Rentenreform: Abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren umstritten
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die geplante Rentenreform spaltet die Koalition. SPD und Union liefern sich einen offenen Schlagabtausch ĂŒber die Zukunft der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
SPD stellt Abschaffung infrage
SPD-GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf stellte am 1. August die PlĂ€ne zur Streichung der abschlagsfreien FrĂŒhrente infrage. Er pocht auf den Erhalt der Regelung fĂŒr langjĂ€hrig Versicherte. Zugleich forderte er die Union auf, ihre Position zu klĂ€ren â schlieĂlich galt die Abschaffung ursprĂŒnglich als zentrale CDU-Forderung.
UnterstĂŒtzung kommt aus den eigenen Reihen. SPD-Abgeordneter Ralf Stegner zweifelt an einer parlamentarischen Mehrheit ohne tragfĂ€higen Kompromiss.
Die Unionsfraktion hingegen beharrt auf der Umsetzung. Fraktionschef Thorsten Frei verteidigte die Streichung als wirtschaftlich sinnvoll. CDU-GeneralsekretÀrin Franziska Hoppermann warnt davor, einzelne Punkte aus dem Reformpaket herauszulösen. Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas wollen alle 33 Empfehlungen der Rentenkommission umsetzen.
Osten droht mit Blockade
Massiver Widerstand kommt aus Ostdeutschland. FĂŒnf MinisterprĂ€sidenten â darunter Michael Kretschmer (Sachsen), Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (ThĂŒringen) â fordern den Erhalt der abschlagsfreien Rente. Kretschmer drohte bereits Ende Juli mit einer Ablehnung im Bundesrat.
Die GrĂŒnde liegen in der Erwerbsbiografie: Rund 75 Prozent der ostdeutschen Rentner sind ausschlieĂlich auf die gesetzliche Rente angewiesen, im Westen sind es 52 Prozent. Zuletzt entfielen in Ostdeutschland etwa 33 Prozent der neuen Altersrenten auf die abschlagsfreie Variante, im Westen 27 Prozent.
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Auch der Sozialverband VdK ĂŒbt Kritik. PrĂ€sidentin Verena Bentele fordert deutliche Nachbesserungen. LangjĂ€hrige Beitragszahler dĂŒrften nicht durch AbschlĂ€ge benachteiligt werden.
Milliarden-Einsparungen, spĂŒrbare Verluste
Die Rentenkommission beziffert das Einsparpotenzial auf rund 6,5 Milliarden Euro pro Jahrgang. Ohne die Regelung fĂŒhrt jeder Monat vorzeitiger Verrentung zu einem Abschlag von 0,3 Prozent.
Ein Beispiel verdeutlicht die Folgen: Wer eine Bruttorente von 2.000 Euro bereits mit 63 Jahren bezieht, erhÀlt nach AbschlÀgen nur noch rund 1.712 Euro. Wer bis 65 arbeitet, kommt auf 1.856 Euro.
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Parallel zur Debatte trat am 1. August eine Rentenerhöhung in Kraft. Die Renten stiegen zum Juli um 4,24 Prozent, der aktuelle Rentenwert liegt nun bei 42,52 Euro. Bei der IKK classic erhöhte sich zum Monatsbeginn der Zusatzbeitrag.
Ob die Regierung ihre Reform durchsetzen kann, bleibt offen. Die drohende Blockade im Bundesrat und die internen Differenzen machen eine Einigung zur Nagelprobe fĂŒr das zentrale Projekt der Legislaturperiode.
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