Porsche, Stellen

Warum Porsche rund 1.900 Stellen streichen will

13.02.2025 - 16:56:27

Porsche setzt in der Krise den Rotstift an: Der Sportwagenbauer möchte Personal abbauen, um Kosten zu senken. Zwei Standorte sind betroffen. Aber auch der Bonus soll gedeckelt werden.

  • Betroffen ist auch das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpa

    Marijan Murat/dpa

  • Der Wechsel zur E-MobilitĂ€t - im Bild der vollelektrische Taycan - lĂ€uft nicht rund. Deshalb setzt Porsche-Chef Oliver Blume auch wieder auf Verbrenner. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa

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Betroffen ist auch das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. (Archivbild) - Foto: Marijan Murat/dpaDer Wechsel zur E-MobilitÀt - im Bild der vollelektrische Taycan - lÀuft nicht rund. Deshalb setzt Porsche-Chef Oliver Blume auch wieder auf Verbrenner. (Archivbild) - Foto: Jan Woitas/dpa

Der Sport- und GelĂ€ndewagenbauer Porsche muss sparen - und will dazu rund 1.900 Stellen abbauen. Betroffen sind das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und der Standort mit dem Entwicklungszentrum in Weissach westlich von Stuttgart. «Der Abbau betrifft alle Bereiche – von der Entwicklung, ĂŒber die Produktion bis zur Verwaltung», sagte Personalvorstand Andreas Haffner der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten». 

Das Unternehmen, das mehrheitlich zu VW gehört, steht Haffner zufolge zwar noch vergleichsweise gut da. «Aber wir haben vielfĂ€ltige Herausforderungen zu meistern». Als Beispiele nannte er den verzögerten Hochlauf der E-MobilitĂ€t und herausfordernden geopolitische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Jetzt gehe es darum, frĂŒhzeitig Weichen zu stellen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. «Dazu gehören auch die Personalkosten», sagte er.

Keine betriebsbedingten KĂŒndigungen bis 2030

Management und Betriebsrat hĂ€tten sich deshalb auf Maßnahmen verstĂ€ndigt. Der Stellenabbau kann nach Angaben des Unternehmens nur sozialvertrĂ€glich erfolgen. FĂŒr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Porsche AG gilt noch bis 2030 eine BeschĂ€ftigungssicherung. Betriebsbedingte KĂŒndigungen sind bis dahin ausgeschlossen - der Konzern muss also auf Freiwilligkeit setzen. 

Betriebsratschef Harald Buck sagte dazu: «Konkret wird es Angebote fĂŒr eine attraktive Altersteilzeitregelung geben». In EinzelfĂ€llen werde das Unternehmen auch AufhebungsvertrĂ€ge mit einer Abfindung anbieten. Außerdem will Porsche die Fluktuation in der Belegschaft und den demografischen Wandel nutzen und Nachbesetzungen und Neueinstellungen streng prĂŒfen.

Die nun bekanntgewordenen Streichungen erfolgen zusÀtzlich zu den bereits beschlossenen Einsparungen bei befristet BeschÀftigten. Seit vergangenem Jahr laufen deren VertrÀge in der Produktion schrittweise aus. Haffner zufolge wurden 2024 bereits 1.500 VertrÀge nicht verlÀngert. «2025 kommen nochmals 500 hinzu.» Aktuell beschÀftige man noch 23.650 Menschen. 

Aber auch an anderer Stelle soll gespart werden: So wird der Bonus fĂŒr die BeschĂ€ftigten gedeckelt. Im GeschĂ€ftsjahr 2023 waren das bis zu 9690 Euro. «Das wird sich Ă€ndern. Sie wird fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2024 deutlich niedriger ausfallen», sagte Haffner. Aber auch das Management will einer Sprecherin zufolge einen signifikanten Beitrag am Sparvolumen leisten.

Ob im Leipziger Porsche-Werk ebenfalls Stellen gestrichen werden sollen, war zunĂ€chst nicht bekannt. Der Standort ist eine Tochter der Porsche AG und nicht in der aktuellen AnkĂŒndigung aufgefĂŒhrt. 

Manager-Beben vor wenigen Tagen

FĂŒr den Sportwagenbauer sind es turbulente Zeiten: Anfang des Monats hatte Porsche ĂŒberraschend mitgeteilt, dass es Finanzvorstand Lutz Meschke und Vertriebsvorstand Detlev von Platen loswerden will. GrĂŒnde fĂŒr den Rauswurf der beiden Manager nannte das Unternehmen nicht. 

Das VerhĂ€ltnis zwischen Meschke und Oliver Blume, der sowohl Porsche als auch den VW-Konzern fĂŒhrt, galt jedoch als angespannt. Dem Stellvertreter wurden Ambitionen auf den Chefposten nachgesagt. Außerdem hatte der Aktienkurs in der Vergangenheit stark nachgegeben. ZusĂ€tzlich kĂ€mpfen die Zuffenhausener aktuell unter anderem mit schwachen GeschĂ€ften in China. Nachfolger fĂŒr die beiden Manager stehen noch nicht fest.

Verbrenner-Comeback

Wenige Tage spĂ€ter verkĂŒndete der Konzern einen Strategiewechsel: Porsche will wieder mehr auf Verbrenner setzen. Das lĂ€sst sich Vorstandschef Blume einiges kosten: 2025 rechnet das Unternehmen mit einer Mehrbelastung von bis zu 800 Millionen Euro - unter anderem, um neue Modelle mit Verbrenner und Plug-in-Hybridantrieb zu entwickeln. Auch fĂŒr die Batterietechnologie mĂŒssen die Zuffenhausener Geld nachschießen. 

Offiziell steht das ehrgeizige E-Auto-Ziel von Porsche noch: Bis 2030 sollen mehr als 80 Prozent der Sport- und GelĂ€ndewagen mit einem vollelektrischen Antrieb vom Band laufen. Zuletzt hieß es aber, dass das Ziel abhĂ€ngig von der Nachfrage und der Entwicklung der E-MobilitĂ€t in der Welt sei. 

Bereits im vergangenen Jahr kam das Unternehmen vorlĂ€ufigen Zahlen zufolge deutlich unter Druck. Denn die Nachfrage nach den Luxus-Autos schwĂ€chelt. Der Verbrenner-Schwenk dĂŒrfte die Porsche-GeschĂ€ftszahlen in diesem Jahr noch weiter belasten. Im vergangenen Jahr verkaufte Porsche gut 310.700 Fahrzeuge - drei Prozent weniger als 2023. In China, dem weltweit wichtigsten Automarkt, lag das Minus bei 28 Prozent. Zuletzt fuhren 27 Prozent aller von Porsche ausgelieferten Autos vollelektrisch oder als Plug-in-Hybrid.

@ dpa.de