LĂ€nder fordern mehr Geld vom Bund
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 07:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIm Fokus steht besonders der Schienenverkehr. Jedoch rechneten bereits vor Beginn der Verhandlungen Teilnehmer mit keinen Einigungen zu den Dauerstreitthemen.
In einem gemeinsamen Papier, das nach dpa-Informationen aus LĂ€nderkreisen beschlossen wurde, verlangen die BundeslĂ€nder eine Reform der Schienenmaut - zusĂ€tzliche Kosten sollten kurzfristig ausgeglichen werden. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU), der den VorstoĂ initiiert hatte, sagte auf dpa-Anfrage: "Es ist einfach bitter, dass der Bund den LĂ€ndern ĂŒber die DB InfraGo erst massiv steigende Kosten aufbĂŒrdet, sie dann zusammen mit Pendlerinnen und Pendlern aber im Stich lĂ€sst. Damit verpassen wir die einmalige Chance, bei historisch hohen Spritpreise mehr Menschen vom Auto auf die Schiene zu bringen."
Ein Ăberblick zu den wichtigsten Punkten:
Trassenpreise
Aus der Sicht des Gastgebers, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), muss die Bundesregierung drohende Preissteigerungen bei den Trassenpreisen "vollstÀndig kompensieren", wie er auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erlÀuterte. Ansonsten drohten EinschrÀnkungen im Bahnverkehr.
Trassenpreise sind eine Art Schienenmaut. Der Verband "Die GĂŒterbahnen" warnte zur Konferenz in einem Brief an die Teilnehmer vor negativen Konsequenzen fĂŒr die Wirtschaft. AngekĂŒndigte Preiserhöhungen von bis zu 85 Prozent fĂŒr 2028 etwa fĂŒr Gefahrgut- und sehr schwere ZĂŒge wĂŒrden die Chemie-, Landwirtschaft- und Stahlstandorte massiv treffen.
Auch der Bund fĂŒr Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht die Bundesregierung in der Pflicht. "Die Kosten fĂŒr die Nutzung des Schienennetzes mĂŒssen wettbewerbsfĂ€hig und planbar werden", sagte der Jens Hilgenberg, Leiter fĂŒr Verkehrspolitik. Die Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz mĂŒssten auf drei Milliarden Euro jĂ€hrlich aufgestockt werden.
Anlass fĂŒr die Preisdebatte ist ein Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs aus dem FrĂŒhjahr. Demnach verstöĂt die zuvor gesetzlich festgelegte Begrenzung der Trassenpreiserhöhungen im Nahverkehr gegen eine EU-Richtlinie.
Laut Bernreiter bedeutet die stark steigende Tendenz alleine fĂŒr Bayern jĂ€hrliche Mehrkosten von 70 Millionen Euro. "Der Bund muss die höheren Kosten vollstĂ€ndig kompensieren - LĂ€nder und AufgabentrĂ€ger brauchen dringend Planungssicherheit.."
Eine Einigung dĂŒrfte es nicht geben, da Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) kein frisches Geld im GepĂ€ck hat.
Regionalisierungsmittel:
Die Debatte um die Regionalisierungsmittel ist ein Dauerbrenner bei den Konferenzen. Die LĂ€nder nutzen das Geld vor allem, um regionale Bahnangebote bereitzustellen und zu finanzieren. Diese reichten - so Bernreiter, aber bei Weitem nicht aus. "Die Lage hat sich durch die Trassenpreise zusĂ€tzlich verschĂ€rft. Der Bund muss jetzt zeitnah nachlegen: Alleine um den Status quo im Angebot zu erhalten, sind bis 2031 zusĂ€tzlich 14 Milliarden Euro nötig. Sonst drohen höhere Ticketpreise und Abbestellung von Verkehren - also ein schlechteres Angebot fĂŒr die FahrgĂ€ste."
Auch hier musste der Bund in den vergangenen Jahren aber immer wieder abwinken, da das Geld auch hier ĂŒberaus knapp ist. Die Bundesregierung verweist darauf, dass die Regionalisierungsmittel jedes Jahr steigen - das reicht den LĂ€ndern aber nicht.
"Das kann eine AbwĂ€rtsspirale auslösen: Wenn weniger ZĂŒge auf dem Schienennetz fahren, verteilen sich die Infrastrukturkosten auf weniger Zugfahrten, die Trassenpreise pro Zugkilometer erhöhen sich weiter, der Schienenpersonennahverkehr verteuert sich und löst weitere AngebotskĂŒrzungen aus", warnte Bernreiter.
Wachsende Bedeutung der Schiene:
Ungeachtet der vielen Probleme im Schienenpersonenverkehr ist die Nachfrage laut Bernreiter weiterhin enorm - und etwa in Bayern im Nahverkehr seit Corona deutlich gestiegen: Im Schienenpersonennahverkehr 2024 um 23,8 Prozent gegenĂŒber dem Niveau von 2019. "Die Schiene bindet den lĂ€ndlichen Raum an die Zentren an und leistet damit einen enormen Beitrag fĂŒr ein gutes Leben in allen Landesteilen. Das gelingt aber nur wenn das aktuelle Angebot mindestens aufrechterhalten werden kann."
E-Bus-Förderung
Zur Senkung klimaschĂ€dlicher Emissionen sollen mehr Busse mit Elektroantrieb auf Deutschlands StraĂen unterwegs sein. Doch auch hier ist die Finanzierung ein Problem. Die Verkehrsminister fĂŒrchten, dass die Bundesmittel im Klima- und Transformationsfonds deutlich reduziert werden. "Die Bundesförderung fĂŒr E-Busse muss verlĂ€sslich und langfristig fortgefĂŒhrt werden, damit Verkehrsunternehmen schneller umsteigen", sagte Hilgenberg. Die Verkehrsministerkonferenz mĂŒsse sich deshalb klar dafĂŒr aussprechen, dass es keine KĂŒrzungen im Bundeshaushalt gebe.
Ticket fĂŒr Gelegenheitsfahrer: Entscheidung vertagt
Bereits zum Auftakt der Konferenz hatten die Verkehrsminister ein kontroverses Thema kurzerhand von der Tagesordnung genommen und gar nicht diskutiert. Es ging um einen VorstoĂ von Nordrhein-Westfalen und Hamburg zur EinfĂŒhrung eines neuen Tickets fĂŒr Gelegenheitsfahren. Nach dem Willen einzelner LĂ€nder sollte das bundesweit eingefĂŒhrt werden - als ErgĂ€nzung zum Deutschlandticket. Die Idee: Per Smartphone werden Fahrtbeginn und -ende registriert und der gĂŒnstigste Tarif automatisch berechnet.
