Reichensteuer, Euro

Reichensteuer: 47 Prozent ab 280.000 Euro im Entwurf vorgesehen

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der noch nicht verabschiedete Entwurf erhöht Freibeträge und Kindergeld, während Spitzenverdiener stärker belastet werden sollen.
Das Berliner Reichstagsgebäude in der Abenddämmerung bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Das Bundeskabinett hat am 2. September 2026 den Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 beschlossen und damit das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren eingeleitet. Nach den Plänen der Regierung sollen Bundestag und Bundesrat dem Vorhaben zeitnah bis zum Jahresende zustimmen. Am 8. Oktober 2026 fand im Bundestag die erste Lesung des Gesetzentwurfs statt, woraufhin die Vorlage zur weiteren Beratung an den Finanzausschuss überwiesen wurde.

Geplante Entlastungen bei Freibeträgen und Familienleistungen

Die schwarz-rote Koalition beabsichtigt, ab 2027 insbesondere Familien sowie untere und mittlere Einkommen zu entlasten, während sehr hohe Einkommen stärker besteuert und einzelne Vergünstigungen gekürzt werden sollen. Der Gesetzentwurf liegt den Abgeordneten vor, ist jedoch noch nicht verabschiedet.

Zu den Kernpunkten der Reform gehört eine schrittweise Anpassung der Steuertarife. Der Grundfreibetrag, der aktuell bei 12.348 Euro liegt, soll im Jahr 2027 auf 12.564 Euro und im Jahr 2028 auf 12.900 Euro steigen. Das monatliche Kindergeld wird nach den Koalitionsplänen von derzeit 259 Euro pro Kind auf 267 Euro im Jahr 2027 sowie auf 272 Euro im Jahr 2028 angehoben. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bleibt bestehen, soll künftig jedoch erst ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 70.600 Euro greifen.

Gleichzeitig sind Kürzungen bei einzelnen Steuervergünstigungen vorgesehen: Der Handwerkerbonus soll von 20 Prozent auf 15 Prozent der Arbeitskosten sinken, wobei der Höchstbetrag von 1.200 Euro auf 900 Euro reduziert wird.

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Höhere Besteuerung für Spitzenverdiener und finanzielle Dimension

Die Bundesregierung beziffert das Gesamtvolumen der Entlastungen über die Jahre 2027 und 2028 auf mehr als 10 Milliarden Euro. Zur Gegenfinanzierung der Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen sollen Spitzenverdiener herangezogen werden.

Die sogenannte Reichensteuer soll künftig mit 45 Prozent ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 250.000 Euro greifen. Zudem ist eine neue Stufe mit einem Steuersatz von 47 Prozent ab 280.000 Euro vorgesehen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verteidigte seinen Entwurf im Bundestag. Er bezifferte die Entlastungen auf insgesamt 9,9 Milliarden Euro und die zusätzlichen Einnahmen auf 4,3 Milliarden Euro, woraus sich eine geplante Nettoentlastung von rund 5,6 Milliarden Euro ergebe. Klingbeil hatte bereits im Sommerinterview des ZDF betont, dass Menschen mit hohen Einkommen und Vermögen ihren Beitrag zu mehr Gerechtigkeit leisten müssten.

Politische Debatten im Parlament und Kritik von Verbänden

Gegen die Reform regt sich von verschiedenen Seiten Widerspruch. Wirtschaftsverbände warnen vor den Belastungen, die aus den Neuerungen resultieren könnten. Vertreter der Grünen und der Linken kritisieren wiederum die Verteilungswirkung der Steuerreform 2027.

Auch innerhalb des Parlaments und der Koalitionsparteien laufen Diskussionen über die Finanzierung. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch verteidigte höhere Steuern für die obersten ein bis zwei Prozent und verwies darauf, dass ein Haushaltsloch von 30 Milliarden Euro im Jahr 2027 Steuererhöhungen für Spitzenverdiener nach SPD-Ansicht erforderlich mache, obwohl solche Maßnahmen in der Koalition ursprünglich nicht vereinbart worden seien.

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Aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion kommen andere Töne: Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Entlastungen statt Steuererhöhungen. Die Unionsfraktion sieht eine Lücke von rund 28 Milliarden Euro im Bundeshaushalt 2028. Ihr finanzpolitischer Sprecher Fritz Güntzler dringt auf Beratungen über Einsparungen noch vor Weihnachten 2026. Während Olav Gutting eine Finanzierung allein über Einnahmen ablehnt und Ausgabenkürzungen verlangt, sieht Andreas Mattfeldt bei einem Gesamthaushalt von rund 600 Milliarden Euro Einsparmöglichkeiten von 30 Milliarden Euro, etwa bei Subventionen und im Sozialbereich.

Die SPD hingegen sieht beim Bürgergeld zwar Einsparpotenziale, schließt Einsparungen in Milliardenhöhe dort jedoch aus. Die Beratungen in den Ausschüssen dauern an.

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