Rente, Deutschen

Rente mit 63: 68 Prozent der Deutschen lehnen Abschaffung ab

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 05:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesregierung plant das Aus für Blockmodell und Rente mit 63. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Bevölkerung protestieren gegen die geplanten Einschnitte.

Rentenpläne: Regierung will Altersteilzeit und Rente mit 63 kippen
Ein älterer Industriearbeiter betrachtet nachdenklich Baupläne in einer modernen Produktionshalle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Pläne der Bundesregierung zur Abschaffung des Blockmodells in der Altersteilzeit sowie zur Streichung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren stoßen auf breite Ablehnung. Während die Regierung eine Konsolidierung der Rentensysteme anstrebt, warnen Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände vor den sozialen und betrieblichen Folgen dieser Einschnitte. Insbesondere die IG Metall verteidigte das Blockmodell als ein zentrales Instrument für einen sozialverträglichen Personalabbau und den gleitenden Übergang in den Ruhestand.

Kommission empfiehlt Anhebung des Einstiegsalters

Hintergrund der Debatte sind Empfehlungen der Rentenkommission, die eine grundlegende Reform der flexiblen Altersübergänge vorschlagen. Demnach soll das Einstiegsalter für die Altersteilzeit von derzeit 55 auf 58 Jahre angehoben werden. Zudem empfiehlt das Gremium die vollständige Abschaffung des sogenannten Blockmodells. Bei diesem Modell arbeiten Beschäftigte in der ersten Phase voll weiter und werden in der zweiten Phase bei reduzierten Bezügen freigestellt.

Diese Vorschläge decken sich mit den Absichten der Bundesregierung, die neben dem Blockmodell auch die umgangssprachlich als „Rente mit 63“ bekannte Regelung beenden will. Ziel der Reform ist es, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die finanzielle Stabilität der Rentenversicherung angesichts steigender Belastungen zu sichern.

Wirtschaft und Gewerkschaften warnen vor betriebsbedingten Kündigungen

Der Widerstand gegen diese Pläne eint Akteure, die sonst oft gegensätzliche Positionen vertreten. Sowohl die IG Metall als auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) lehnen die Abschaffung des Blockmodells ab. Beide Organisationen warnten davor, dass ohne dieses flexible Instrument betriebsbedingte Kündigungen drohen könnten. Für viele Unternehmen sei die Altersteilzeit im Block die einzige Möglichkeit, notwendige Umstrukturierungen ohne soziale Härten umzusetzen.

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Ein aktuelles Beispiel für die Bedeutung dieses Modells ist der Automobilzulieferer Schaeffler. Das Unternehmen kündigte Anfang der Woche den Abbau von 1.300 Stellen in Deutschland an. Dabei greift der Konzern explizit auf das Blockmodell der Altersteilzeit zurück, um den Stellenabbau zu realisieren. Marktexperten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) halten es zwar für denkbar, dass Unternehmen den Personalabbau aufgrund der drohenden Gesetzesänderung nun zeitlich vorziehen, sehen darin jedoch keine Gefahr für zusätzliche Jobverluste. Die Unternehmen würden lediglich bereits bestehende Spielräume des Modells verstärkt nutzen.

Für künftige Regelungen könnten laut Einschätzung von Beratungsunternehmen wie WTW vor allem Bestandsverträge geschützt sein, während Neuanträge untersagt werden könnten. Als mögliche Alternative für die Wirtschaft gelten Zeitwertkonten, die jedoch eine langfristigere Planung erfordern.

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Gesellschaftliche Ablehnung und politische Gegenentwürfe

In der Bevölkerung stoßen die Reformpläne auf deutliche Ablehnung. Eine aktuelle Insa-Umfrage zeigt, dass 68 Prozent der Deutschen gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren sind, während nur 24 Prozent das Vorhaben unterstützen. Zudem gaben 56 Prozent der Befragten an, selbst eine Nutzung der Frührente zu planen. Insgesamt zeigten sich 77 Prozent der Umfrageteilnehmer unzufrieden mit der aktuellen Rentenpolitik.

Auch politisch wächst der Druck auf die Regierung. Acht Ministerpräsidenten aus den Reihen von Union und SPD rebellieren gegen die Abschaffung der abschlagsfreien Rente. Unionsfraktionschef Frei forderte zudem Härtefall- und Übergangsregelungen, sollte es zu einer Streichung kommen. Innerhalb der SPD werden bereits alternative Konzepte diskutiert, etwa eine Schwerarbeiterpension nach österreichischem Vorbild. Arbeitsministerin Bas brachte zudem eine sogenannte Schutzrente mit Gesundheitsprüfung sowie Übergangsfristen für die Jahrgänge bis 1968 ins Gespräch.

Demgegenüber stehen Warnungen aus der Wissenschaft. Wirtschaftsweiser Werding betonte, dass ohne tiefgreifende Reformen die Sozialabgaben bis zum Jahr 2040 auf 50 Prozent steigen könnten. Die Notwendigkeit zum Handeln belegen auch statistische Daten: Die Zahl der Arbeitslosen, die vor der Frührente Arbeitslosengeld beziehen, stieg von 37.968 im Jahr 2015 auf fast 56.000 im Jahr 2025 – ein Zuwachs von etwa 50 Prozent. Aktuell wechselt nur jeder zweite Arbeitnehmer direkt aus einer Beschäftigung in die Rente.

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