Psychische Erkrankungen: Erstmals häufigste Ursache für Fehlzeiten
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 16:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Erstmals in der ersten Jahreshälfte 2026 haben psychische Erkrankungen Atemwegserkrankungen als häufigste Ursache für Fehlzeiten in Deutschland abgelöst. Das zeigt eine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit auf Basis von 2,2 Millionen Versicherten.
Mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherte legten psychische Leiden um neun Prozent zu. Atemwegserkrankungen fielen dagegen um 21 Prozent auf 175 Tage zurück. Der allgemeine Krankenstand blieb mit 5,3 Prozent stabil.
Besonders langwierig sind die Ausfälle: Laut Barmer dauern psychisch bedingte Krankschreibungen im Schnitt 40 Tage. Schätzungen zufolge sind jährlich rund 27,8 Prozent der Erwachsenen betroffen – von Angststörungen über Depressionen bis zu Substanzgebrauch.
Sucht am Arbeitsplatz: Jeder vierte kennt Problemfälle
Die steigenden psychischen Belastungen gehen Hand in Hand mit einer weiteren Herausforderung: der Suchtprävention. Laut Daten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) vom 22. Juli 2026 gelten rund acht Millionen Menschen in Deutschland als suchtkrank.
Eine Umfrage der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigt die Relevanz für den Arbeitsalltag: Jeder vierte Beschäftigte kennt Fälle von problematischem Konsum im Kollegenkreis. Trotzdem herrscht in vielen Betrieben Unsicherheit. Fast die Hälfte der Befragten gab an, interne Regelungen zur Suchtprävention nicht zu kennen.
Experten empfehlen Stufenpläne mit klaren Handlungsanweisungen bei Suchtverdacht. Besonders kleine und mittlere Unternehmen könnten von Kooperationen mit externen Fachstellen profitieren.
Die Dringlichkeit zeigt sich auch lokal. In Darmstadt wurde am 21. Juli 2026 im Rahmen eines Gedenktages für verstorbene Drogenkonsumenten auf einen rasanten Anstieg der Todesfälle hingewiesen. Seit Jahresbeginn zählte die Stadt bereits 20 Drogentote – die Gesamtzahlen der Vorjahre sind damit teilweise schon überschritten. Als eine Ursache gilt der zunehmende Crack-Konsum.
Politischer Streit um Suchtprävention
Psychische Erkrankungen sind erstmals die häufigste Fehlzeiten-Ursache – mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherte und einem Plus von 9 Prozent. Gleichzeitig kennt jeder vierte Beschäftigte Suchtfälle im Kollegenkreis, doch fast die Hälfte kennt keine internen Regelungen. Dieser Report liefert Ihnen die entscheidenden Instrumente: Checkliste für die psychische Gefährdungsbeurteilung, einen Stufenplan bei Suchtverdacht und fünf digitale Soforthilfe-Angebote. Jetzt kostenlosen HR-Sofortplan anfordern
Auf politischer Ebene sorgt die Suchtpolitik für Spannungen. Der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck kritisierte am 22. Juli massiven Widerstand der Tabaklobby gegen ein Verbot von Zusatzstoffen in E-Zigaretten. Er warnte zudem vor der Legalisierung von Nikotinbeuteln und fordert ein Verbot statt bloßer Besteuerung.
Gleichzeitig greifen neue Regelungen im Bereich der sozialen Sicherung. Seit dem 1. Juli ersetzt eine neue Grundsicherung das bisherige Bürgergeld. Interne Weisungen der Bundesagentur für Arbeit sehen vor: Stark alkoholisiertes Auftreten bei Bewerbungsgesprächen kann als Pflichtverletzung gewertet werden. Die Folge: eine Minderung der Leistungen um 30 Prozent für drei Monate.
Auch ein Maßnahmenpaket der Bundesregierung vom 2. Juli bringt Veränderungen. Geplant ist unter anderem, die Vorlage einer Krankschreibung bereits ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit zu ermöglichen – statt wie bisher meist ab dem dritten Tag.
Wandel zum ganzheitlichen Gesundheitsmanagement
Angesichts der steigenden Belastungen verändert sich das Profil klassischer Arbeitsschutzdienstleister. Der Anbieter BG prevent feierte am 22. Juli sein 50-jähriges Bestehen und betonte den Übergang vom reinen Unfallschutz hin zum ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).
Ein Schwerpunkt liegt auf der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen. Digitale Lösungen sind in der Entwicklung, die künftig durch KI-Assistenten unterstützt werden sollen. Ziel: Unternehmen bei der Identifikation von Stressfaktoren helfen.
Sucht am Arbeitsplatz bleibt oft unerkannt – dabei sind acht Millionen Menschen in Deutschland suchtkrank. Eine DGUV-Umfrage zeigt: Jeder vierte Beschäftigte kennt Fälle problematischen Konsums. Ohne klare interne Regelungen riskieren Sie lange Ausfälle und Haftungsfragen. Unser Stufenplan Suchtverdacht gibt Ihnen rechtssichere Handlungsanweisungen an die Hand – speziell für KMU. Stufenplan Suchtverdacht jetzt sichern
Auch private Krankenversicherer weiten ihre Angebote aus. Marktführer wie die Debeka setzen verstärkt auf digitale Soforthilfe, telefonisches Coaching und Online-Psychotherapie. Versicherte sollen bei Stress, Überlastung oder Burnout frühzeitig Unterstützung erhalten.
Für Arbeitgeber bietet ein systematisches BGM messbare Vorteile. Neben der Reduzierung von Fehlzeiten steht vor allem die Steigerung der Mitarbeitermotivation im Vordergrund. Basis bleibt laut Fachberatern eine fundierte Ist-Analyse mit anschließender Erfolgskontrolle.
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