Fahrradbranche verliert Umsatz und BeschÀftigung
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm GeschĂ€ft mit FahrrĂ€dern in Deutschland hinterlĂ€sst die zĂ€he Branchenkrise tiefe Spuren. Im vergangenen Jahr schrumpften sowohl Umsatz als auch BeschĂ€ftigung in der mittelstĂ€ndisch geprĂ€gten Industrie, zeigen Daten des Verbands Zukunft Fahrrad.Â
Demnach sank die BeschĂ€ftigung 2025 um rund drei Prozent auf etwa 74.300 Menschen und der Umsatz um etwa sieben Prozent auf 25,2 Milliarden Euro. WĂ€hrend die Einnahmen in der Herstellung nur leicht nachgaben, brach der Umsatz im Handel um zehn Prozent ein. «Zwar blieb die Nachfrage erfreulich stabil, aber Unternehmen litten weiterhin unter PreisrĂŒckgĂ€ngen und Nachwirkungen ĂŒberfĂŒllter Lager», schreibt Zukunft Fahrrad.Â
Lange Nachwehen des geplatzten Corona-BoomsÂ
Die Fahrradindustrie leidet unter den Folgen einer Ăberproduktion nach einem Boom in der Corona-Pandemie. 2025 wurden in Deutschland laut Branchenverband ZIV 3,8 Millionen RĂ€der verkauft nach 3,9 Millionen im Vorjahr. Hohe LagerbestĂ€nde zwangen den Handel zu Rabatten gerade bei E-Bikes, die fĂŒr ĂŒber 80 Prozent der Erlöse stehen.Â
Zuletzt meldete die niederlĂ€ndische Accell-Gruppe Insolvenz an, was die Hersteller von Marken wie Haibike, Winora und Ghost in Deutschland in Mitleidenschaft riss, ebenso wie einen GroĂhĂ€ndler. FĂŒr sie wird nun ein Investor gesucht.Â
Branche warnt vor China-KonkurrenzÂ
Die seit 2024 angespannte Lage sei nicht ĂŒberwunden, heiĂt es bei Zukunft Fahrrad. «Die Inflation und die Wirtschaftsflaute helfen nicht in der aktuellen Lage», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Wasilis von Rauch der Deutschen Presse-Agentur. WĂ€hrend sich SportrĂ€der wie RennrĂ€der und Gravelbikes gut verkauften, schwĂ€chle der Absatz von Mountainbikes und bei klassischen City-E-Bikes halte der Preisdruck an.Â
Zwar liege der Umsatz 2025 weit ĂŒber dem Niveau vor der Corona-Pandemie 2019 mit damals 16,5 Milliarden Euro. «Die Fahrradbranche ist ĂŒber Jahre gewachsen und die Nachfrage bleibt insgesamt stabil», sagte von Rauch. Doch gerade Wettbewerbsdruck aus China könne die deutsche Fahrradbranche gefĂ€hrden. «Wir sehen, dass China den Export von FahrrĂ€dern und Komponenten nach Europa stark vorantreibt, auch als Reaktion auf die US-Zölle.» Teils gebe es Dumping-Preise.Â
Auch das Sparen bei Bund, LĂ€ndern und Kommunen treffe die Fahrradbranche, sagte von Rauch. Die Investitionen in Radwege, die aktuell aus dem Klima- und Transformationsfonds kommen, stĂŒnden in den kommenden Jahren unter Druck. Nötig sei aber ein Ausbau, damit sich mehr Menschen aufs Fahrrad trauten, die sich aus Sicherheitsbedenken noch zurĂŒckhielten. Zwar gehe es mit der Radinfrastruktur voran, aber zu langsam und nicht flĂ€chendeckend. «Es fehlt der groĂe Wurf.»
