Psychische Leiden: Erstmals Hauptgrund für Krankschreibungen in Deutschland
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 20:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die DAK-Gesundheit hat für das erste Halbjahr 2026 einen markanten Wandel dokumentiert: Depressionen und Angststörungen lösen Atemwegsinfektionen als häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit ab.
Krankenstand sinkt leicht – aber auf hohem Niveau
Die Analyse des IGES-Instituts basiert auf Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten. Ergebnis: Der Krankenstand liegt bei 5,3 Prozent – ein minimaler Rückgang gegenüber 5,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. An einem durchschnittlichen Tag sind damit etwa 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben.
Doch hinter dieser scheinbaren Stabilisierung verbirgt sich ein tiefgreifender Wandel.
Psychische Erkrankungen legen um neun Prozent zu
Die entscheidende Verschiebung: Psychische Erkrankungen verzeichneten einen Zuwachs von neun Prozent. Auf 100 Versicherte entfallen rechnerisch 184 Fehltage. Gleichzeitig brachen die Fehlzeiten wegen Atemwegserkrankungen um 21 Prozent ein – auf nun 175 Tage je 100 Versicherte.
Auf Platz drei liegen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 174 Fehltagen pro 100 Versicherte. Die durchschnittliche Krankheitsdauer stieg leicht auf 9,6 bis 9,7 Tage.
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Ältere Beschäftigte besonders betroffen
Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Während die Krankenquote bei Beschäftigten unter 55 Jahren sank, stieg sie bei den über 60-Jährigen um 0,3 Prozentpunkte.
Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, sieht die Stabilisierung auf hohem Niveau als positives Signal. Gleichzeitig warnt er: „Der Anstieg bei den psychischen Leiden verdeutlicht einen anhaltenden Handlungsbedarf." Er fordert eine verstärkte Präventionsoffensive gegen belastungsbedingte Ausfälle.
Streit um telefonische Krankschreibung und AU-Pflicht
Die Koalition plant die AU-Pflicht ab dem ersten Tag – und die Kassenärztliche Bundesvereinigung protestiert. Für Personalabteilungen bedeutet das: neue Prozesse und mehr Bürokratie. Dieser Report liefert eine Muster-Betriebsvereinbarung zur Teilkrankschreibung und einen 3-Stufen-Plan für Ihr BGM. Muster-Betriebsvereinbarung jetzt sichern
Die Ergebnisse fallen in eine Zeit intensiver gesundheitspolitischer Debatten. Die Koalition plant Reformen: Eine Verpflichtung zur Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag steht im Raum. Auch die telefonische Krankschreibung – während der Pandemie eingeführt und später dauerhaft etabliert – steht zur Disposition.
Während Storm neue Modelle wie die Teilkrankschreibung begrüßt, regt sich Widerstand. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat gegen die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die frühere AU-Pflicht bereits protestiert. Kritiker befürchten eine zusätzliche Belastung der Arztpraxen – und bezweifeln, dass bürokratische Hürden den Krankenstand bei psychischen oder chronischen Leiden senken können.
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