Rente, Reformdebatte

Rente mit 63: Reformdebatte spaltet Politik – 13 Mrd. Euro jährlich

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 19:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bäcker fordern mehr Flexibilität an Sonntagen, während die Politik über die Zukunft der Frührente streitet. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht.

Arbeitsmarktpolitik: Sonntagsbacken und Rente mit 63 im Fokus
Ein Bäcker bei der Arbeit in einer modernen Backstube im warmen Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung steht vor einem arbeitsmarktpolitischen Doppelpack: Sonntagsbacken und Frührente sorgen für Zündstoff. Während das Bäckerhandwerk auf mehr Flexibilität pocht, streitet die Politik über die Zukunft der Rente mit 63.

Bäcker wollen sonntags länger backen

Die Bäcker-Innung Gütersloh fordert eine vollständige Aufhebung der Zeitgrenzen für die sonntägliche Produktion. Obermeister Axel Glasenapp erklärte Anfang August, die aktuellen Regelungen reichten nicht aus. Die im Koalitionsvertrag versprochene Lockerung des Sonntagsbackverbots müsse konsequenter umgesetzt werden.

In Nordrhein-Westfalen dürfen Bäckereiverkaufsstellen sonntags bis zu fünf Stunden öffnen. Die Vorbereitungszeit in der Backstube und das Austragen der Waren sind allerdings oft auf drei Stunden begrenzt. Ein Entwurf sieht zwar eine Ausweitung auf fünf Stunden vor, doch der Zentralverband kritisiert die Sonderregelungen als zu kompliziert.

Viele Mitarbeiter seien bereit, sonntags länger zu arbeiten – sofern Zuschläge und Freizeitausgleich stimmen, so die Innung. Eine Gesetzesänderung ist für den 1. Januar 2027 geplant, ein konkreter Entwurf liegt aber noch nicht vor.

Montenegro: 118 Geschäfte wegen Sonntagsarbeit geschlossen

Wie strikte Sonntagsruhe in der Praxis aussieht, zeigt ein Blick nach Montenegro. Der Arbeitgeberverband UPCG meldet: Innerhalb von 30 Tagen schloss die Marktaufsicht 118 Einzelhandelsgeschäfte wegen Verstößen gegen das Sonntagsarbeitsverbot. Die Bußgelder summierten sich auf fast 90.000 Euro.

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Der Verband fordert ein Überdenken des Verbots und verweist auf frühere verfassungsrechtliche Bedenken. Ein Kompromiss, der Sonntagsarbeit während der Hauptsaison gegen hohe Lohnzuschläge erlaubt hätte, scheiterte bislang im Parlament. Besonders der Tourismussektor leidet unter der Blockade.

Streit um die Rente mit 63

Parallel dazu belastet das Rentenpaket die politische Debatte. Im Zentrum: die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält ihre Abschaffung für unverzichtbar – sonst sei die Rentenreform finanziell nicht tragbar. Pro Jahrgang könnten rund 10 Milliarden Euro eingespart werden.

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Die Politik ist gespalten. Ostdeutsche Ministerpräsidenten wie Michael Kretschmer, Reiner Haseloff und Mario Voigt (CDU) sowie Manuela Schwesig und Anke Rehlinger (SPD) verteidigen die Regelung. Sie verweisen auf die besonderen Erwerbsbiografien vieler Beschäftigter im Osten. Teile der Unionsfraktion und die Rentenkommission empfehlen dagegen das Aus – Studien zeigten, dass vor allem Besserverdienende und Gesündere profitierten.

Als Kompromiss ist eine Härtefallregelung mit Gesundheitsprüfung im Gespräch. Die parlamentärischen Beratungen starten im September. Aktuelle Zahlen: 2025 nutzte etwa jeder dritte Neurentner in Ostdeutschland die Frührente, im Westen waren es rund 28 Prozent. Die Kosten belaufen sich auf jährlich etwa 13 Milliarden Euro.

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