Regionalverkehr: Trassenpreise steigen 2027 um 7,7 Prozent
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 10:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFinanzdruck auf LÀnder und Nahverkehr
- Christian Bernreiter fordert vom Bund einen Ausgleich fĂŒr steigende Trassenpreise im Regionalverkehr.
- Die Verkehrsministerkonferenz tagt am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau.
- DB InfraGo plant fĂŒr 2027 im Schienenpersonennahverkehr ein Plus von 7,7 Prozent.
LĂ€nder verlangen Ausgleich fĂŒr teurere Bahntrassen
Die Verkehrsminister der LÀnder erhöhen den Druck auf den Bund, die steigenden Kosten des Regionalverkehrs auf der Schiene abzufedern. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter warnt vor Einschnitten im Nahverkehr, wenn die LÀnder die höheren Trassenpreise nicht auffangen können.
Preisaufschlag ab 2027
Bernreiter sagte der Bild-Zeitung, fĂŒr das kommende Jahr mĂŒssten acht Prozent Steigerungen aufgefangen werden. Schleswig-Holstein habe bereits Verbindungen abbestellt; Bayern gerate nach 2028 in Schwierigkeiten.
Bernreiter ist Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz von Bund und LĂ€ndern, die am Mittwoch und Donnerstag im bayerischen Hohenschwangau zusammentritt. Die LĂ€nder wollen den Bund dazu bewegen, die zusĂ€tzlichen Belastungen zu ĂŒbernehmen.
EuGH kippt Trassenpreisbremse
Hintergrund ist ein Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs vom MĂ€rz. Es hob die sogenannte Trassenpreisbremse auf, die Unternehmen im Schienenpersonennahverkehr vor stark steigenden GebĂŒhren geschĂŒtzt hatte.
Die Trassenpreise sind eine Art Schienenmaut und unterscheiden sich fĂŒr GĂŒter-, Fern- und Regionalverkehr. Die fĂŒr das Netz zustĂ€ndige Bahntochter DB InfraGo will die GebĂŒhren im Schienenpersonennahverkehr 2027 um 7,7 Prozent erhöhen; 2028 soll ein weiterer krĂ€ftiger Anstieg folgen.
Mehrkosten von mehreren Hundert Millionen Euro
Mit den Entgelten werden unter anderem Betrieb, Instandhaltung und Investitionen in das Schienennetz finanziert. Bernreiter bezifferte die zusÀtzliche Belastung auf mehrere Hundert Millionen Euro.
Höhere Trassenpreise verteuern den Regionalverkehr fĂŒr Verkehrsunternehmen und LĂ€nder, die die Verbindungen bestellen. Nach Bernreiters EinschĂ€tzung könnten andernfalls die FahrgĂ€ste mit erheblichen Streichungen im Nahverkehr konfrontiert werden.
VerbĂŒnde kĂŒndigen dĂŒnnere Angebote an
Wegen zusĂ€tzlicher Millionenkosten haben VerkehrsverbĂŒnde in einzelnen LĂ€ndern bereits ein dĂŒnneres Angebot angekĂŒndigt, zuletzt etwa in Sachsen. Zahlreiche Eisenbahnunternehmen reichten gemeinsam mit dem Bundesverband SchienenNahverkehr Klage gegen die sogenannte Schienenmaut fĂŒr den Personenverkehr ein.
Die LĂ€nder berufen sich auf den Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung. Darin ist eine Reform des Trassenpreissystems sowie eine neue gesetzliche Grundlage fĂŒr die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs vorgesehen. Regionalisierungsmittel sollen danach vorrangig als Bestellmittel fĂŒr den Schienenpersonennahverkehr genutzt werden.
Bund sieht keinen finanziellen Spielraum
Der Bund sieht nach Angaben Bernreiters keinen Spielraum fĂŒr zusĂ€tzliches Geld. Der bayerische Minister sagte, Berlin stelle sich momentan taub; ein GesprĂ€ch mit dem Bundesfinanzminister sei bislang abgelehnt worden.
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Der Streit um die Trassenpreise berĂŒhrt einen zentralen Finanzierungsmechanismus des Schienenpersonennahverkehrs. Verkehrsunternehmen zahlen diese Entgelte an DB InfraGo fĂŒr die Nutzung der Infrastruktur; die Kosten flieĂen damit mittelbar in die Bestellungen ein, die LĂ€nder und VerkehrsverbĂŒnde fĂŒr RegionalzĂŒge vergeben.
Auslöser der aktuellen Belastung ist das Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs vom MĂ€rz, mit dem die bisherige Trassenpreisbremse entfiel. FĂŒr 2027 steht im Regionalverkehr nach Angaben der dpa ein Anstieg um 7,7 Prozent im Raum, fĂŒr 2028 eine weitere deutliche Erhöhung. Die zusĂ€tzlichen Ausgaben treffen LĂ€nder und VerbĂŒnde in einer Phase, in der viele Verkehrsangebote ohnehin langfristig finanziert und ausgeschrieben werden.
Folgen fĂŒr FahrgĂ€ste und LĂ€nder
Regionalisierungsmittel des Bundes sollen den LĂ€ndern helfen, den Nahverkehr zu bestellen. Reichen sie wegen steigender Infrastrukturkosten nicht aus, mĂŒssen LĂ€nder entweder zusĂ€tzliche eigene Mittel bereitstellen, Angebote reduzieren oder Verbindungen abbestellen. FĂŒr FahrgĂ€ste kann das lĂ€ngere TaktlĂŒcken, weniger Direktverbindungen und schlechtere AnschlĂŒsse bedeuten.
Politisch verschĂ€rft der Konflikt die ohnehin schwierige Abstimmung zwischen Bund und LĂ€ndern ĂŒber die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Die im Koalitionsvertrag angekĂŒndigte Reform des Trassenpreissystems könnte den Rahmen fĂŒr eine neue Lösung bilden. Kurzfristig geht es jedoch vor allem um die Frage, wer die Mehrkosten ab 2027 ĂŒbernimmt und wie verhindert werden kann, dass daraus regionale Einschnitte entstehen.
