Psychische Belastung: Krankschreibungen um 9% gestiegen
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 01:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die psychische Belastung am Arbeitsplatz hat einen neuen Höchststand erreicht. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Krankschreibungen aufgrund mentaler Leiden um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut aktuellen Daten der DAK sind psychische Erkrankungen damit erstmals die Hauptursache für Fehlzeiten in Deutschland.
Fehlzeiten auf Rekordniveau
Der Krankenstand in deutschen Unternehmen wird zunehmend von psychischen Diagnosen dominiert. Fachleute beobachten den Trend seit Jahren: In den letzten zehn Jahren stiegen die Fehltage um 43 Prozent. Ein psychisch bedingter Krankheitsfall führt im Schnitt zu rund 40 Ausfalltagen.
Die Lage wird durch Engpässe in der ambulanten Versorgung verschärft. Aktuell beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz 142 Tage. Die Bundespsychotherapeutenkammer forderte Ende Juli die zügige Umsetzung politischer Reformen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Laut Branchenexperten sind zudem 61 Prozent der Arbeitnehmenden burnout-gefährdet.
Betriebliche Vorsorge hinkt hinterher
Trotz steigender Belastungen weist die betriebliche Gesundheitsvorsorge große Lücken auf. Eine Studie der Continentale Versicherung zeigt: Nur knapp die Hälfte der Berufstätigen hat Zugang zu entsprechenden Angeboten. Lediglich 37 Prozent verfügen über eine betriebliche Altersvorsorge, gefolgt von betrieblichem Unfallschutz (13 Prozent) und betrieblicher Krankenversicherung (11 Prozent). Die betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung liegt mit acht Prozent abgeschlagen auf dem letzten Platz.
Jürgen Wörner von der Continentale sieht durch die geplante GKV-Reform Rückenwind für die betriebliche Krankenversicherung. „Da die gesetzlichen Leistungen durch höhere Beiträge und steigende Eigenanteile unter Druck geraten, gewinnt die bKV als Instrument zur Mitarbeiterbindung an Relevanz“, so Wörner. In etwa der Hälfte der Unternehmen wird entweder gar keine Vorsorge angeboten oder die Beschäftigten kennen existierende Programme nicht.
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Staatliche Hürden und neue Hilfsangebote
Während der Bedarf an betrieblicher Gesundheitsförderung steigt, bremsen regulatorische Hürden die Firmen. Finanzexperten kritisieren starre steuerliche Grenzen wie die Sachbezugsfreigrenze. Geplante Einschnitte bei der kostenlosen Mitversicherung in der GKV dürften den Druck auf Arbeitnehmer weiter erhöhen.
Um vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen, startete die Koordinierungsstelle BGF ein bundesweites Informationsportal. Das Angebot umfasst kostenlose Erstberatungen durch Krankenkassen – vor Ort oder digital. Ziel ist eine schnellere Bearbeitung von Anfragen über die Plattform „BGF.intern“, um Gesundheitskonzepte effizienter in den Betriebsalltag zu integrieren.
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Resilienz wird zum Wettbewerbsfaktor
Die wirtschaftlichen Vorteile von Gesundheitsinvestitionen sind belegt: Resiliente Unternehmen verzeichnen im Schnitt nur 7,7 Fehltage pro Mitarbeiter und Jahr. Resilienz gilt dabei als erlernbare Kompetenz, die auf sieben Säulen basiert – darunter Optimismus, Lösungsorientierung und Verantwortungsübernahme.
Zusätzlich rückt der biologische Rhythmus der Beschäftigten in den Fokus. Starre Kernarbeitszeiten zwischen 9 und 17 Uhr widersprechen oft dem individuellen Schlaf-Wach-Rhythmus. Eine Anpassung der Arbeitszeiten an die „innere Uhr“ könnte nicht nur Stimmung und Stoffwechsel verbessern, sondern auch die Leistungsfähigkeit nachhaltig steigern.
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