Qiagen: EQT bietet 46,50 Euro je Aktie für Dax-Konzern
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 09:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWSQiagen vor dem Eigentümerwechsel
- EQT bietet über ein Beteiligungsvehikel 46,50 Euro je Qiagen-Aktie in bar.
- Qiagen hat seinen Deutschlandsitz in Hilden bei Düsseldorf und den Hauptsitz in Venlo.
- Für den Erfolg muss EQT mehr als 50 Prozent der Anteile sichern.
EQT legt Angebot für Qiagen vor
Der schwedische Finanzinvestor EQT will den Labordienstleister und Diagnostikkonzern Qiagen übernehmen. Über ein Beteiligungsvehikel sollen je Aktie 46,50 Euro in bar gezahlt werden, wodurch Qiagen inklusive Schulden mit rund 10,8 Milliarden Euro bewertet wird.
EQT und Qiagen vereinbarten einen Zusammenschluss, wie beide Seiten mitteilten. Vorstand und Aufsichtsrat des Dax-Konzerns unterstützen die Transaktion und empfehlen einstimmig die Annahme des Angebots.
Börsenrückzug ist vorgesehen
Nach einem erfolgreichen Abschluss würde Qiagen von der Börse genommen. Das Unternehmen erklärte, es könne unter einer Beteiligungsgesellschaft besser positioniert werden, um sein langfristiges Potenzial auszuschöpfen.
„Als privates Unternehmen können wir schneller handeln und haben mehr Spielraum, unsere Ressourcen dort einzusetzen, wo sie unsere langfristige Strategie am besten ergänzen“, sagte der neue Qiagen-Chef Jonathan Pratt.
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Qiagen beschäftigt 5400 Menschen
Qiagen beschäftigt weltweit rund 5.400 Menschen an 35 Standorten und bedient mehr als 500.000 Kunden. Dazu zählen Einrichtungen der akademischen Forschung, der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung, industrielle Anwender wie die Forensik sowie die klinische Gesundheitsversorgung.
Über einen Verkauf war bereits seit Längerem spekuliert worden. Qiagen hatte im Frühjahr bestätigt, mit Unterstützung von Banken strategische Optionen zu prüfen.
Aktie steigt nach Übernahmeplänen
Die Spekulationen über einen Verkauf hatten den Aktienkurs zuletzt beflügelt. Am Donnerstagmorgen stieg die Aktie um mehr als fünf Prozent auf gut 45 Euro; binnen sechs Monaten legte sie rund ein Drittel zu.
Mehrheit der Aktionäre erforderlich
Damit die Übernahme gelingt, muss EQT mehr als 50 Prozent der Qiagen-Anteile sichern. Der Abschluss der Transaktion wird Mitte 2027 erwartet.
Michael Bauer, Co-Leiter des weltweiten Healthcare-Geschäfts bei EQT, bezeichnete das Vorhaben als „wegweisende Transaktion“. EQT verwaltete zuletzt ein Vermögen von 354 Milliarden Euro.
Die geplante Übernahme ordnet Qiagen in einen internationalen Trend ein: Unternehmen aus der Gesundheits-, Pharma- und Diagnostikbranche gelten für Finanzinvestoren als attraktiv, weil sie wiederkehrende Erlöse, spezialisierte Technologien und langfristige Nachfrage verbinden. Gerade Diagnostik-Anbieter bedienen zugleich Forschung, Kliniken und industrielle Anwendungen und sind damit weniger von einem einzelnen Geschäftsbereich abhängig.
Finanzinvestoren setzen auf Diagnostik
Für EQT wäre Qiagen eine große Investition im Gesundheitssektor. Der Finanzinvestor könnte das Unternehmen künftig außerhalb des täglichen Börsendrucks weiterentwickeln, etwa durch Investitionen, Zukäufe oder eine stärkere Konzentration auf margenstarke Geschäftsfelder. Diese Strategie entspricht dem von Qiagen genannten Ziel, langfristige Entscheidungen schneller treffen zu können.
Für Aktionäre ist zunächst die Annahmeschwelle von mehr als 50 Prozent entscheidend. Der angebotene Barpreis liegt nahe am nach den Übernahmespekulationen gestiegenen Börsenkurs; deshalb hängt der Erfolg davon ab, ob genügend Anteilseigner das Angebot annehmen. Bei einem Abschluss wäre Qiagen nicht mehr börsennotiert, wodurch öffentliche Kursbildung und Transparenz des Kapitalmarkts entfielen.
Was der Deal für Qiagen bedeutet
Qiagen bleibt trotz eines Eigentümerwechsels ein international tätiger Anbieter mit tausenden Beschäftigten und einer breiten Kundenbasis. Für Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen und medizinische Einrichtungen steht daher weniger die Börsennotierung als die Kontinuität bei Produkten, Dienstleistungen und Investitionen im Mittelpunkt. Der erwartete Abschluss Mitte 2027 lässt zudem Zeit für die weiteren rechtlichen und wirtschaftlichen Schritte.
