ROUNDUP, KrankenkassenbeitrÀge

KrankenkassenbeitrÀge - stabil oder nicht?

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 06:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rechnerische BeitragsstabilitÀt: Das verspricht Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) nach einer amtlichen SchÀtzung zu den angespannten Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen.

Dennoch könnten zumindest einzelne Krankenkassen laut Kassenangaben im kommenden Jahr trotzdem höhere BeitrĂ€ge erheben. Die GrĂŒnen im Bundestag gehen bereits von einem etwas höheren durchschnittlichen Zusatzbeitrag aus als offiziell angegeben.

Der SchĂ€tzerkreis fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hatte am Mittwochabend seine Finanzprognose fĂŒr dieses und kommendes Jahr aufgestellt. Das in Bonn veröffentlichte SchĂ€tzungsergebnis ergibt fĂŒr 2027 einen rechnerischen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von unverĂ€ndert 2,9 Prozent. Linnemann kĂŒndigte unmittelbar nach Bekanntgabe der SchĂ€tzung an: "Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bleibt im kommenden Jahr stabil." Linnemanns Ministerium setzt den durchschnittlichen Beitrag auf Basis der SchĂ€tzung fest.

Höhere BeitrÀge nicht ausgeschlossen

Offen ist aber, ob die einzelnen Krankenkassen dem folgen oder höhere ZusatzbeitrĂ€ge erheben. Die per Verordnung festgelegte DurchschnittsgrĂ¶ĂŸe ist lediglich ein Orientierungswert.

Die einzelnen Kassen legen je nach eigener Finanzlage selbst fest, wie hoch sie die ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr ihre Versicherten ansetzen. Diese kommen zum allgemeinen Beitragssatz von einheitlich 14,6 Prozent des Bruttolohns hinzu.

Der GrĂŒnen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte der "Rheinischen Post" (Donnerstag): "Die Bundesregierung wiederholt fĂŒr 2027 ein StabilitĂ€tsversprechen, das schon 2026 an der Wirklichkeit gescheitert ist." Wieder stĂŒnden 2,9 Prozent auf dem Papier, obwohl die Versicherten heute lĂ€ngst mehr bezahlten. "Auch 2027 wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag wieder tatsĂ€chlich bei mindestens 3,1 Prozent liegen."

TatsÀchliche BeitrÀge bis zu 4,39 Prozent

Im Sommer hatte die Koalition ein Kassen-Sparpaket zur Vermeidung höherer BeitrĂ€ge beschlossen. Am Donnerstagmorgen ist es noch einmal Thema im Bundestag: AngehĂ€ngt an eine Reform der Notfallversorgung sollen noch Änderungen an den SparplĂ€nen quasi in letzter Minute beschlossen werden. Geplant sind einige Abmilderungen sowie Ausgleichsmaßnahmen, damit diese nicht zu teuer werden.

Das Spargesetz sieht Milliarden-Einsparungen vor. Praxen, Kliniken, Apotheken und der Pharmabranche wurden Ausgabenbremsen auferlegt. Dazu kommen höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag soll unbedingt bei 2,9 Prozent gehalten werden.

Doch klafft zwischen diesem Orientierungswert und den tatsĂ€chlichen BeitrĂ€gen eine LĂŒcke. Das tatsĂ€chliche Niveau der ZusatzbeitrĂ€ge liegt nach Daten der Kassen inzwischen im Schnitt bei 3,1 Prozent. Die Spanne unter den 93 Kassen reicht von 2,18 bis 4,39 Prozent.

Kassen warnen vor Risiken

Vor diesem Hintergrund mahnen die gesetzlichen Kassen die Regierung, verbleibende Finanzrisiken anzugehen. Zum Jahreswechsel werde es weiter Kassen geben, bei denen eine finanzielle MindestrĂŒcklage nicht abschließend aufgefĂŒllt sei, sagte der Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, der Deutschen Presse-Agentur. Diese hĂ€tten "dadurch eventuell einen erhöhten Finanzbedarf". Als "ein erhebliches finanzielles Risiko" fĂŒr die GKV nannte Blatt ferner das Vorhaben einer Standortklausel.

Pharmaunternehmen in Deutschland sollten dabei komplett oder teilweise von Teilen eines Rabatts fĂŒr patentgeschĂŒtzte Arzneimittel befreit werden können, erlĂ€uterte Blatt. "Das stellt klar eine industriepolitische Maßnahme dar, die nicht durch Beitragsgelder zu finanzieren wĂ€re." Allein hier drohten Belastungen von bis zu 1,3 Milliarden Euro - ZusatzbeitragssĂ€tze mĂŒssten deshalb absehbar steigen.

Nach jetzigem Stand gehe die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben im nĂ€chsten Jahr generell erst einmal nicht weiter auseinander, lobte Blatt. Nach Einsparmaßnahmen in diesem Jahr mĂŒsse es nun aber im kommenden Jahr um grundlegende Reformen gehen.

Ausgaben sollen auf fast 380 Milliarden steigen

In ihrer SchĂ€tzung sagten die offiziellen Expertinnen und Experten fĂŒr 2026 Ausgaben von 370 Milliarden Euro in der GKV voraus. Im kommenden Jahr sollen diese auf 378 Milliarden steigen. Linnemanns Ministerium verwies darauf, dass die Kassen wegen des Sparpakets der Regierung 2027 bis zu 15 Milliarden Euro weniger Ausgaben zu schultern hĂ€tten. Der Ressortchef sagte: "Wir haben unser wichtigstes Ziel erreicht."

SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis nannte die SchĂ€tzung in der Funke Mediengruppe "eine gute Nachricht fĂŒr die rund 75 Millionen gesetzlich Versicherten, fĂŒr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Arbeitgeber und unseren Wirtschaftsstandort". Linnemann kĂŒndigte zugleich an: "Wir mĂŒssen die strukturellen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung lösen und ihre Finanzierung dauerhaft auf eine solide Grundlage stellen."

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