Porsche schließt drei Tochterfirmen – über 500 Jobs weg
09.05.2026 - 14:14:52 | boerse-global.deGleich mehrere Großunternehmen kündigen tiefe Einschnitte an – und die Politik reagiert.
Strategischer Sparkurs trifft Hunderte Beschäftigte
Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche schließt drei seiner Spezialtöchter und streicht mehr als 500 Stellen. Betroffen sind die Einheiten Cellforce (Batterietechnik), Porsche eBike Performance und der Software-Spezialist Cetitec. Das bestätigte Konzernchef Michael Leiters am Donnerstag.
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Die Gründe für den harten Schnitt: schwache China-Verkäufe, die milliardenschwere Elektro-Wende und anhaltende Handelskonflikte – etwa die US-Zölle. Besonders hart trifft es die E-Bike-Tochter mit rund 350 Mitarbeitern an den Standorten München, Ottobrunn und Zagreb. Cetitec beschäftigt 90 Menschen in Pforzheim und Kroatien, Cellforce 50.
Die finanzielle Not des Autobauers ist eklatant: 2025 brach der Gewinn auf 310 Millionen Euro ein – ein Rückgang von 91 Prozent. Und die Schließungen sind nur der Anfang: Bis 2029 sollen in Stuttgart weitere 1.900 Stellen wegfallen.
Widerstand formiert sich – auch bei Biontech und Commerzbank
Der Porsche-Sparkurs ist kein Einzelfall. In der deutschen Industrie brodelt es. Beim Mainzer Impfstoffhersteller Biontech kämpft der Betriebsrat um den Erhalt von Standorten in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen. Bis zu 1.860 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Arbeitnehmervertreter werfen dem Management mangelnde Kooperation bei der Investorensuche vor und haben CEO Ugur Sahin offiziell an den Verhandlungstisch eingeladen.
Auch die Commerzbank sorgt für Unruhe. Das Institut will bis 2030 rund 3.000 der 38.000 Stellen streichen. Doch Betriebsratschef Sascha Uebel warnt: Eine mögliche Übernahme durch die italienische UniCredit könnte die Lage dramatisch verschärfen. „Dann wären 7.000 bis 10.000 Jobs in Deutschland weg“, so Uebel. Die Gewerkschaft ver.di hält sogar bis zu 15.000 Streichungen für möglich, sollte es zur Fusion mit der HypoVereinsbank kommen. Immerhin: betriebsbedingte Kündigungen sind bislang ausgeschlossen.
Parallel dazu baut der Automatisierungsspezialist Festo 1.300 Stellen in Deutschland ab.
Niedersachsen will Betriebsräte besser schützen
Die Politik reagiert auf die Kündigungswelle. Das Land Niedersachsen hat Anfang Mai eine initiative im Bundesrat eingebracht, die Behinderung von Betriebsräten künftig als Offizialdelikt einzustufen. Justizministerin Kathrin Wahlmann will erreichen, dass Ermittlungsbehörden automatisch tätig werden – ohne dass betroffene Mitarbeiter erst Anzeige erstatten müssen. Bisher scheuen viele aus Angst vor Rache den Gang zur Polizei.
Die Linke geht noch weiter: Sie fordert im Bundestag eine bundesweite Förderung von Betriebsratsgründungen und härtere Strafen für arbeitgeberseitige Behinderungen. Der Handlungsbedarf ist groß. Waren 1996 noch 49 Prozent der Beschäftigten durch einen Betriebsrat vertreten, sank dieser Anteil bis 2024 auf 37 Prozent. Nur sieben Prozent aller berechtigten Firmen haben überhaupt einen Betriebsrat.
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Die jüngsten Wahlen zeigen aber: Wo Betriebsräte existieren, sind sie stark. Beim Logistikriesen Amazon in Frankenthal holte die ver.di-Liste „Wir sind die Arbeiter“ die absolute Mehrheit. Spitzenkandidat Faisal Abdullahi spricht von einem Sieg gegen die „Angstkultur“. Bei der Deutschen Bahn sicherte sich die EVG über 85 Prozent der Stimmen – ein Plus von fast zehn Prozentpunkten gegenüber 2022.
KI und Arbeitszeit: Die nächsten Baustellen
Die Digitalisierung verändert den Arbeitsmarkt rasant – und vernichtet Jobs. Das Kölner KI-Start-up DeepL kündigte am 7. Mai an, rund 250 Stellen zu streichen, ein Viertel der Belegschaft. Das Unternehmen setzt künftig auf kleinere, KI-gestützte Teams.
Eine Microsoft-Studie zeigt: Erstmals nutzen über 30 Prozent der deutschen Erwerbstätigen Künstliche Intelligenz. Doch das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Laut einer Sapio-Research-Erhebung verbringen viele Beschäftigte wöchentlich über acht Stunden mit manuellen Tätigkeiten, die sich automatisieren ließen. Das kostet Großunternehmen Millionen.
Gleichzeitig plant Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden soll durch eine flexible Wochengrenze ersetzt werden. Zwar bliebe die 48-Stunden-Woche im Schnitt erhalten, doch Einzelschichten von bis zu 13 Stunden wären möglich. Gewerkschaften und Arbeitsmediziner schlagen Alarm: Das könnte den Druck auf Beschäftigte massiv erhöhen.
Ausblick: Heiße Wochen für die Ampel
Der Konflikt zwischen Arbeitnehmern und Regierung dürfte sich zuspitzen. Beim DGB-Bundeskongress ab dem 19. Mai wollen die Gewerkschaften gegen geplante Sozialkürzungen protestieren. Die Bundesregierung prüft Einsparungen von 8,6 Milliarden Euro im sozialen Bereich – unter anderem bei Jugend- und Eingliederungshilfen.
ver.di-Chef Frank Werneke hat bereits Proteste angekündigt. Er spricht von einem „Angriff auf den Sozialstaat“ und kritisiert geplante Änderungen beim Kündigungsschutz, der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und der Rentenstabilität. Für zusätzlichen Zündstoff sorgte der Bundesrat am Donnerstag: Er lehnte eine steuerfreie 1.000-Euro-Prämie für Arbeitnehmer ab – mit Verweis auf die Belastung für Länder und Kommunen. Die Regierung erwägt nun den Vermittlungsausschuss.
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