Rettungsdienst, Bessere

Rettungsdienst: Bessere Anordnung senkt körperliche Belastung um bis zu 35 Prozent

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine günstige Anordnung von Arbeitsmitteln senkte die Belastung stärker als weniger Gewicht; Einzelmaßnahmen linderten Beschwerden nur wenig.
Eine leere, aufgeräumte industrielle Werkstatt mit hohen Decken und einfallendem Tageslicht, die eine strukturierte Arbeitsumgebung zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Arbeitgeber können zahlreiche körperliche Beschwerden ihrer Beschäftigten verhindern, wenn ergonomische Kriterien bereits während der Entwurfsphase von Arbeitsplätzen einfließen, statt Fehlbelastungen erst im Nachhinein auszugleichen.

Darauf wies Roeland Motmans von der Ergonomievereinigung VerV hin. Anlass für den Vorstoß bilden insbesondere Beschäftigte in der Metallbranche, deren beruflicher Alltag regelmäßig von schwerem Lastenheben, repetitiven Bewegungen und verlängertem Stehen bestimmt wird.

Enorme volkswirtschaftliche Belastung durch Fehlzeiten

Die Vernachlässigung ergonomischer Standards zieht erhebliche wirtschaftliche Folgen nach sich. Nach Angaben des Fraunhofer IPA verursachten Rückenschmerzen sowie Muskel- und Skelett-Erkrankungen allein im Jahr 2025 einen gesamtwirtschaftlichen Schaden in Höhe von 58,4 Milliarden Euro. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zählen Muskel-Skelett-Erkrankungen unverändert zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsausfälle in Deutschland.

Zudem herrsche laut Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken e. V. hierzulande weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem. Während ergonomisch optimierte Bürostühle, moderne Bildschirmarbeitsplätze und höhenverstellbare Schreibtische in vielen Verwaltungsbereichen etabliert seien, kämen diese Verbesserungen nicht bei allen Arbeitnehmern an.

Vor allem im Homeoffice sowie in körperlich fordernden Branchen wie dem Bau, dem Handwerk, der Gebäudereinigung und der Pflege bestünden spürbare Defizite. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung unterstreicht, dass fast die Hälfte der Beschäftigten zeitweise im Homeoffice tätig sei, es kleineren Betrieben jedoch häufig an klaren Richtlinien für gesunde Bewegungsabläufe und Ausstattung fehle.

Anzeige

Wer sich mit der Prävention von körperlichen Beschwerden befasst, findet in diesem Ratgeber 17 einfache Übungen, die in nur 3 Minuten täglich Muskeln aufbauen und Schmerzen vorbeugen können. 17 Übungen für maximale Ergebnisse jetzt kostenlos herunterladen

Räumliche Anordnung oft entscheidender als reines Gewicht

Dass eine reine Reduktion von Arbeitslasten oft zu kurz greift, belegen auch wissenschaftliche Erhebungen zur Gestaltung von Arbeitsprozessen. Eine Untersuchung von Joachim Wilms an der HSD und der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf im Bereich des Rettungsdienstes analysierte 895 Datensätze aus 1.400 rechnerischen Messungen, nachdem 505 Konstellationen wegen Überschreitung der Grenzwerte schon ohne Traglast ausgeschlossen werden mussten.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine Senkung des Gewichts eines Einsatzrucksacks um mehr als die Hälfte die körperliche Beanspruchung lediglich um rund 21 bis 23 Prozent verringerte. Eine optimierte räumliche Platzierung derselben Ausrüstung senkte die Belastung dagegen ohne jegliche Gewichtsveränderung um etwa 30 bis 35 Prozent.

Zwischen der ergonomisch ungünstigsten und der günstigsten Position ergab sich eine Differenz von über 50 Prozent, was verdeutlicht, dass die funktionale Anordnung der Arbeitsmittel am Einsatzort einen größeren Einfluss auf die Ergonomie haben kann als das reine Transportgewicht.

Anzeige

Neben der ergonomischen Gestaltung spielt die gezielte Stärkung des Körpers eine entscheidende Rolle für die Gesundheit am Arbeitsplatz. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden eines erfahrenen Orthopäden, wie Sie mit minimalem Zeitaufwand effektiv Beschwerden vorbeugen. Kostenlosen Ratgeber mit 3-Minuten-Übungen sichern

Umfassende Strategien statt reiner Materialanschaffung

Gleichzeitig greift die Bereitstellung neuer Hilfsmittel ohne begleitende Maßnahmen oft zu kurz. Ein von Poonam Mehta an der University of Technology Sydney geleiteter Cochrane-Review aus dem Oktober 2026, der 20 Studien mit insgesamt 2.478 Teilnehmenden aus Büros, Fabriken und Fleischereibetrieben auswertete, kam zu dem Schluss, dass ergonomische Einzelmaßnahmen Beschwerden an Nacken, Armen und Schultern nur geringfügig mindern.

Bei der Anzahl der Krankschreibungen zeigten sich in drei Studien mit 759 Teilnehmenden kaum messbare Unterschiede zwischen Ergonomiegruppen mit etwa 14 Fällen je 100 Personen und Vergleichsgruppen mit etwa 16 je 100 Personen.

Laut der Studienleiterin reichten isolierte Schulungen oder Büromöbelanpassungen selten aus, weshalb Ergonomie zwingend in ganzheitliche Präventionskonzepte mit aktiver Bewegungstherapie eingebunden werden müsse. Um dauerhafte Schäden zu verhindern, bleibt die vorausschauende Gestaltung technischer Anlagen und industrieller Abläufe das wirksamste Werkzeug der betrieblichen Gesundheitsvorsorge.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70426230 |