Psychische Belastung: 59% der Arbeitnehmer berichten von Überlastung
05.06.2026 - 20:02:20 | boerse-global.de
Fast 59 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland berichten von gestiegener Arbeitsbelastung in den letzten zwölf Monaten. Fast die Hälfte der Personalverantwortlichen sieht steigende Krankenstände.
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Homeoffice als Risikofaktor
Eine aktuelle Studie im Fachjournal Science zeigt: Homeoffice kann die psychische Gesundheit belasten. Besonders Alleinlebende leiden unter Einsamkeit und mentalem Stress. Die Wahrscheinlichkeit, den ganzen Tag ohne persönliche Kontakte zu verbringen, steigt bei ihnen um sieben Prozentpunkte.
Die Forscher ordnen dem Homeoffice etwa ein Drittel des Anstiegs psychischer Belastungen zu. Ihre Gegenmittel: mehr soziale Kontakte, Bewegung und ein Wechsel der Arbeitsorte.
Lehrkräfte besonders betroffen
Im Bildungssektor sind die Werte alarmierend. Eine Studie des öbv und der JKU Linz zeigt: 52 Prozent der Lehrkräfte in Österreich fühlen sich psychisch stark beansprucht. Die größten Belastungsfaktoren sind Verwaltungsaufgaben (68 Prozent), zu große Klassen (64 Prozent) und heterogene Lerngruppen (63 Prozent).
88 Prozent der Lehrer sehen den Umgang mit Smartphones und sozialen Medien als problematisch für Schüler. Trotz allem: 71 Prozent sind mit ihrem Leben insgesamt zufrieden – die eigene Selbstwirksamkeit wirkt als Puffer.
Die Folgen zeigen sich in der Versorgung. Die psychologische Beratungsstelle der Diakonie Hildesheim musste wegen Überlastung einen Annahmestopp verhängen.
Neue gesetzliche Pflichten
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) ist bereits Pflicht, wenn Mitarbeiter länger als sechs Wochen im Jahr ausfallen. Eine Modellrechnung der Hochschule Aalen zeigt: Jeder investierte Euro bringt 4,80 Euro zurück.
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International verschärfen sich die Regeln. In Brasilien gilt seit dem 26. Mai eine neue Richtlinie (NR-1). Sie verpflichtet Unternehmen, psychosoziale Risiken wie Überlastung, Druck und Konflikte in ihre Risikomanagement-Programme aufzunehmen. Verstöße sind sanktionsbewehrt.
In Deutschland plant die Regierung eine Novelle des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG). Die Klagefrist soll von zwei auf vier Monate verlängert werden, der Schutz bei sexueller Belästigung wird ausgeweitet.
Prävention als Strategie
Kommunale Stellen setzen auf Vorbeugung. Im Landkreis Freyung-Grafenau beteiligt sich das Gesundheitsamt an der bundesweiten Aktion „Grüne Schleife“ – für mehr seelische Gesundheit und gegen Tabus.
Dazu kommen neue IT-Sicherheitspflichten. Das NIS2-Umsetzungsgesetz verlangt von Betrieben ab 50 Mitarbeitern oder zehn Millionen Euro Umsatz umfassende Risikomanagement- und Meldepflichten.
Die Botschaft ist klar: Psychische Stabilität und technologische Sicherheit sind die zwei Säulen einer resilienten Unternehmensführung. Wer eines vernachlässigt, riskiert mehr als nur Krankenstände.
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