Phishing-Welle, Klickrate

Phishing-Welle August 2026: KI treibt Klickrate auf 10 Prozent

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 01:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Personalisierte Betrugsmails und Messenger-Nachrichten nehmen zu. KI erhöht die Klickraten deutlich, wÀhrend Datenlecks die Angriffe befeuern.
Eine Person hÀlt ein Smartphone in den HÀnden, wÀhrend sie auf dem Bildschirm eine verdÀchtige Nachricht betrachtet. Illustration mit AI erstellt.

In der Mitte des Augusts 2026 beobachten IT-Sicherheitsexperten und VerbraucherschĂŒtzer eine signifikante Zunahme hochgradig personalisierter Phishing-Kampagnen.

Kriminelle nutzen dabei manipulierte Suchergebnisse, gefĂ€lschte E-Mails und Messenger-Nachrichten, die teilweise auf echten Buchungs- und Kundendaten basieren, um sensible Informationen abzugreifen. Besonders betroffen sind derzeit Kunden großer deutscher Finanzinstitute sowie GĂ€ste internationaler Hotelketten.

Zielgerichtete Attacken auf HotelgÀste und IT-Dienstleister

Ein aktueller Schwerpunkt der Angriffe liegt auf der Reisebranche. Wie Berichte von Mitte August zeigen, werden HotelgĂ€ste ĂŒber den österreichischen IT-Dienstleister Seekda ins Visier genommen.

Die Betroffenen erhalten tĂ€uschend echte WhatsApp-Nachrichten, die korrekte Buchungsdetails enthalten. In diesen Nachrichten werden die EmpfĂ€nger unter Zeitdruck gesetzt, etwa durch eine Frist von zwölf Stunden, um ĂŒber einen mitgesendeten Link Zahlungen zu bestĂ€tigen.

Auch andere Dienstleister im Tourismussektor meldeten SicherheitsvorfĂ€lle. So gab ibelsa bereits Ende Juli einen Datenabfluss bekannt, wĂ€hrend das Buchungsportal Booking.com bereits im FrĂŒhjahr Fremdzugriffe auf Systeme eingerĂ€umt hatte. BranchenverbĂ€nde wie der DEHOGA Nordrhein-Westfalen warnen Hotelbetreiber und GĂ€ste ausdrĂŒcklich vor derartigen Zahlungsaufforderungen ĂŒber inoffizielle KanĂ€le.

Massive Phishing-Wellen gegen den Finanzsektor

Zeitgleich verzeichnet die Verbraucherzentrale eine koordinierte Welle von Betrugsversuchen gegen Kunden diverser Banken. Bei der DKB kursieren gefĂ€lschte E-Mails, in denen behauptet wird, eine App-Registrierung laufe am 20. August 2026 ab. Kunden werden aufgefordert, ihr Konto ĂŒber einen Button zu reaktivieren, was direkt auf eine Phishing-Seite fĂŒhrt.

Ähnliche Muster zeigen sich bei anderen Instituten:
- PayPal: Nutzer erhalten seit dem 11. August Nachrichten ĂŒber angeblich gesperrte Kontofunktionen mit einer siebentĂ€gigen Frist.
- Volks- und Raiffeisenbanken: Hier wird eine dringende Aktualisierung der VR-SecureGo-App gefordert, wobei eine Frist bis zum 11. August gesetzt wurde.
- Commerzbank: BetrĂŒger berufen sich auf das GeldwĂ€schegesetz und die DSGVO, um Kunden zur BestĂ€tigung persönlicher Daten bis zum 8. August zu bewegen.
- easybank: Hier wird seit dem 12. August vor Warnungen ĂŒber unbefugte Zugriffe gewarnt.

ZusĂ€tzlich kursieren gefĂ€lschte Benachrichtigungen des Bundeszentralamts fĂŒr Steuern. Darin wird eine vermeintliche Steuererstattung in Höhe von 263 Euro versprochen. Sowohl die Behörde als auch ELSTER raten dringend davon ab, die enthaltenen Links zu nutzen.

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Technologische Professionalisierung durch KĂŒnstliche Intelligenz

Aktuelle Studien belegen eine zunehmende Professionalisierung der Angreifer durch den Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI). Eine Untersuchung von Instituten wie Bifold, der TU Berlin und der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum zeigt, dass KI-personalisierte Phishing-Mails eine Klickrate von 10 Prozent erreichen, wĂ€hrend generische Nachrichten lediglich bei 3,9 Prozent liegen.

Der Einsatz von KI senkt zudem die Kosten massiv: Ein personalisierter Workflow dauert nur noch rund 45 Sekunden und kostet etwa 0,03 US-Dollar pro Adresse.

Sicherheitsexperten von Kaspersky warnen zudem vor dem sogenannten Cloud-Phishing. In den letzten zwölf Monaten wurden rund 390.000 Angriffe ĂŒber Dienste wie Cloudflare Workers, GitHub Pages oder Vercel registriert. Dabei kommen hochentwickelte Techniken zum Einsatz, die sogar Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA) durch das Stehlen von Session-Cookies umgehen können.

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Datenlecks als Treibstoff fĂŒr CyberkriminalitĂ€t

Die Grundlage fĂŒr diese prĂ€zisen Angriffe sind oft massive Datenlecks. Berichten zufolge befinden sich derzeit etwa 16 Milliarden Zugangsdaten im Umlauf. Eine Studie von SpyCloud unterstreicht die Tragweite: 86 Prozent der Fortune-100-Unternehmen waren in den vergangenen zwölf Monaten von Datenlecks durch Phishing betroffen.

In Deutschland geben Statistiken an, dass etwa 11 Prozent der Internetnutzer bereits Opfer von CyberkriminalitÀt wurden, wobei Phishing in 12 Prozent dieser FÀlle die Methode war.

Angesichts dieser Bedrohungslage raten Experten zur Nutzung von Passkeys und einer konsequenten ÜberprĂŒfung von Absenderadressen. Erich Kron, CISO Advisor bei KnowBe4, warnte ausdrĂŒcklich vor der neuen QualitĂ€t KI-gestĂŒtzter Angriffe und empfahl Unternehmen verstĂ€rkte Schulungsprogramme, um Mitarbeiter fĂŒr die immer schwerer zu erkennenden Betrugsversuche zu sensibilisieren.

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