René Benko erneut vor Gericht: Urteil im GlÀubigerprozess erwartet
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 12:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer österreichische Investor René Benko steht am Dienstag vor dem Landesgericht Innsbruck erneut wegen des Verdachts vor Gericht, seine GlÀubiger geschÀdigt zu haben.
Erneute Verhandlung nach OGH-Entscheidung
FĂŒr den Prozesstag sind sieben Zeugen geladen. Der Strafrahmen reicht von einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe, ein Urteil wird noch am Dienstag erwartet.
Benko war im Oktober 2025 wegen des Vorwurfs bereits zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. In einem Teilaspekt hatte ihn das Gericht freigesprochen; der Oberste Gerichtshof hob diesen Freispruch jedoch auf. Deshalb wird nun erneut verhandelt und die Höhe der Strafe neu festgelegt.
360.000 Euro fĂŒr weiteren Wohnsitz
Konkret geht es um eine Mietkostenvorauszahlung von 360.000 Euro fĂŒr einen weiteren Wohnsitz. Die Staatsanwaltschaft wirft Benko vor, damit seine GlĂ€ubiger geschĂ€digt zu haben, obwohl er kurz vor der Insolvenz stand.
Benko bekannte sich nach Angaben der Nachrichtenagentur APA nicht schuldig. Er sei damals ĂŒberzeugt gewesen, dass die Sanierung seiner Signa-Gruppe gelingen werde. Die Anmietung des Hauses neben seinem Wohnsitz in der Villa in Igls sei auf Bitte seiner Frau erfolgt, damit die Kinder dort ein normales Leben und einen normalen Schulalltag ohne Personal fĂŒhren könnten.
Weitere Ermittlungen im Signa-Komplex
Benko bestreitet sĂ€mtliche VorwĂŒrfe und sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft. Mit seinem Immobilien- und Handelsimperium Signa hatte er ein Milliardenvermögen aufgebaut.
Steigende Zinsen und Baukosten sowie risikoreiche ZukÀufe wie die deutschen Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof trieben die Signa in die Insolvenz. Gegen Benko und weitere Signa-Manager wird in mehreren weiteren StrÀngen ermittelt.
Ein Verfahren mit Signalwirkung
Der erneute Prozess betrifft einen eng umrissenen Vorgang, steht aber im Schatten des Zusammenbruchs von Benkos Signa-Gruppe. Das Immobilien- und Handelsunternehmen hatte mit ZukÀufen und umfangreichen Finanzierungen ein weit verzweigtes Firmengeflecht aufgebaut. Steigende Zinsen, höhere Baukosten und die schwÀchere Nachfrage im Immobilien- und Einzelhandelssektor verschÀrften die finanzielle Lage.
Im Mittelpunkt steht nun die Frage, ob eine Zahlung von 360.000 Euro kurz vor der Insolvenz die Interessen der GlĂ€ubiger beeintrĂ€chtigt habe. FĂŒr GlĂ€ubiger ist entscheidend, ob Vermögen zu einem Zeitpunkt abgeflossen ist, in dem eine Sanierung noch realistisch erschien oder die ZahlungsunfĂ€higkeit bereits absehbar war. Benko bestreitet den Vorwurf und verweist auf seine damalige Erwartung einer erfolgreichen Sanierung.
Folgen fĂŒr das StrafmaĂ
Das Verfahren muss den aufgehobenen Freispruch in dem Teilaspekt nachholen und die Strafe insgesamt neu festlegen. Das Urteil kann deshalb ĂŒber die konkrete Zahlung hinaus Bedeutung fĂŒr die strafrechtliche Bewertung von Benkos Verhalten haben. Zugleich laufen weitere Ermittlungen gegen ihn und andere frĂŒhere Signa-Manager, sodass der Innsbrucker Prozess nur einen Ausschnitt der juristischen Aufarbeitung bildet.
Bedeutung fĂŒr Betroffene
FĂŒr Anleger, GeschĂ€ftspartner und andere GlĂ€ubiger entscheidet sich die wirtschaftliche Aufarbeitung nicht allein im Strafprozess. Daneben stehen Insolvenzverfahren, mögliche RĂŒckforderungen und die Frage, welche Vermögenswerte noch verwertet werden können. Das erwartete Urteil dĂŒrfte daher vor allem ein wichtiges Zwischenetappe in einem gröĂeren Komplex aus strafrechtlichen und zivilrechtlichen Verfahren sein.
