Problemimmobilien in NRW: Behörden prüfen 120 Wohneinheiten
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 18:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei einer landesweiten Kontrollaktion gegen Missstände in Problemimmobilien haben Behörden in Nordrhein-Westfalen rund 120 auffällige Wohneinheiten überprüft. Der koordinierte Einsatz erstreckte sich über die Städte Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld und Verbert. Wegen erheblicher Brandschutzmängel und einer akuten Gefahr für Leib und Leben ließen die Behörden ein Altbaugebäude in Duisburg umgehend schließen.
An der großangelegten Maßnahme beteiligten sich mehr als 100 Behördenmitarbeitende. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Bauministeriums arbeiten bei den Kontrollen zahlreiche Stellen zusammen. Erstmals unterstützte ein Datenanalyse-Team der Bundesagentur für Arbeit die Kontrollkräfte vor Ort.
Im Fokus der Auswertungen standen auffällige Adresshäufungen, Leistungsbezüge und gemeldete Minijobs. Die Kontrollteams untersuchten bauliche und wohnrechtliche Mängel, überhöhte Mieten sowie unzumutbare Wohnverhältnisse. Zudem prüften sie Hinweise auf Scheinmeldungen, die dem unrechtmäßigen Bezug von Sozialleistungen dienen.
Nach Erkenntnissen der Behörden beschäftigen Vermieter Bewohner mitunter unangemeldet und unterhalb des Mindestlohns, während Jobcenter für überhöhte Mietkosten aufkommen. Bei früheren Kontrollen waren wiederholt gesundheitsgefährdende Zustände und schwere Brandschutzdefizite festgestellt worden, die teils zur Schließung von Wohnungen führten.
Funde bei der Kontrolle in Duisburg
In dem nun in Duisburg geschlossenen Altbau waren 18 Menschen aus Rumänien gemeldet, darunter sechs Kinder. Bei der Überprüfung trafen die Einsatzkräfte die registrierte Familie mit den Kindern nicht an; ihre Wohnung stand leer. Stattdessen hielten sich zwölf andere Personen in der Immobilie auf, von denen ein Teil nicht an dieser Adresse gemeldet war.
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Nach Angaben der Stadt Duisburg finden derartige Kontrollen im Stadtgebiet alle 14 Tage statt. Der Duisburger Oberbürgermeister forderte angesichts der Entwicklungen eine einheitliche Definition des Arbeitnehmerstatus für EU-Bürger.
Kommunale Initiativen in Gelsenkirchen und Hagen
Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Andrea Henze begrüßte einen vom Bund beschlossenen Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen den Missbrauch von Sozialleistungen. Dieser sieht erleichterte Zutrittsrechte zu Problemimmobilien sowie einen KI-gestützten Datenabgleich vor.
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Henze betonte die Notwendigkeit, Schrottimmobilien zu schließen und im Extremfall enteignen zu können. In Gelsenkirchen leben rund 12.000 Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Die Stadt meldete in diesem Kontext rund 4.500 Personen von Amts wegen ab, deckte knapp 640 Missbrauchsfälle auf und nahm 80 Schrottimmobilien vom Markt.
Im Vorjahr verließen knapp 500 Menschen aus Südosteuropa die Stadt. Gelsenkirchen erkennt Zuwanderer erst dann als Arbeitnehmer an, wenn sie mindestens ein Drittel ihres Lebensunterhalts eigenständig erwirtschaften.
In Hagen stellte Oberbürgermeister Dennis Rehbein am 23. September 2026 im Rahmen eines Bürgerdialogs den „Hagen Pakt“ vor und sprach sich ebenfalls für den Zehn-Punkte-Aktionsplan des Bundes aus.
In der Stadt leben 7.000 Zuwanderer aus Südosteuropa, von denen etwa die Hälfte eine Beschäftigung hat. Hagen beabsichtigt, in den kommenden Jahren 350 Immobilien zu bearbeiten: Geplant sind der Abriss von 600 Wohnungen und die Sanierung von rund 1.000 Einheiten.
Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt dieses Vorhaben mit 80 Millionen Euro, während die Kommune zehn Prozent der Kosten aufbringt. Rehbein regte an, die Anerkennung als Arbeitnehmer erst ab einem Einkommen von zwei Dritteln des deutschen Durchschnittslohns zu gewähren.
Flankierend hat die nordrhein-westfälische Landesregierung einen Gesetzentwurf eingebracht, der Kommunen erweiterte Handlungsmöglichkeiten einräumen soll. Das Vorhaben umfasst verschärfte Auflagen, die Einführung eines Gütesiegels für faire Unterkünfte und als äußerste Maßnahme in schwerwiegenden Fällen die Enteignung betroffener Immobilien.
