ROUNDUP, Hohe

Hohe Ölpreise und steigende Zinsen dämpfen ZEW-Konjunkturerwartungen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 12:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Einschätzung von Finanzexperten und Analysten zur Konjunktur in Deutschland hat sich erstmals seit fünf Monaten wieder verschlechtert.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen, das Stimmungsbarometer des Forschungsinstituts ZEW, fiel im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 6,6 Punkte auf 28,1 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Volkswirte hatten mit einem Dämpfer gerechnet, waren aber im Schnitt nur von einem Rückgang auf 30 Punkte ausgegangen.

Zuvor war der Konjunkturindikator fünf Monate in Folge gestiegen und hatte im September den höchsten Stand seit Februar erreicht. Vor dem Iran-Krieg hatten die Konjunkturerwartungen bei plus 58,3 Punkten gelegen, bevor der Konjunkturindikator mehrere Monate in den negativen Bereich abtauchte.

"Die deutsche Wirtschaft kommt langsam aus der Stagnation heraus, doch der Aufschwung trägt sich nicht selbst", kommentiert ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse der Umfrage, an der sich 178 Fachleute aus dem Finanzsektor beteiligt haben. Seiner Einschätzung nach bleiben der private Konsum und private Investitionen schwach, "weil hohe Energiepreise die Realeinkommen drücken, die Produktionskosten erhöhen und die Inflation länger auf einem höheren Niveau halten".

Die immer noch schwache Bewertung der aktuellen Lage durch die Finanzexperten hat sich hingegen deutlich verbessert. Der entsprechende Indikator stieg im Oktober um 11,2 Punkte auf minus 35,9 Punkte. Ă–konomen hatten mit minus 44,5 Punkten gerechnet.

Nach Einschätzung der Analystin Felicitas Henze von der Deutschen Bank dürften die weiterhin angespannte geopolitische Lage sowie die anhaltend hohen Öl- und Gaspreise die Stimmung der Finanzmarktanalysten etwas gedämpft haben. Darüber hinaus sollten jüngste politische Entwicklungen und die Unsicherheit über die zügige Umsetzung der im Sommer angekündigten Reformvorhaben belastet haben.

Nachdem die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal kaum vom Fleck gekommen sei, zeigten die ZEW-Konjunkturerwartungen auch für das Schlussquartal keinen wesentlich neuen Schwung, sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank und erklärte den Stimmungsdämpfer auch mit gestiegenen Kapitalmarktzinsen. "Langfristige Finanzierungen verteuerten sich, was auch der Unternehmenssektor zu spüren bekommt." Hinzu komme, dass niedrige Pegelstände auf den deutschen Flüssen zu einer Unterbrechung von Lieferketten geführt habe.

Für die Eurozone verschlechterten sich die Konjunkturerwartungen ebenfalls. Hier fiel der Indikator um 7,3 Punkte auf 18,5 Punkte. Die Beurteilung der aktuellen Lage veränderte sich kaum.

Am Devisenmarkt geriet der Kurs des Euro EU0009652759 nach den ZEW-Daten nur zeitweise unter Druck und fiel auf ein Tagestief bei 1,1205 US-Dollar. Im Mittagshandel konnte sich der Kurs wieder bis auf 1,1221 Dollar erholen.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70371984 |