Rentenkommission, Kapitalrente

Rentenkommission: Kapitalrente ab 2028, Renteneintritt auf 67,5

23.06.2026 - 22:56:38 | boerse-global.de

Die Rentenkommission empfiehlt eine obligatorische Zusatzrente und die Anhebung des Rentenalters. VerbÀnde und Gewerkschaften reagieren gespalten.

Rentenkommission: Neue Kapitalrente und höheres Eintrittsalter ab 2028
Rentenkommission - Eine Gruppe von GeschĂ€ftsleuten sitzt an einem Konferenztisch und diskutiert, mit einem Fokus auf Zusammenarbeit und strategische Planung. 23.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die Alterssicherungskommission hat heute ihre Empfehlungen zur Zukunft der Rente vorgelegt – und die sorgen fĂŒr mĂ€chtig ZĂŒndstoff. Im Kern geht es um eine StĂ€rkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und eine neue kapitalgedeckte SĂ€ule in der gesetzlichen Rentenversicherung. BranchenverbĂ€nde wie die Arbeitsgemeinschaft fĂŒr betriebliche Altersversorgung (aba) drĂ€ngen nun auf eine schnelle Umsetzung.

Neue SĂ€ule fĂŒr die Rente

Die Kommission schlĂ€gt ein sĂ€ulenĂŒbergreifendes Gesamtversorgungsniveau von mindestens 70 Prozent des Nettoeinkommens vor. Das HerzstĂŒck: eine obligatorische kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild. Ab 2028 sollen BeschĂ€ftigte dafĂŒr zwischen 0,5 und 2 Prozent ihres Bruttolohns einzahlen.

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Doch das ist nicht der einzige Knackpunkt. Die Kommission empfiehlt auch, das Renteneintrittsalter bis 2041 auf 67,5 Jahre anzuheben. Besonders umstritten: die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente fĂŒr besonders langjĂ€hrig Versicherte – besser bekannt als Rente mit 63.

Sozialpartner am Zug

Die aba begrĂŒĂŸt die VorschlĂ€ge grundsĂ€tzlich, fordert aber sofortige GesprĂ€che mit den Sozialpartnern. „Wir mĂŒssen vor allem kleine und mittlere Unternehmen stĂ€rker einbinden", sagt aba-Vorsitzende Beate Petry. Ihr Verband schlĂ€gt vor, die ZugangshĂŒrden zu Sozialpartnermodellen zu senken und BĂŒrokratie abzubauen.

Konkret fordert die aba eine Absenkung der 100-Prozent-Beitragsgarantie. In der Niedrigzinsphase könnten so höhere Renditen erzielt werden. Dazu kommen bessere Förderungen fĂŒr Geringverdiener und eine Digitalisierung der bAV-Prozesse.

Versicherer uneins

Die R+V Versicherung unterstĂŒtzt die PlĂ€ne ausdrĂŒcklich. Ihre Erfahrung: Sozialpartnermodelle ohne starre Garantien ermöglichen Aktienanteile von bis zu 80 Prozent. „Das verbessert die Renditechancen fĂŒr Arbeitnehmer enorm", so das Unternehmen. Die R+V hatte bereits 2022 ein branchenweites Modell in der Chemieindustrie eingefĂŒhrt.

Ganz anders der Gesamtverband der Versicherer (GDV). Er warnte gestern vor einer zu starken staatlichen Dominanz in der Kapitaldeckung. Stattdessen plĂ€diert der Verband fĂŒr einen Ausbau der bewĂ€hrten betrieblichen und privaten Systeme.

Arbeitgeber gegen Gewerkschaften

Die Fronten zwischen den Lagern sind klar. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDA) lobt das Konzept als mutig, lehnt aber jede Verpflichtung ab. Die Arbeitgeber setzen auf Freiwilligkeit.

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Die Gewerkschaften sehen das völlig anders. DGB-Chefin Yasmin Fahimi forderte gestern eine verpflichtende, arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente fĂŒr alle. Aktuell haben nur 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten eine bAV. Scharfe Kritik kommt von DGB und Verdi an der Streichung der abschlagsfreien Rente und der Anhebung des Rentenalters. Die IG Metall hingegen signalisiert UnterstĂŒtzung fĂŒr einen bAV-Ausbau.

Erster Schritt, aber noch Fragen offen

Fachleute wie Guido Bader von der Stuttgarter Lebensversicherung bewerten die VorschlĂ€ge als notwendigen ersten Schritt. „Es fehlt aber noch an Detailtiefe", gibt er zu bedenken. Aus der Branche kommt zudem die Forderung, den Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenberechnung zu reaktivieren und attraktivere Modelle fĂŒr lĂ€ngeres Arbeiten zu schaffen.

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