Prosumer-Abgabe, Bundesnetzagentur

Prosumer-Abgabe: Bundesnetzagentur erhöht Netzkosten um 70-90%

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesnetzagentur will Prosumer stärker an Netzkosten beteiligen. Neue Abgaben und Speicherregeln ab 2026/2028 geplant.

Netzagentur plant höhere Netzkosten für PV-Betreiber ab 2028
Moderne Photovoltaikanlage auf einem Hausdach mit einem Stromzähler im Vordergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesnetzagentur will private Stromproduzenten künftig deutlich stärker an den Netzkosten beteiligen. Der am 7. August veröffentlichte Festlegungsentwurf AgNes sieht Grundpreisaufschläge von 70 bis 90 Prozent für Betreiber von Photovoltaik-Anlagen vor, die ihren Strom vorrangig selbst verbrauchen.

Prosumer sollen zahlen

Haushalte und Unternehmen mit eigener PV-Anlage – sogenannte Prosumer – beziehen weniger Strom aus dem öffentlichen Netz. Dadurch sinkt ihr Beitrag zu den Netzentgelten, obwohl sie die Infrastruktur weiterhin für Einspeisung und Netzbezug nutzen. Das will die Behörde nun ausgleichen.

Die Netzentgelte machen jährlich rund 37 Milliarden Euro aus – etwa ein Drittel des Strompreises. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit 75 Euro Grundpreis bedeutet der Aufschlag zwischen 52 und 67 Euro extra. Der Gesamtgrundpreis kann damit auf bis zu 142 Euro pro Jahr steigen. Balkonkraftwerke bleiben von der Regelung ausgenommen.

Zeitplan und Umsetzung

Stromanbieter sollen die Prosumerabgabe ab April 2028 separat auf den Rechnungen ausweisen. Die vollständige Anwendung der neuen Gebührenstruktur folgt 2029. Die Behörde begründet die Pläne mit EU-rechtlichen Vorgaben zur kostenorientierten Beteiligung aller Netznutzer.

Neue Regeln für PV-Speicher

Bereits am 5. August legte die Bundesnetzagentur einen Arbeitsstand zum Projekt MiSpeL vor. Ab Oktober 2026 müssen Betreiber von PV-Speichern die Herkunft des gespeicherten Stroms nachweisen – entweder präzise über viertelstündliche Messwerte oder per Pauschaloption für Anlagen bis 30 Kilowatt-Peak. Letztere soll Kleinanlagen entlasten, steht aber noch unter dem Vorbehalt der EU-Beihilfegenehmigung.

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Förderung wird gekürzt

Flankiert werden die neuen Regeln durch geringere Zuschüsse: Das Wirtschaftsministerium plant für 2027 bis 2029 eine Kürzung der Förderung um 15 Prozent. Bereits seit dem 21. Juli gelten zudem neue Bedingungen bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude.

Immerhin: Für Kapitalgesellschaften wurden verbesserte steuerliche Abschreibungen für PV-Investitionen konkretisiert. Bis September 2028 können Anschaffungskosten bis 2,5 Millionen Euro erhöht angesetzt werden – vorausgesetzt, die Module stammen aus der EU und erreichen einen Wirkungsgrad von mindestens 23,5 Prozent.

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Neue Modelle trotz Gegenwind

Trotz der Mehrbelastungen entstehen innovative Großprojekte. In Mecklenburg-Vorpommern realisiert derzeit das erste förderfreie Hybrid-PPA eine Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher: 37 Megawatt PV-Leistung plus 30 Megawattstunden Speicher, Inbetriebnahme im Sommer 2027.

Auch die Agri-Photovoltaik gewinnt an Fahrt. Im Süden Deutschlands entsteht eine über zehn Hektar große Anlage, die ab Januar 2028 Landwirtschaft und Stromerzeugung kombiniert. Steuerbare Tracker-Systeme optimieren den Ertrag – bei einer Bodenversiegelung von unter einem Prozent.

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