Krankenkassen-BeitrÀge sollen 2027 stabil bleiben
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 21:46 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(aktualisierte Fassung)
BONN/BERLIN (dpa-AFX) - In der gesetzlichen Krankenversicherung sollen Beitragszahlerinnen und Beitragszahler zum kommenden Jahr laut amtlicher SchÀtzung von steigenden KrankenkassenbeitrÀgen verschont bleiben. "Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bleibt im kommenden Jahr stabil", sagte Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) nach Bekanntgabe der SchÀtzung in Berlin.
Das in Bonn veröffentlichte SchĂ€tzungsergebnis ergibt fĂŒr 2027 einen rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von unverĂ€ndert 2,9 Prozent, wie das Bundesamt fĂŒr Soziale Sicherung mitteilte. Das Gesundheitsministerium legt den Durchschnittswert aufgrund dieser SchĂ€tzung zum 1. November fest. Ob die einzelnen Krankenkassen dem folgen oder höhere ZusatzbeitrĂ€ge bei ihren Mitgliedern und deren Arbeitgebern verlangen, ist noch offen. Die per Verordnung festgelegte DurchschnittsgröĂe ist ein Orientierungswert.
Die Expertinnen und Experten des Bundesamts, des Ministeriums und des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung im SchĂ€tzerkreis sagen fĂŒr 2026 Ausgaben von 370 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung voraus. Im kommenden Jahr sollen sie auf 378 Milliarden Euro steigen.
Linnemann: "Ziel erreicht"
Linnemanns Ministerium verwies auf die Folgen des im Sommer beschlossenen Krankenkassen-Spargesetzes. Die Kassen hÀtten 2027 dadurch bis zu 15 Milliarden Euro weniger Ausgaben zu schultern. Die Koalition hatte insbesondere Kliniken einen hohen Sparbeitrag auferlegt.
Linnemann zeigte sich bestĂ€tigt durch die Finanzprognose: "Wir haben unser wichtigstes Ziel erreicht." SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis nannte die SchĂ€tzung in der Funke Mediengruppe "eine gute Nachricht fĂŒr die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten, fĂŒr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Arbeitgeber und unseren Wirtschaftsstandort".
Strukturprobleme noch ungelöst
Linnemann kĂŒndigte zugleich an: "Wir mĂŒssen die strukturellen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung lösen und ihre Finanzierung dauerhaft auf eine solide Grundlage stellen." Nach wiederholten Beitragserhöhungen rede er die Situation nicht schön. Die Finanzlage der Kassen bleibe angespannt.
Seit 2024 wurde demzufolge eine Rekordausgabensteigerung von knapp acht Prozent pro Jahr verzeichnet. FĂŒr das laufende Jahr wird mit knapp 7 Prozent gerechnet. Im kommenden Jahr soll der Ausgabenanstieg nun voraussichtlich auf unter 3 Prozent fallen, so das Ministerium. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz hatte sich seit 2022 von 1,3 Prozent auf 2,9 Prozent mehr als verdoppelt. Grund ist, dass die Ausgaben in fast allen Bereichen stĂ€rker steigen sind als die Beitrageinnahmen.
"Weiter Kurs halten"
Der Verband der Ersatzkassen, der Deutschlands gröĂte Krankenkassen vertritt, mahnte, es sei "fraglich", ob die geplanten SparmaĂnahmen reichen. "Die Politik hat einigen Leistungsbereichen - Pharma, KrankenhĂ€user, Psychotherapeuten, Haus- und KinderĂ€rzte - finanzielle ZugestĂ€ndnisse gemacht, die nun durch andere MaĂnahmen gegenfinanziert werden mĂŒssen", sagte Verbandschefin Ulrike Elsner mit Blick auf Nachbesserungen am Spargesetz. Auch der AOK-Bundesverband forderte, "bei den Effizienzanstrengungen jetzt weiter Kurs zu halten und echte Strukturreformen voranzutreiben".
Debatte am Donnerstag
An diesem Donnerstag will die Koalition im Bundestag noch einmal ĂŒber die Krankenkassenfinanzen beraten. Denn mit der abschlieĂenden Debatte ĂŒber eine Reform fĂŒr die Notfall-Versorgung sollen auch letzte Ănderungen am Krankenkassen-Sparpaket beraten werden. Dabei geht es auch darum, einige VerschĂ€rfungen vom Sommer wieder abzumildern, dafĂŒr aber an anderer Stelle einzusparen.
