf eine Milliarde Euro nach oben. Einer der GrĂŒnde hierfĂŒr war eine Portoerhöhung. Seit Anfang 2025 kostet ein Standardbrief in Deutschland 95 Cent und damit 10 Cent mehr als zuvor.Â
FrachtgeschÀft bricht ein
Im Frachtbereich waren die Bremsspuren der globalen Verwerfungen inklusive Handelskonflikten und konjunktureller AbkĂŒhlung deutlich zu erkennen, es sackte ab. Beim Blick auf das laufende Jahr Ă€uĂert sich der Konzernchef Meyer vorsichtig. «Es gibt vor allem in der Geopolitik sehr viele Variablen und Unsicherheiten â das haben wir in den ersten zwei Monaten des Jahres schon deutlich gesehen.» FĂŒr 2026 peilt DHL nur eine geringfĂŒgige Verbesserung des operativen Ergebnisses an.Â
Die Folgen des Iran-Kriegs treffen auch das Bonner Unternehmen: In Dubai betreibt es ein Logistik-Drehkreuz, ein Innovationszentrum und ein groĂes Lagerhaus. Der Flugverkehr ist dort eingeschrĂ€nkt. Einen Teil der Waren habe man ĂŒber den Boden woanders hingebracht, etwa nach Riad in Saudi-Arabien, um sie dort in Flugzeuge zu verladen. FinanzvorstĂ€ndin Kreis betont, dass man im Umgang mit Krisen Erfahrung habe. «Wir sind als DHL daran gewöhnt, unsere Lieferketten stĂ€ndig anzupassen.»
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