Personio, SAP

Personio und SAP im Fokus: HR-Automation wird zum Pflichtprogramm

30.04.2026 - 11:50:27 | boerse-global.de

Studien belegen: Hohe Arbeitsbelastung und Zeitmangel treiben Personalabteilungen zur Automatisierung. Neue Softwarelösungen versprechen Entlastung.

Personio und SAP im Fokus: HR-Automation wird zum Pflichtprogramm - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Personio und SAP im Fokus: HR-Automation wird zum Pflichtprogramm - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Neue Studien und Produktlaunches im April 2026 zeigen: Wer jetzt nicht automatisiert, verliert den Anschluss.

Datenflut ohne Nutzen: Die Kluft zwischen Erhebung und Handlung

Eine Studie von BearingPoint vom 28. April 2026 macht das Dilemma deutlich. Befragt wurden 414 europäische HR-Manager. Ergebnis: Dynamische Qualifikationsanforderungen und anhaltender Produktivitätsdruck machen datenbasierte Personalarbeit zur Pflicht – doch genau die administrative Last, die sie lösen soll, verhindert oft die Umstellung.

Noch deutlicher wird die Lage im „HR-Frühwarnsystem“ von Factorial aus Februar 2026. Demnach erleben 58,7 Prozent der Beschäftigten einen deutlichen Anstieg ihrer Arbeitsbelastung. Haupttreiber: der Fachkräftemangel (36,3 Prozent), wirtschaftliche Unsicherheit (27,9 Prozent) und wachsende Bürokratie (26,3 Prozent). Für HR-Manager ist die Situation besonders kritisch: 44,7 Prozent fehlt schlicht die Zeit für aussagekräftige Datenanalysen – obwohl 65,7 Prozent wissen, dass bessere Datennutzung ihre strategische Steuerung massiv verbessern würde.

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Die Factorial-Studie zeigt zudem einen alarmierenden Trend: 49,5 Prozent der HR-Profis beobachten steigende Krankenstände. Zwar messen 56,3 Prozent der Unternehmen diese Kennzahlen aktiv, doch die fehlende Kapazität, aus den Daten zu handeln, bleibt ein Dauerproblem. Genau diese Lücke treibt die Nachfrage nach integrierten HR-Systemen, die die „versteckten“ Zeitfresser der Büroarbeit automatisieren.

Neue Tools gegen den Verwaltungsberg

Die Softwarebranche reagiert. Am 30. April 2026 präsentierte die ISGUS GmbH ihre neueste HR-Lösung, die gezielt repetitive Aufgaben eliminiert. Im Fokus: Urlaubsanträge und digitale Personalakten – aus Sicht des Unternehmens die größten „Zeitfresser“ in Konzernen.

Einen Tag zuvor kündigte die Zürcher Validato AG eine Erweiterung ihres API-First-Ansatzes für Hintergrundchecks an. Die neue Schnittstelle integriert sich direkt in etablierte Bewerbermanagementsysteme wie SAP, Workday und Personio. Erreicht ein Kandidat einen bestimmten Status im Recruiting-Workflow, löst das System automatisch einen Background Check aus und speist das Ergebnis ohne manuellen Eingriff zurück in die digitale Akte. Das soll sowohl die Einstellungszeit verkürzen als auch Übertragungsfehler vermeiden.

Auch beim Thema Zeiterfassung tut sich etwas. Die TimeStatement AG hob am 28. April 2026 die Vorteile cloudbasierter Systeme hervor. Laut internen Berechnungen können Unternehmen durch den Umstieg von analogen oder fragmentierten Digitallösungen bis zu 15 Stunden pro Monat an Verwaltungsaufwand einsparen. Ein relevanter Faktor, denn die regulatorischen Anforderungen an präzise Zeitdokumentation werden in ganz Europa strenger.

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Pflege am Limit: 52 Minuten pro Schicht durch Digitalisierung gewinnen

Besonders deutlich zeigen sich die Vorteile digitaler Prozesse in stark regulierten Branchen wie dem Gesundheitswesen. Ein Positionspapier von myneva vom 28. April 2026 belegt: Mobile Dokumentationstools sparen pro Pflegekraft und Schicht rund 52 Minuten. Der Einsatz künstlicher Intelligenz könnte diese Einsparung sogar auf 1,5 Stunden pro Schicht steigern. Doch Überregulierung und fehlende einheitliche Standards bremsen die Umsetzung, so die Autoren.

Das Institut für Workflow-Management im Gesundheitswesen (IWiG) schlägt in die gleiche Kerbe. Ein Großteil der Arbeitszeit in Kliniken fließe in nicht-wertschöpfende Tätigkeiten: Suchen von Informationen oder doppelte Dokumentation in Papier und digital. Ein ehemaliger Betriebsratsvorsitzender, der in die ambulante Pflege wechselte, bestätigte das am 28. April 2026 im Interview: Starre Zeitvorgaben – etwa 15 Minuten für eine Wundversorgung, wenn schon die Desinfektion ähnlich lange dauert – ignorieren oft die Realität digitaler und bürokratischer Anforderungen.

Die Politik reagiert. Die CDU präsentierte am 28. April 2026 einen Drei-Punkte-Plan zum Bürokratieabbau, der eine dreijährige Aussetzung von Dokumentationspflichten und die Abschaffung analoger Statistikmeldungen vorsieht. Parallel dazu verabschiedete der Berliner Senat einen umfangreichen Aufgabenkatalog für die eigene Verwaltungsreform: Die Zahl der identifizierten Staatsaufgaben soll von 4.500 auf 2.200 sinken, um Doppelzuständigkeiten zu beseitigen und Entscheidungen zu beschleunigen.

Der digitale RĂĽckenwind: Briefpost im freien Fall

Die Entwicklung hin zum digitalen HR-Management wird von einem Niedergang traditioneller Kommunikationsmethoden begleitet. Die DHL Group (Deutsche Post) meldete am 29. April 2026 für das erste Quartal 2026 einen Rückgang der Briefmengen um 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Grund: die fortschreitende Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Zwar stieg das operative Ergebnis (EBIT) des Konzerns um 8,3 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, doch die Sparte Post & Paket Inland verzeichnete ein Minus von 5,8 Prozent – belastet durch die schrumpfende Profitabilität der physischen Post.

Dieser trend untermauert: Digitale Workflows sind keine Option mehr. Branchenexperten sehen in der „Last“ von traditioneller Post und manueller Papierarbeit den Treiber für höhere Investitionen in digitale Infrastruktur. Gestützt wird diese Entwicklung durch die Empfehlungen der Kommission „Wettbewerb und KI“ vom 28. April 2026. Sie fordert einen 300-Milliarden-Euro-Investitionsfonds für den Aufbau europäischer KI- und Cloud-Infrastruktur. Der Staat solle als „Ankerkunde“ fungieren, um ein wettbewerbsfähiges Umfeld für europäische Tech-Lösungen zu schaffen.

Ausblick: EU Digital ID und KI-Gesetz als Game-Changer

Die Zukunft des HR-Managements wird maßgeblich von neuen EU-Regularien und der Einführung standardisierter digitaler Identitäten geprägt. Die EU Digital Identity Wallet soll bis Ende 2026 von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden – und könnte Identitätsprüfungen und Hintergrundchecks bei Neueinstellungen massiv vereinfachen. Zudem tritt der EU AI Act am 2. August 2026 vollständig in Kraft und schafft einen neuen Rechtsrahmen für den Einsatz automatisierter Systeme in der Personalauswahl und Mitarbeiterüberwachung.

In Deutschland arbeiten Bund und Länder am Modell des „Rathauses in der Hosentasche“. Eine Pilotvereinbarung zwischen dem Bund und Bayern wurde am 29. April 2026 unterzeichnet. Zwar zielen diese Bemühungen primär auf öffentliche Dienstleistungen ab, doch die zugrundeliegende Infrastruktur – etwa die erforderlichen Online-Ausweisfunktionen – wird voraussichtlich auch in die Privatwirtschaft ausstrahlen. Für HR-Profis bedeutet das: Der Fokus wird sich zunehmend von der Verwaltung administrativer Prozesse hin zur Nutzung hochwertiger Daten für langfristige Personalplanung und Mitarbeiterbindung verschieben.

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