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Macron schließt Einsatz von Bodentruppen in Ukraine nicht aus

27.02.2024 - 06:15:09

PARIS - Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron schließt den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine durch sein Land nicht aus.

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PARIS (dpa-AFX) - Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron schließt den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine durch sein Land nicht aus. Nichts sei ausgeschlossen, um einen russischen Sieg in der Ukraine zu verhindern, sagte Macron nach Abschluss einer Ukraine-Hilfskonferenz am Montagabend in Paris. Bei dem Treffen von ĂŒber 20 Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), habe es zwar keine Einigkeit zum Einsatz von Bodentruppen gegeben, aber im kĂŒnftigen Kriegsverlauf könne nichts ausgeschlossen werden, sagte Macron.

"Es gibt heute keinen Konsens darĂŒber, offiziell Bodentruppen zu entsenden", meinte Macron. "Aber in der Dynamik darf nichts ausgeschlossen werden. Wir werden alles tun, was nötig ist, damit Russland diesen Krieg nicht gewinnen kann." Viele Menschen die heute "nie, nie", sagten, seien dieselben, die vor zwei Jahren sagten, "nie, nie Panzer, nie, nie Flugzeuge, nie, nie Raketen mit lĂ€ngerer Reichweite". Heute drehe sich die Diskussion darum, bei der Lieferung von Panzern und Raketen schneller und stĂ€rker zu werden. "Also ist alles möglich, wenn es hilfreich ist, um unser Ziel zu erreichen."

"Die allgemeine Feststellung heute ist, dass unser aller Sicherheit auf dem Spiel steht", sagte Macron zum Auftakt der kurzfristig organisierten Konferenz. Das Auftreten Russlands verhĂ€rte sich sowohl auf politischer Ebene als auch an der Front in der Ukraine, wo neue russische Angriffe drohten. Eine russische Niederlage sei nötig fĂŒr die StabilitĂ€t und Sicherheit in Europa. Deshalb mĂŒssten sich die UnterstĂŒtzer der Ukraine einen Ruck geben. "Wir sind dabei, unsere Sicherheit heute und morgen zu gewĂ€hrleisten", sagte Macron. "Wir wollen nicht mit dem russischen Volk in einen Krieg treten", meinte der PrĂ€sident auch.

Vor seiner Abreise zu dem Pariser Treffen hatte der slowakische MinisterprĂ€sident Robert Fico vor einer "gefĂ€hrlichen Eskalation der Spannungen" mit Russland gewarnt. Einzelne LĂ€nder, die er nicht namentlich nennen wollte, seien offenbar bereit, eigene Soldaten direkt in die Ukraine zu schicken. Das aber wĂŒrde Russland nicht zum Einlenken bewegen, sehr wohl aber die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts vergrĂ¶ĂŸern. Macron sagte nach der Konferenz auf die Frage eines möglichen Einsatzes von Truppen durch Polen, jedes Land könne eigenstĂ€ndig und souverĂ€n ĂŒber den Einsatz von Bodentruppen entscheiden.

Bei dem Treffen sei die Bildung einer Koalition beschlossen worden, die die Ukraine mit Raketen und Bomben mittlerer und lĂ€ngerer Reichweite fĂŒr SchlĂ€ge weit hinter die russischen Linien versorgen soll, sagte der französische PrĂ€sident. Kurzfristig solle außerdem auch aus eigenen BestĂ€nden und aus DrittlĂ€ndern zusĂ€tzliche Munition fĂŒr die Ukraine mobilisiert werden.

VerstĂ€ndigt habe man sich unter anderem auf Initiativen zur Cyberabwehr, zur Koproduktion von Waffen, zu militĂ€rischen FĂ€higkeiten und Munition in der Ukraine sowie zur Verteidigung von LĂ€ndern, die direkt von der russischen Offensive in der Ukraine bedroht sind, insbesondere Moldau. Zudem wolle man die Ukraine an ihrer Grenze zu Belarus mit nichtmilitĂ€rischen KrĂ€ften unterstĂŒtzen, sagte Macron. Auch sei es um das EntschĂ€rfen von Minen gegangen.

Eine Lieferung französischer Mirage-Kampfjets sei aktuell nicht beschlossen worden. GeprĂŒft werde aber weiterhin, welches französische MilitĂ€rmaterial der Ukraine helfen könne, sagte Macron, der bis Mitte MĂ€rz selber in die Ukraine reisen will.

Auf der Konferenz sei grundsĂ€tzlich beschlossen worden, schneller mehr Hilfe fĂŒr die Ukraine bereitzustellen, sagte Macron. Frankreich unterstĂŒtze zudem Überlegungen, mit gemeinsamen Schulden europĂ€ische RĂŒstungsausgaben angesichts des Ukraine-Kriegs zu finanzieren. Ähnlich wie in der Corona-Krise seien auch von Russlands Aggression sĂ€mtliche europĂ€ischen LĂ€nder betroffen, was den Sonderweg gemeinsamer Schulden rechtfertige.

Der zu der kurzfristig organisierten Konferenz mit einer Videobotschaft zugeschaltete ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hatte weitere Hilfe gefordert, damit Russland seine Aggression nicht auf weitere LÀnder ausdehnt.

@ dpa.de