Neuer Ort, neue Hoffnung? Selenskyj trifft Witkoff in Oslo
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 17:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: GesprÀchsbeginn im ersten Absatz)
WASHINGTON/KIEW/MOSKAU/OSLO (dpa-AFX) - Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hat in Oslo dem norwegischen Rundfunk zufolge GesprĂ€che mit US-UnterhĂ€ndler Steve Witkoff ĂŒber eine Friedenslösung fĂŒr sein Land begonnen. Auf der Nachrichtenplattform X hatte er das Treffen zuvor angekĂŒndigt. ZunĂ€chst wollte er zu dritt mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr StĂžre und dem finnischen PrĂ€sidenten Alexander Stubb sprechen, dann einzeln mit Witkoff, schlieĂlich eine Runde zu viert.
"Ich bin jedem dankbar, der die Ukraine und einen wĂŒrdigen Weg zum Frieden unterstĂŒtzt", schrieb Selenskyj. Die norwegische Hauptstadt ist ein neuer Schauplatz in den bislang erfolglosen FriedensbemĂŒhungen fĂŒr das von Russland seit viereinhalb Jahren mit einem verheerenden Angriffskrieg ĂŒberzogene Land. Auch das Format ist neu.
"Ziel ist es, die diplomatischen BemĂŒhungen wieder in konstruktivere Bahnen zu lenken", sagte StĂžre laut der Nachrichtenagentur NTB. Wittkoff soll die Ergebnisse spĂ€ter weiter nach Moskau tragen.
Das Treffen gehört zu der von US-PrĂ€sident Donald Trump dieser Tage vorangetriebenen Diplomatie. Diese setzt indes stark auf eine VerstĂ€ndigung mit Moskau, wĂ€hrend der Druck auf die Ukraine wĂ€chst. Trump griff in Washington erneut Selenskyj an und beklagte, dieser sei bei den FriedensbemĂŒhungen "keine echte Hilfe".
Trump fĂŒr Dreiertreffen mit Putin und Xi
Trump zeigte sich auch offen fĂŒr ein mögliches Dreiertreffen mit Kremlchef Wladimir Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping. "Wir wĂŒrden das machen, um ĂŒber Atomwaffen und nukleare AbrĂŒstung zu sprechen", sagte Trump am Montag (Ortszeit) in Washington. Ein Treffen der drei gröĂten AtommĂ€chte zur nuklearen AbrĂŒstung sei "eine sehr gute Sache fĂŒr die Welt", die er jederzeit angehen wĂŒrde. Er wĂŒrde bei einer solchen Gelegenheit auch weitere Themen "wie die Ukraine" ansprechen, sagte Trump weiter.
US-Medienberichten zufolge könnte ein Treffen mit Putin und Xi im November beim Gipfeltreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im chinesischen Shenzhen stattfinden. Der Kreml erklĂ€rte sich einverstanden, weil Putin seit lĂ€ngerem auf GesprĂ€che zur nuklearen AbrĂŒstung dringt.
Moskau fĂŒr AtomgesprĂ€che
Nach dem Ausstieg der beiden gröĂten AtommĂ€chte Russland und USA aus AbrĂŒstungsabkommen "steht die Welt ohne diese vertragliche Rechtsgrundlage da", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Das ist Ă€uĂerst gefĂ€hrlich, und wir mĂŒssen rechtzeitig mit den Verhandlungen beginnen." Es handle sich um einen langwierigen Verhandlungsprozess. In Sachen Ukraine verwies Peskow dagegen auf den GesprĂ€chsfaden mit Witkoff.
China bestĂ€tigte die PlĂ€ne fĂŒr ein Dreiertreffen nicht. Angesprochen auf Trumps ĂuĂerungen sagte AuĂenamtssprecherin Mao Ning in Peking, sie habe derzeit keine Informationen dazu, die sie teilen könnte.
VerschÀrfter Tonfall zwischen Washington und Kiew
Trumps Vorstellung zu Amtsantritt, er könne den Ukraine-Krieg rasch beenden, hat sich nicht bewahrheitet. Unter ihm sehen sich die USA nicht mehr als VerbĂŒndeter Kiews, sondern eher als Vermittler. Der US-PrĂ€sident spricht auch immer wieder vom angeblichen Friedenswillen Putins, wĂ€hrend er den Widerstand der Ukraine gegen einen ĂŒbermĂ€chtigen Gegner abwertet.
In den vergangenen Tagen hat Trump Vereinbarungen mit Moskau getroffen, unter anderem DieselkĂ€ufe in Russland vereinbart. Zugleich stocken wichtige militĂ€rische Hilfsleistungen fĂŒr die Ukraine. Warnungen vor dem Start russischer ballistischer Raketen bleiben aus, das Starlink-Satelliteninternet ist gedrosselt. Kiew vermutet dahinter Absicht der USA. US-AuĂenminister Rubio dementierte bei einem Besuch in Indien Abweichungen von den Vereinbarungen mit Kiew.
Selenskyj hat in dieser Lage seine ZurĂŒckhaltung aufgegeben und Trump offen kritisiert. Der US-PrĂ€sident stehe mit seinem kremlfreundlichen Kurs auf der falschen Seite der Geschichte. Trump entgegnete: "Selenskyj weiĂ nicht, wovon er spricht." Er warf der Ukraine fehlende Gegenleistungen fĂŒr die UnterstĂŒtzung der USA vor. "Wir haben der Ukraine viel gegeben - sie hat uns nichts gegeben. Vergessen Sie das nicht", sagte er in Washington.
Mindestens neun Tote in der Ukraine
Russische Luftangriffe auf die Ukraine gingen unterdessen mit groĂer HĂ€rte weiter, dabei kamen am Dienstag mindestens neun Zivilisten ums Leben. Drei Leichen wurden gefunden, als RettungskrĂ€fte den Brand in einer Produktions- und Lagerhalle im Kreis Obuchiw sĂŒdlich der ukrainischen Hauptstadt löschten. Das teilte der MilitĂ€rgouverneur des Kiewer Gebiets, Tymur Tkatschenko, auf Telegram mit. Sechs Menschen seien verletzt worden.
Weniger spÀter traf eine russische Drohne eine Autobahn am Stadtrand von Kiew. Dabei gab es drei Tote. Drohnentreffer wurden auch aus den Gebieten Charkiw, Sumy, Odessa, Dnipro bis nach Chmelnyzkyj, Ternopil und Lwiw weit im Westen der Ukraine gemeldet. Weitere drei Menschen wurden durch russischen Beschuss auf die frontnahe Stadt Kramatorsk in der Ostukraine getötet.
Russisches Treibstofflager angegriffen
Nach ukrainischen Gegenangriffen kam es zu einem Brand an einer Industrieanlage in Mitschurinsk im Gebiet Tambow, wie Gouverneur Jewgeni Perwuschow mitteilte. Nach inoffiziellen Berichten wurde in dem Ort 300 Kilometer sĂŒdöstlich von Moskau die Pumpstation einer Pipeline getroffen. Russland ĂŒberzieht die Ukraine seit 2022 mit einem Angriffskrieg. Deren Gegenangriffe richten sich vor allem gegen Industrie- und MilitĂ€rziele im russischen RĂŒckraum.
