Pflege-Modellvorhaben: 36.000 Patienten in Niedersachsen ab September
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem aktuellen Positionspapier hat der GKV-Spitzenverband weitreichende Forderungen für die technologische Modernisierung der Pflegelandschaft formuliert. Das Strategiepapier skizziert einen Digitalisierungsplan, der eine deutliche Beschleunigung der Prozesse sowie eine tiefere Integration der Pflege in die bestehende Gesundheitsinfrastruktur vorsieht.
Kernpunkte der Initiative sind die Forderung nach einem sogenannten Digitalpakt Pflege sowie eine stärkere Einbindung des Sektors in die elektronische Patientenakte (ePA).
Infrastrukturelle Defizite und Vernetzungsgrad
Die Analyse des GKV-Spitzenverbands verdeutlicht einen erheblichen Nachholbedarf bei der technischen Anbindung von Pflegeeinrichtungen. Den Erhebungen zufolge waren mit Stand Mai 2026 lediglich zwei Drittel der Pflegeeinrichtungen im Adressbuch der Telematikinfrastruktur (TI) verzeichnet.
Noch geringer fällt die Nutzung spezifischer Kommunikationsdienste aus: Nur ein Drittel der Einrichtungen verwendet das Medium Kommunikation im Medizinwesen (KIM).
Um diese Lücken zu schließen, plädiert der Verband für zusätzliche finanzielle Mittel und eine verbindliche Roadmap. Der Deutsche Pflegerat signalisierte bereits Unterstützung für diese Forderungen, betonte jedoch die Notwendigkeit klarer Refinanzierungsregeln für die betroffenen Betriebe, um die Investitionsrisiken abzufedern.
Regionale Modellvorhaben und sektorenübergreifende Ansätze
Während auf Bundesebene über die Rahmenbedingungen debattiert wird, starten in den Regionen konkrete Umsetzungsprojekte. In Niedersachsen begannen Anfang September 2026 erste gemeinsame Modellvorhaben nach § 123 SGB XI in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland. Diese Vorhaben werden vom Land und den Pflegekassen mit jeweils rund 2 Mio. Euro jährlich gefördert.
Das Konzept dieser Projekte zielt darauf ab, über 36.000 Pflegebedürftige durch eine Kombination aus Casemanagement, digitaler Unterstützung und ehrenamtlichem Engagement besser zu versorgen.
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Parallel dazu liefert die wissenschaftliche Begleitforschung wichtige Erkenntnisse: Die eliPfad-Studie in Nordrhein-Westfalen untersucht derzeit an sechs Zentren fast 1.000 ältere Menschen nach einem Klinikaufenthalt.
Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Kombination aus persönlicher Betreuung und digitalen Hilfsmitteln die Selbstständigkeit der Betroffenen stärkt. Eine finale Auswertung dieser durch den Innovationsfonds geförderten Studie wird für Mitte 2027 erwartet.
Technologische Innovationen in der klinischen Verwaltung
Über die unmittelbare Pflege hinaus treiben Akteure im Gesundheitswesen die Effizienz ihrer Infrastruktur durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) voran. Der Klinikbetreiber Asklepios setzt für die Instandhaltungs- und Nachhaltigkeitsplanung (ESG) von etwa 300 Gebäuden auf eine KI-Lösung der Partner WAIYS und sh+.
Das System bündelt Gebäude-, Energie- und Kostendaten und befindet sich bereits im produktiven Einsatz. Zukünftig sollen automatisierte Budgetplanungen und eine KI-Chatfunktion die Verwaltung weiter entlasten.
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Auch im Bereich der Datensicherheit und Interoperabilität gibt es Fortschritte. Das Unternehmen Magellan erhielt als erster Anbieter die Zulassung der gematik für das Verfahren VSDM 2.0. Diese Technologie ermöglicht den Echtzeit-Abruf von Versichertendaten aus Primärsystemen auf Basis des FHIR-Standards und ist ein wesentlicher Bestandteil der TI 2.0. Gleichzeitig kooperiert die Telekom mit dem Start-up Prof. Valmed, um eine zertifizierte Medizin-KI der CE-Klasse IIb in den klinischen Alltag zu integrieren.
Diese KI nutzt eine Basis von 2,5 Mio. kuratierten Dokumenten und soll direkt aus einer deutschen Cloud heraus in Krankenhausinformationssysteme eingebunden werden.
Regulatorische Anpassungen und digitale Anwendungen
Die strukturelle Modernisierung wird durch gesetzliche Reformen flankiert. Im Rahmen der DiGA-Reform 2026 wurde der Zugang für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) erweitert. Seit Februar 2026 können auch Produkte der Risikoklasse IIb den DiGA-Weg nutzen.
Ab dem dritten Quartal 2026 sind dauerhaft gelistete Anwendungen zudem verpflichtet, Nutzungsdaten zu erfassen, wobei die erste Meldung bis zum 15.04.2027 erfolgen muss. Zudem wurde festgelegt, dass seit Beginn des Jahres 2026 mindestens 20 % der Vergütung leistungsabhängig gestaltet sein müssen.
In der praktischen Anwendung zeigen Einrichtungen wie die Diakonie Düsseldorf, wie digitale Konzepte den Alltag bereichern können. Durch den Einsatz von Robotern wie Pepper zur sozialen Betreuung sowie verschiedenen Apps und digitalen Tools zur Aktivierung von Bewohnern wurde die Einrichtung bereits für ihre Innovationskraft ausgezeichnet. Solche Beispiele unterstreichen das Potenzial, das der GKV-Spitzenverband durch seinen geforderten Digitalpakt nun systemweit erschließen möchte.
