Rentenreform: 33 Empfehlungen für Kapitalkomponente ab 2028
25.06.2026 - 20:40:45 | boerse-global.de
Am 24. Juni übergab sie insgesamt 33 Empfehlungen an die Bundesregierung. Bundeskanzler Merz kündigte an, die Reformvorschläge vollständig umsetzen zu wollen.
Kernpunkte des Pakets sind die Einführung einer kapitalgedeckten Rentenkomponente, die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sowie die Ausweitung der Versicherungspflicht auf bisher befreite Berufsgruppen.
Studie: Langfristige Stabilität, kurzfristige Konsumeinbußen
Einer Studie der Ratingagentur Scope zufolge tragen die Reformvorschläge maßgeblich dazu bei, Deutschlands Top-Kreditwürdigkeit (AAA) langfristig zu stabilisieren. Die Experten prognostizieren, dass die staatlichen Bundeszuschüsse durch die Reformen begrenzt werden können.
Im Jahr 2025 lagen diese bei 93,2 Milliarden Euro (2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts). Ohne Anpassungen würde der Anteil bis 2035 auf 2,33 Prozent des BIP steigen. Mit den Maßnahmen ließe er sich auf etwa 2,2 Prozent begrenzen.
Gleichzeitig weist die Analyse darauf hin, dass die Schuldenquote bis 2036 von derzeit 63 Prozent auf rund 81 Prozent ansteigen könnte. Die geplante Kapitalrente werde laut Scope den privaten Konsum und die Wirtschaftskraft kurzfristig um etwa 0,15 Prozent des BIP dämpfen.
Kapitalrente und neue Beitragsstruktur
Das Reformmodell sieht vor, ab 2028 einen zusätzlichen paritätischen Beitrag von zunächst einem Prozent und später zwei Prozent des Bruttolohns für eine kapitalgedeckte Vorsorge einzuführen. Diese Maßnahme soll die Abhängigkeit der Renten von der demografischen Entwicklung verringern.
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Experten des Netzwerks „Dezernat Zukunft“ warnen jedoch vor neuen Abhängigkeiten von den globalen Finanzmärkten. Wirtschaftsforschungsinstitute wie das IMK und das WSI äußerten deutliche Kritik. Sie berechneten, dass der Rentenbeitragssatz bis 2032 auf insgesamt 22 Prozent steigen könnte. Ohne den Aufbau des Kapitalstocks läge dieser Wert voraussichtlich bei 20,4 Prozent.
Die Institute warnen, dass diese Zusatzbelastung das Wirtschaftswachstum um ein Prozent mindern und zum Verlust von etwa 250.000 Arbeitsplätzen führen könnte. Der Arbeitgeberverband BDA kritisierte zudem die hohen Kosten der geplanten Zwangs-Kapitalrente.
Längeres Arbeiten und Ende der „Rente mit 63“
Ein weiterer zentraler Aspekt der Reform ist die Anhebung der Altersgrenzen. Ab 2031 soll der Renteneintritt an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden. Konkret bedeutet dies: Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, verlängert sich die Arbeitszeit um acht Monate.
Berechnungen zufolge könnte das Rentenalter bis 2041 auf 67,5 Jahre steigen. Für heute vierjährige Kinder könnte die Grenze schließlich bei 70 Jahren liegen. Die bisherige Möglichkeit der „Rente mit 63“ soll vollständig abgeschafft werden.
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Die OECD lobte diesen Schritt sowie die Begrenzung von Minijobs ausdrücklich. Von den Gewerkschaften kam scharfer Protest. Der DGB bezeichnete die Rente mit 63 als fair und forderte deren Erhalt. Auch der Sozialverband SoVD warnte vor steigender Altersarmut durch die Streichung von Hinzuverdienstmöglichkeiten und den Wegfall von Frühverrentungsoptionen.
Ausweitung des Versichertenkreises und politischer Zeitplan
Um die Basis der Beitragszahler zu verbreitern, sieht die Reform vor, künftig auch Selbstständige, Abgeordnete und Vorstände in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Auch die Sozialversicherungspflicht für Minijobs soll, mit Ausnahmen für Schüler, eingeführt werden.
Beamte bleiben nach aktuellem Stand hingegen beitragsfrei – obwohl die OECD auch hier eine Einbeziehung empfahl. Der political Zeitplan für die Umsetzung steht bereits fest. Für den 1. Juli ist ein Koalitionsausschuss angesetzt, um die weiteren Details zu beraten.
Die Bundesregierung strebt einen Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens bis zum Ende des laufenden Jahres an. Ziel ist es, das Rentenniveau ab 2040 bei 50 Prozent zu stabilisieren. Ein Gesamtversorgungsniveau von 70 Prozent soll durch die Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge erreicht werden.
