Plastiksteuer im Haushaltsstreit: 40 VerbÀnde fordern sofortigen Stopp
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn den Verhandlungen ĂŒber den Bundeshaushalt 2027 zeichnet sich ein schwerer Konflikt zwischen den Koalitionsfraktionen von Union und SPD ab. GesprĂ€chsrunden, an denen unter anderem Unionsfraktionschef Thorsten Frei und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch teilnahmen, brachten am Montag kein Ergebnis.
Im Mittelpunkt des Streits stehen geplante Abgaben auf Plastikverpackungen und zuckerhaltige GetrĂ€nke sowie Ănderungen bei der Besteuerung von KryptowĂ€hrungen.
Zeitdruck vor der entscheidenden Haushaltswoche
Die Spitzen der Koalition stehen unter erheblichem Zeitdruck. Bis zum Wochenende ist eine VerstĂ€ndigung erforderlich, damit die Bereinigungsvorlage planmĂ€Ăig am Montag an die HaushĂ€lter ĂŒbermittelt werden kann. Der Haushaltsausschuss soll den Bundesetat fĂŒr das Jahr 2027 Ende der kommenden Woche abschlieĂend beraten und finalisieren.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat die geplanten Mehreinnahmen im Haushaltsentwurf bereits fest eingeplant, um finanzielle LĂŒcken zu schlieĂen. Der Entwurf fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 sieht Ausgaben in Höhe von 555 Milliarden Euro vor. Die Nettokreditaufnahme soll dabei von 98 Milliarden auf ĂŒber 118 Milliarden Euro steigen.
EinschlieĂlich der Kredite fĂŒr die Sondervermögen Bundeswehr und Infrastruktur belĂ€uft sich die Neuverschuldung auf ĂŒber 200 Milliarden Euro. Nach dem Kabinettsbeschluss im Juli hatte Klingbeil erklĂ€rt, eine HaushaltslĂŒcke von 34 Milliarden Euro geschlossen zu haben. Die vorgesehenen SteuerĂ€nderungen sollen im Jahr 2027 insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro an zusĂ€tzlichen Einnahmen beisteuern.
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Widerstand aus den Reihen der Union
Vor allem bei der geplanten Plastiksteuer verweigert die Union ihre Zustimmung. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann wies den Entwurf zur Abgabe auf Kunststoffverpackungen in Berlin zurĂŒck.
Zugleich forderte Hoffmann fĂŒr eine Erhöhung der Alkoholsteuer einen spĂ€teren Termin, wandte sich gegen eine Anhebung der Schaumweinsteuer und nannte fĂŒr das Inkrafttreten der Zuckersteuer den 1. Januar 2028 als Wunschdatum.
Das Bundesfinanzministerium strebt dagegen einen Start der Zuckersteuer zum 1. Juli 2027 an. Abweichungen von diesem Zeitplan hÀtten unmittelbare Auswirkungen auf die EinnahmenschÀtzungen des Haushalts 2027.
Auch an weiteren SteuerplÀnen regt sich Widerspruch. Der CDU-Finanzpolitiker Olav Gutting will das Ende der steuerfreien einjÀhrigen Haltefrist bei KryptowÀhrungen verhindern. Weder die Plastik- noch die Kryptosteuer wurden bislang vom Bundeskabinett beschlossen.
Bereits beschlossen ist hingegen die Abgabe auf zuckergesĂŒĂte ErfrischungsgetrĂ€nke, die das Kabinett am 14. Oktober passierte. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundestags soll ab dem 1. Juli 2027 ein gestaffelter Tarif gelten: Bei einem Gehalt ab 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter werden 26 Cent pro Liter fĂ€llig, ab 8 Gramm sind es 32 Cent. Die Regelung zielt unter anderem auf Limonaden, Energydrinks, Fruchtnektare und Sirupe ab.
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Eckpunkte und Kritik an der Plastikabgabe
Der vorlĂ€ufige Regierungsentwurf fĂŒr die Plastiksteuer sieht ab dem 1. Juli 2027 eine Abgabe von 550 Euro je Tonne Kunststoff in Verpackungen vor, was 55 Cent je Kilogramm entspricht. Erfasst werden Folien, VerschlĂŒsse sowie Verbundmaterialien mit einem Kunststoffanteil von ĂŒber 5 Prozent, fĂ€llig bei Herstellern und Importeuren.
Laut Berechnungen des Bundesfinanzministeriums belĂ€uft sich die Zusatzbelastung etwa bei einem Joghurtbecher auf rund 0,28 Cent, bei einer eingeschweiĂten Gurke auf 0,17 Cent, bei einer Margarinebecher auf 0,99 Cent, bei einer Shampooflasche auf 1,65 Cent und bei einer 1,5-Liter-PET-Flasche auf rund 1,93 Cent. Die Regierung rechnet fĂŒr 2027 mit Mehreinnahmen von rund 805 Millionen Euro, ab 2028 sollen es jĂ€hrlich knapp 1,5 Milliarden Euro sein.
WirtschaftsverbĂ€nde protestieren geschlossen gegen das Gesetzesvorhaben. Mehr als 40 Spitzen- und BranchenverbĂ€nde, darunter BDI, HDE, DIHK, VCI, VDMA, ZVEI und der Bundesverband der Deutschen SĂŒĂwarenindustrie, forderten in einem Schreiben an Kanzleramtschefin Nina Warken vom 29. Oktober den sofortigen Stopp der Vorlage. Sie warnen vor jĂ€hrlichen BĂŒrokratiekosten im mittleren zweistelligen Millionenbereich, Wettbewerbsnachteilen und steigenden Verbraucherpreisen.
Auch die Allianz Verpackung und Umwelt betonte, die Steuer diene primĂ€r der Haushaltskonsolidierung. Laut einer AVU-Umfrage unter 306 Betrieben rechnen rund 70 Prozent mit rĂŒcklĂ€ufigen Absatzmengen und 43 Prozent mit geringeren Investitionen.
