Rente mit 63: Arbeitgeber fordern Abschaffung gegen Fachkräftemangel
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 19:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um die deutsche Rentenpolitik hat sich der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, am Mittwoch mit deutlichen Worten gegen den Widerstand bei der geplanten Abschaffung der Rente mit 63 ausgesprochen. Er bezeichnete die ablehnende Haltung einiger Politiker als fassungslos machend. Wer an der abschlagsfreien Frührente festhalte, ignoriere nach Ansicht Kampeters den zunehmenden Fachkräftemangel sowie die Herausforderungen des demografischen Wandels.
Wirtschaftliche Argumente für ein späteres Rentenalter
Für die Arbeitgeberverbände stellt die Beendigung der Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren, die derzeit faktisch mit 64,5 Jahren möglich ist, einen zentralen Punkt der anstehenden Rentenreform dar. Unterstützung erhält diese Position durch den Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Bertram Brossardt. Er forderte am Mittwoch nicht nur die Abschaffung der Rente mit 63, sondern eine generelle Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre. Laut Brossardt führe an einer längeren Lebensarbeitszeit kein Weg vorbei, wobei das Eintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden solle. Härtefälle würden bereits durch die Erwerbsminderungsrente abgedeckt.
Wissenschaftliche Analysen stützen die Forderungen nach einer Reform. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Ergebnis, dass die Abschaffung der Rente mit 63 die Rentenkassen um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlasten könnte. Zudem ließen sich dadurch schätzungsweise 125.000 Vollzeitkräfte im Arbeitsmarkt halten.
Finanzielle Risiken und die Rolle der Kapitalrente
Innerhalb der Rentenkommission, die insgesamt 33 Maßnahmen zur Stabilisierung des Systems vorgeschlagen hat, wird vor den finanziellen Folgen eines Scheiterns der Reform gewarnt. Kommissionsmitglied Jörg Rocholl wies am Mittwoch darauf hin, dass ohne die Abschaffung der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte jährlich 10 Milliarden Euro für den Aufbau der sogenannten Kapitalrente fehlen würden. Diese Mittel seien jedoch notwendig, um das Rentenniveau ab dem Jahr 2040 wieder über die Marke von 48 Prozent zu heben. Auch der stellvertretende Kommissionsvorsitzende Pascal Reddig hatte bereits am Vortag betont, dass das Festhalten am aktuellen Modell jährlich zweistellige Milliardenbeträge koste.
Wer sich mit der langfristigen Personalplanung und den gesetzlichen Rahmenbedingungen befasst, sollte auch die aktuellen Vorgaben zur Zeiterfassung kennen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die gesetzliche Pflicht zur Dokumentation rechtssicher und ohne teure Software umsetzen. Kostenlose Mustervorlage zur Arbeitszeiterfassung herunterladen
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm schloss sich am Mittwoch der Forderung nach einer Abschaffung an. Sie gab zu bedenken, dass die aktuelle Rentenreform die junge Generation ohne entsprechende Anpassungen zu stark belasten würde.
Politischer Widerstand aus den Bundesländern
Trotz der wirtschaftlichen Argumente formiert sich erheblicher politischer Widerstand. Insgesamt 7 der 16 Ministerpräsidenten lehnen die Abschaffung ab, darunter fünf Regierungschefs ostdeutscher Bundesländer. Michael Kretschmer (Sachsen), Mario Voigt (Thüringen) und Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) verwiesen am Mittwoch auf die spezifische Situation in Ostdeutschland. Dort seien 75 Prozent der Rentner ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen, während dieser Wert im Westen bei 47 Prozent liege.
Neben der Rentendebatte fordern auch neue Urteile zur Arbeitszeitgestaltung volle Aufmerksamkeit von Arbeitgebern und Führungskräften. Sichern Sie sich diesen bewährten Praxis-Leitfaden, um alle Vorgaben zu Pausen- und Ruhezeiten kompakt und gesetzeskonform im Blick zu behalten. Gratis E-Book zur Arbeitszeiterfassung sichern
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer betonte, dass in den östlichen Bundesländern zwischen 4 und 5 Millionen Rentner von monatlich 1.300 bis 1.500 Euro leben müssten. Viele Arbeitnehmer erreichten dort zwar die geforderten 45 Beitragsjahre, verfügten aber über keine zusätzlichen Vorsorgemöglichkeiten. Im Zuge der Verhandlungen fordern die ostdeutschen Länder zudem die Übernahme der DDR-Sonderrenten durch den Bund, was ein Volumen von 50 Milliarden Euro seit 1990 umfasst.
Während Unionsfraktionschef Thorsten Frei bereits am Dienstag erklärte, dass er keinen Verhandlungsspielraum bei der Abschaffung der Rente mit 63 sehe, warnen andere Stimmen vor den sozialen Folgen. CDA-Chef Dennis Radtke forderte Übergangsregeln und schlug vor, stattdessen die dritte Stufe der Mütterrente zu stoppen, was jährlich 5 Milliarden Euro einsparen würde. FDP-Generalsekretär Martin Hagen kritisierte die aktuelle Debatte hingegen als politisches Fehlverhalten und sprach von einem Rentenchaos.
