Rhein-Niedrigwasser erreicht historische TiefstĂ€nde â Schifffahrt stark eingeschrĂ€nkt
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 14:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Historisch niedrige PegelstĂ€nde schrĂ€nken die Schifffahrt auf dem Rhein massiv ein und unterbrechen den GĂŒterverkehr auf dem Mittel- und Oberrhein teilweise.
Nur noch wenige GĂŒterschiffe unterwegs
Auf dem besonders betroffenen Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz seien nur noch vereinzelt GĂŒterschiffe unterwegs, sagte Fabian SpieĂ, stellvertretender GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt. Im Rheineinzugsgebiet fehle es an ergiebigen NiederschlĂ€gen.
Die Schifffahrt fahre weiter, solange dies sicher möglich sei, könne wegen des niedrigen Wasserstands aber deutlich weniger Ladung transportieren. Nach Angaben des Verbands könnten die im vergangenen Monat eingeleiteten MaĂnahmen, darunter die Aufhebung von Sonn- und Feiertagsverboten fĂŒr Lastwagen, die Lieferketten teilweise stabilisieren.
Historischer Tiefstand in Kaub
Der Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz gilt als Nadelöhr der Rheinschifffahrt, weil die Fahrrinne dort schlechter ausgebaut ist als flussaufwÀrts und flussabwÀrts. Der Pegel in Kaub unterschritt am Wochenende zeitweise den Nullpunkt und erreichte damit einen historischen Tiefstand.
Thomas Puls, Verkehrsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, sagte, der Pegel Kaub liege trocken. Mit Ausnahme weniger Spezialschiffe, die den Engpass noch mit stark reduzierter Ladung passieren könnten, sei der Rhein aus verkehrlicher Sicht faktisch erneut zweigeteilt.
Industrie und Lieferketten betroffen
Damit seien der Mittel- und Oberrhein samt ZuflĂŒssen erneut von den HĂ€fen in Duisburg und Rotterdam abgeschnitten. Wichtige Logistikketten seien weitgehend unterbrochen, vor allem bei festen und flĂŒssigen MassengĂŒtern, die kaum auf die Schiene und nicht auf die StraĂe ausweichen könnten.
Besonders stark wirke sich die Situation auf Raffinerien, die Chemieindustrie und Stahlwerke aus. Als Beispiel wurde das BASF-Werk in Ludwigshafen genannt, das etwa die HĂ€lfte seiner Vorprodukte per Binnenschiff beziehe.
Auch Köln meldet Rekordwert
In Köln wurden am Montag 40 Zentimeter gemessen, ebenfalls ein Niedrigwasser-Rekord. Nach Beobachtung des WasserstraĂen- und Schifffahrtsamtes nahm die Schifffahrt dort stark ab. Die Fahrrinne liegt tiefer als der Pegelstand am Ufer; in Köln betrĂ€gt der Unterschied nach Angaben des Amtes 1,11 Meter.
Die Bundesanstalt fĂŒr GewĂ€sserkunde und die WasserstraĂen- und Schifffahrtsverwaltung rechnen damit, dass die PegelstĂ€nde in Köln und Kaub bis zum kommenden Wochenende wieder steigen.
Niedrigwasser bereits im August
Schon in der ersten AugusthĂ€lfte waren die PegelstĂ€nde deutlich gefallen. Die Frachtschifffahrt brach ein, GĂŒterschiffe konnten teilweise gar nicht oder nur leer fahren. In der zweiten MonatshĂ€lfte stiegen die WasserstĂ€nde nach NiederschlĂ€gen wieder.
Forderung nach mehr WasserrĂŒckhalt
Beatrice Claus, GewĂ€sserschutz-Referentin beim Umweltverband WWF, sagte, wiederkehrende Niedrigwasserrekorde machten die Folgen der Klimakrise sichtbar. Wasser mĂŒsse stĂ€rker in der Landschaft und in den FlĂŒssen gehalten werden. WĂ€lder, Moore, FeuchtgrĂŒnland und Flussauen könnten als Wasserspeicher dienen und FlĂŒsse auch in Trockenzeiten versorgen.
Wasserstand und Schifffahrt
Der Pegelstand beschreibt nicht die gesamte Wassertiefe des Flusses, sondern einen Messwert an einer bestimmten Stelle. FĂŒr die Schifffahrt ist entscheidend, wie viel Wasser in der Fahrrinne zur VerfĂŒgung steht. Sinkt der Pegel, mĂŒssen Schiffe ihre Ladung reduzieren, damit sie weniger tief im Wasser liegen.
Der Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz ist besonders kritisch, weil die Fahrrinne dort weniger tief ausgebaut ist als in anderen Rheinabschnitten. Dadurch können niedrige WasserstĂ€nde den GĂŒtertransport schneller begrenzen. Betroffen sind vor allem MassengĂŒter wie Brennstoffe, Rohstoffe und chemische Vorprodukte, fĂŒr die Lastwagen und Bahn kurzfristig nur teilweise Ersatz bieten.
Folgen fĂŒr Versorgung und Infrastruktur
Eine lĂ€nger anhaltende EinschrĂ€nkung kann Transportzeiten verlĂ€ngern und zusĂ€tzliche Umladungen erforderlich machen. Das erhöht den logistischen Aufwand und kann bei einzelnen GĂŒtern die Transportkosten beeinflussen. Besonders sensibel sind Standorte, die regelmĂ€Ăig per Schiff beliefert werden, darunter Raffinerien, Chemieunternehmen und Stahlwerke.
FĂŒr Anwohner und Reisende bedeutet der historische Tiefstand nicht, dass der Rhein trockenliegt. Die Fahrrinne bleibt an vielen Stellen befahrbar, allerdings nur fĂŒr geeignete Schiffe und mit deutlich geringerer Auslastung. Auch FĂ€hren und Ausflugsschiffe können regional betroffen sein, wenn die Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfĂŒllt werden.
Wetter und langfristige Vorsorge
Die kurzfristige Entwicklung hĂ€ngt von NiederschlĂ€gen im gesamten Einzugsgebiet ab. Die erwartete Erholung der Pegel bis zum kommenden Wochenende könnte die Lage vorĂŒbergehend entspannen. Wiederkehrende Niedrigwasserperioden erhöhen zugleich den Druck, Wasser in Böden, Auen, Feuchtgebieten und WĂ€ldern zurĂŒckzuhalten und die WiderstandsfĂ€higkeit der Logistikketten zu verbessern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: âPrognose unter 40 Zentimeter: Der Rheinpegel soll weiter sinkenâ (28.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige den historischen Tiefstand in Köln und stelle heraus, dass der Pegel am Montagmorgen 40 Zentimeter erreicht habe. ZusĂ€tzlich verweise er auf die praktischen Folgen fĂŒr Frachtschiffe und FĂ€hren sowie auf geringe ZuflĂŒsse und die anhaltende Trockenheit als Ursachen.
Frankfurter Rundschau: âAm Rhein ist eingetreten, was Experten befĂŒrchtet haben: Pegel Kaub auf Null gesunkenâ (27.09.2026)
Der Artikel bestĂ€tige den historischen Wert in Kaub und betone, dass der Pegelstand eine RechengröĂe sei und der Rhein nicht trockenliege. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf die wirtschaftlichen Folgen, darunter eingeschrĂ€nkte FrachterkapazitĂ€ten und mögliche Auswirkungen auf Transportkosten.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten die auĂergewöhnliche Niedrigwasserlage und die Belastung der Schifffahrt. Unterschiede lĂ€gen vor allem beim regionalen Schwerpunkt: Der WDR konzentriere sich auf Köln und die unmittelbaren Verkehrsfolgen, wĂ€hrend die Frankfurter Rundschau Kaub und die Folgen fĂŒr den GĂŒtertransport hervorhebe.
