Rentenreform: Sieben LĂ€nder blockieren Abschaffung der Rente mit 63
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sieben BundeslÀnder lehnen die Abschaffung der Rente mit 63 ab. Damit droht die geplante Rentenreform im Bundesrat zu scheitern.
LĂ€nder formieren sich gegen die Bundesregierung
Alle fĂŒnf ostdeutschen MinisterprĂ€sidenten sowie die Regierungschefs aus dem Saarland und Bremen stellen sich gegen die PlĂ€ne. Sachsens MinisterprĂ€sident Kretschmer betont: Millionen Rentner in Ostdeutschland lebten von monatlichen BetrĂ€gen zwischen 1.300 und 1.500 Euro und seien auf verlĂ€ssliche Regelungen angewiesen.
Die ablehnenden LĂ€nder verfĂŒgen ĂŒber zwölf Stimmen im Bundesrat. Sachsens Regierungschef Sven Schulze verweist auf den Koalitionsvertrag, der den Erhalt der abschlagsfreien FrĂŒhrente nach 45 Beitragsjahren vorsehe.
Wirtschaft warnt vor finanziellen EngpÀssen
Die Arbeitgeber reagieren mit scharfer Kritik. BDA-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Steffen Kampeter nannte die Blockadehaltung am 4. August âbesorgniserregendâ â es drohe die womöglich letzte Chance fĂŒr eine zukunftsfeste Rente verloren zu gehen.
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Der Ăkonom Jörg Rocholl rechnet vor: Ohne die Abschaffung fehlen jĂ€hrlich rund 10 Milliarden Euro fĂŒr die geplante Kapitalrente. Diese Mittel seien nötig, um das Rentenniveau ab 2040 stabil ĂŒber 48 Prozent zu halten. Auch Wirtschaftsweise Veronika Grimm unterstĂŒtzt die Reform â eine Beibehaltung wĂŒrde die jĂŒngere Generation ĂŒbermĂ€Ăig belasten.
Studien belegen: FrĂŒher Renteneintritt hat zwei Seiten
Das Deutsche Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung sieht massive Vorteile: Pro Rentnerjahrgang wĂ€ren Einsparungen von knapp 10 Milliarden Euro möglich, der Arbeitsmarkt wĂŒrde um rund 125.000 VollzeitkrĂ€fte gestĂ€rkt. Ohne diesen Schritt sei die gesamte Rentenreform gefĂ€hrdet.
Doch die Medizinische Hochschule Hannover liefert warnende Daten: Die gesunde Lebensarbeitszeit hÀlt nicht mit dem steigenden Renteneintrittsalter Schritt. Besonders Menschen in belastenden Berufen oder mit niedrigerer Bildung erreichen das Rentenalter hÀufig nicht in gesundem Zustand.
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NRW fordert HĂ€rtefallregelungen
Arbeitsminister Karl-Josef Laumann verlangt am heutigen Donnerstag eine differenzierte Lösung: GrundsĂ€tzlich unterstĂŒtze er das Reformpaket, doch fĂŒr Schichtarbeiter und andere stark belastete Berufsgruppen brauche es klare HĂ€rtefallregelungen.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei drĂ€ngt auf einen Referentenentwurf im Herbst. Die Regierung unter Kanzler Merz steht vor der Herausforderung, die Differenzen vor den anstehenden Wahlen â unter anderem in Sachsen-Anhalt am 6. September â zu ĂŒberbrĂŒcken. Ob das gelingt? Die Fronten sind verhĂ€rtet.
