Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Jeder vierte Beschäftigte erlebt Suchtfälle

27.06.2026 - 09:09:33 | boerse-global.de

Experten fordern mehr Maßnahmen für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. Jeder vierte Beschäftigte beobachtet Suchtmittelkonsum im Kollegenkreis.

Präventionsforum: Psychische Belastungen treiben Fehlzeiten in die Höhe
Psychische - Eine Gruppe von Menschen in einem modernen Büro. Einige sehen gestresst aus, andere führen unterstützende Gespräche. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Beim 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) in Berlin forderten Fachleute deshalb verstärkte Maßnahmen für die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.

Die dritthäufigste Ursache für Fehlzeiten

Rund 200 Fachleute diskutierten am 23. Juni in Berlin über die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt. Der Hintergrund: Bereits 2024 waren psychische und Verhaltensstörungen die dritthäufigste Ursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Sie gelten zudem als wesentlicher Faktor für den Bezug von Erwerbsminderungsrenten.

Psychische Belastung kann neutral wirken und sogar motivieren, erklärte Sieglinde Ludwig von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Zur Gefahr werde sie erst bei Überforderung, Zeitdruck oder fehlender sozialer Unterstützung. Die gesetzlich verankerte Gefährdungsbeurteilung soll solche Risiken systematisch prüfen. Flankiert wird das durch eine EU-OSHA-Kampagne zur psychischen Gesundheit für den Zeitraum 2026 bis 2028.

Jeder vierte Beschäftigte erlebt Suchtfälle im Kollegenkreis

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der DGUV zeigt das Ausmaß des Problems. Zwischen dem 11. und 16. Juni 2026 befragten die Forscher 2.016 Erwerbstätige. Ergebnis: Jeder vierte Beschäftigte erlebte in den letzten zwei Jahren problematischen Suchtmittelkonsum im Kollegenkreis.

Mit 21 Prozent ist Alkohol das häufigste Problem. Cannabis und Nikotin folgen mit jeweils 5 Prozent, der Missbrauch von Medikamenten und illegalen Drogen mit je 4 Prozent. Besonders betroffen sind die Branchen Verkehr und Logistik (35 Prozent) sowie das Sozialwesen (32 Prozent).

Trotz der Relevanz wissen nur 54 Prozent der Befragten von internen Regelungen. Lediglich 28 Prozent berichten von einer offenen Gesprächskultur. Fast die Hälfte der Teilnehmer nimmt eine zurückhaltende Haltung oder ein Tabu im Umgang mit dem Thema wahr.

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Hitzeschutz: Gewerkschaften fordern EU-weites Gesetz

Neben psychischen Faktoren gewinnen klimatische Bedingungen an Bedeutung. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) fordert ein EU-weites Gesetz zu Höchstarbeitstemperaturen und bezahlten Kühlpausen. Vorbild sind die im Profifußball etablierten WM-Kühlpausen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stützt diese Forderung mit Zahlen: Weltweit sind etwa 2,4 Milliarden Beschäftigte übermäßiger Hitze ausgesetzt. Das führt jährlich zu schätzungsweise 22,85 Millionen Arbeitsunfällen.

In Deutschland ist die Lage in Krankenhäusern besonders angespannt. Laut Bundesärztekammer verfügt nur etwa ein Drittel der Kliniken über Klimaanlagen. Bei Hitzewellen steigt die Belastung für Patienten und Personal massiv. Wirtschaftsexperten halten langfristige Anpassungen wie flexible Arbeitszeiten und Investitionen in Kühltechnik für notwendig.

Bewegung im Arbeitsalltag: Fünf Minuten gehen, elf Stunden sitzen

Eine Studie der Columbia University im British Journal of Sports Medicine zeigt einen einfachen Weg für mehr Wohlbefinden am Schreibtisch. Fünfminütige Geh-Pausen im Rhythmus von 60 Minuten mindern die Müdigkeit signifikant und verbessern die Stimmung. Das ist besonders relevant in Industrieländern, wo Menschen durchschnittlich elf bis zwölf Stunden pro Tag sitzen.

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Trotz der Belastungen bewerten viele Beschäftigte ihren Gesundheitszustand positiv. Im Handwerk schätzten laut einer Studie der IKK classic 84,9 Prozent ihre Gesundheit als gut oder sehr gut ein. Der wirtschaftliche Druck bleibt dennoch hoch: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezifferte die Kosten der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für 2023 auf rund 76,7 Milliarden Euro.

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