Rentenkommission: SelbststÀndige sollen in Pflichtversicherung
30.06.2026 - 08:03:25 | boerse-global.de
Neue Rentenempfehlungen, ein richtungsweisendes Gerichtsurteil zur Handwerksrolle und eine steigende GrĂŒndungsneigung prĂ€gen die Branche.
Rentenkommission will SelbststÀndige in die Pflicht nehmen
Die zustĂ€ndige Rentenkommission ĂŒbergab am 29. Juni 33 Empfehlungen an die Bundesregierung. Kernpunkt: SelbststĂ€ndige und VorstĂ€nde sollen kĂŒnftig in die gesetzliche Rentenversicherung pflichtversichert werden.
Die VorschlĂ€ge sehen auĂerdem vor, das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent sinken zu lassen. Die Regelaltersgrenze soll bis 2041 schrittweise auf 67,5 Jahre steigen. Neu ist die geplante Kapitalrente: Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen jeweils ein Prozent. Die abschlagsfreie Rente mit 63 soll dagegen wegfallen. Ziel ist die langfristige Stabilisierung des Rentensystems angesichts des demografischen Wandels.
OLG Koblenz: Photovoltaik-Betriebe mĂŒssen in die Handwerksrolle
Bereits am 2. Juni traf das Oberlandesgericht Koblenz eine wichtige Entscheidung (Az. 9 U 1015/25). Unternehmen, die Photovoltaikanlagen als Komplettleistung anbieten â Planung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung â mĂŒssen zwingend in die Handwerksrolle eingetragen sein.
Das gilt besonders fĂŒr Dachdecker- und Elektrotechnikerhandwerk. Fehlt die Eintragung, liegt ein WettbewerbsverstoĂ vor. Das kann Unterlassungsklagen nach sich ziehen. Das Gericht wies eine Berufung gegen eine Entscheidung des Landgerichts Mainz ab. Besonders riskant: Werbung mit eigenem Team ohne handwerksrechtliche Eintragung. Selbst standardisierte Aufdachanlagen fallen unter die Pflicht.
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GrĂŒnderboom bei jungen Leuten
Der Global Entrepreneurship Monitor zeigt fĂŒr 2025 ein wachsendes Interesse an SelbststĂ€ndigkeit. Die GrĂŒndungsquote stieg von 10 auf 13 Prozent. Besonders auffĂ€llig: Bei den 18- bis 24-JĂ€hrigen kletterte die Quote von 13 auf 23 Prozent.
62 Prozent der Befragten gaben Schwierigkeiten auf dem regulĂ€ren Arbeitsmarkt als Hauptmotiv an. Trotz des Booms bleiben die formalen HĂŒrden bestehen. FĂŒr zulassungspflichtige Handwerke ist die Eintragung in die Handwerksrolle Pflicht. Wer auslĂ€ndische Berufsqualifikationen anerkennen lassen will, etwa als Meister fĂŒr WĂ€rme-, KĂ€lte- und Schallschutzisolierung, muss eine Gleichwertigkeitsfeststellung bei der Handwerkskammer durchlaufen. Das Verfahren dauert maximal drei Monate und kostet 100 bis 600 Euro.
Modernisierungsagenda: Fortschritt oder Stillstand?
Bund und LĂ€nder legten einen ersten Fortschrittsbericht zur Ende 2025 beschlossenen Modernisierungsagenda vor. Ăber 200 MaĂnahmen sind geplant, darunter weniger Schriftformerfordernisse und eine digitale Brieftasche. Bis Ende 2026 sollen sie umgesetzt sein.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks kritisiert das Tempo. Die Entlastung komme zu langsam. Das nĂ€chste Treffen des Entlastungskabinetts ist fĂŒr den 15. Juli angesetzt.
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Handwerkskammern bieten UnterstĂŒtzung
Die Kammern reagieren mit verstÀrkten Beratungsangeboten:
- Magdeburg: Am 30. Juni gibt es einen Expertensprechtag zur Unternehmenssicherung.
- DĂŒsseldorf: Die Kammer organisiert am 7. Juli einen kostenfreien Infonachmittag fĂŒr ExistenzgrĂŒnder.
- MĂŒnchen: Am 6. Juli startet ein Einstiegsseminar zur ExistenzgrĂŒndung in Pfaffenhofen.
- Freiburg: FĂŒr November ist ein zweitĂ€giger Workshop zur BetriebsĂŒbernahme geplant.
Die Angebote sollen helfen, die steigenden Anforderungen an Qualifikation, Digitalisierung und rechtliche Absicherung zu meistern.
