ROUNDUPMerz, Ukraine

Weitere MilitÀrhilfe geplant

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 16:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz ist zu einem SolidaritĂ€tsbesuch in der Ukraine eingetroffen, um dem Land weitere konkrete Hilfe fĂŒr den Abwehrkampf gegen Russland zuzusagen - vor allem Abfangdrohnen und weitreichende Waffen.

"Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie frĂŒher oder spĂ€ter gegen uns", sagte der CDU-Chef bei seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew.

Er wird von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen RĂŒstung und Energie begleitet. Nach Angaben aus Regierungskreisen will Merz den ukrainischen StreitkrĂ€ften in Kiew die baldige Auslieferung Tausender Abfangdrohnen zusichern, mit denen die besonders schnellen und daher auch besonders gefĂ€hrlichen russischen Kampfdrohnen mit DĂŒsenantrieb bekĂ€mpft werden können.

Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden, mit denen Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden können. Insgesamt sollen dafĂŒr eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden - und weitere 350 Millionen Euro fĂŒr Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.

Moskau ruft AuslÀnder zum Verlassen Kiews auf

Es ist wohl die gefĂ€hrlichste Reise eines Bundeskanzlers in das Kriegsgebiet seit der russischen Invasion im Februar 2022. Die Sicherheitslage in der Ukraine hat sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Drohnenangriffe nehmen zu - auch in der Hauptstadt Kiew und auf PersonenzĂŒge.

Nur wenige Stunden vor der Ankunft des Kanzler-Zuges warnte das russische Außenministerium auslĂ€ndische Besucher und Diplomaten vor einem Aufenthalt in Kiew. Sie sollten die Stadt verlassen und sich vor allem nicht in der NĂ€he von militĂ€rischen Objekten und RegierungsgebĂ€uden aufhalten, hieß es in einer Mitteilung.

Als Grund nannte das Ministerium, dass die russischen StreitkrĂ€fte "als Reaktion auf die terroristischen Aktionen der ukrainischen StreitkrĂ€fte gegen die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur unseres Landes (Russlands) weiterhin systematisch gezielte SchlĂ€ge gegen militĂ€rische Ziele in Kiew und anderen ukrainischen StĂ€dten fĂŒhren".

"Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zÀhlen"

Merz ließ sich davon nicht von ReiseplĂ€nen abbringen. Er sei nach Kiew gereist, "weil die Ukraine fĂŒr die kommenden Wochen all unsere UnterstĂŒtzung braucht", sagte er bei seiner Ankunft. "Bald beginnt fĂŒr die Menschen der fĂŒnfte Kriegswinter. Russland bombardiert StĂ€dte, WohnhĂ€user und Heizkraftwerke." Die Ukrainer ließen sich aber durch den Terror Russlands nicht unterkriegen. "Ich werde PrĂ€sident Selenskyj heute sagen: "Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zĂ€hlen.""

Merz hatte der Ukraine bereits am Donnerstag in einer Grundsatzrede die anhaltende SolidaritĂ€t Deutschlands im Abwehrkampf gegen Russland zugesichert - trotz aller WiderstĂ€nde gegen weitere Milliardenhilfen im eigenen Land. "Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine", mahnte er bei der Verleihung des WestfĂ€lischen Friedenspreises an die Nato in MĂŒnster.

Das Versprechen, weiter fest an der Seite der Ukraine zu stehen, soll nun mit dem Besuch in Kiew untermauert werden. Deutschland ist finanziell und militĂ€risch der wichtigste UnterstĂŒtzer der Ukraine. Es gibt aber wachsenden Widerstand gegen die Milliardenhilfen. AfD, Linke und BSW machen mit dem Thema Wahlkampf, worauf Merz in seiner Rede in MĂŒnster auch einging. Er sprach von "Parolen der AfD und ihrer russischen HintermĂ€nner". Man werde sich in Deutschland nicht spalten lassen, versprach er den Ukrainern.

Vierter Kanzlerbesuch seit Kriegsbeginn

Es ist der vierte Besuch eines Bundeskanzlers seit der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Merz' VorgÀnger Olaf Scholz (SPD) war in seiner dreieinhalbjÀhrigen Amtszeit zweimal im Kriegsgebiet. Merz besuchte Kiew im Mai vergangenen Jahres nur vier Tage nach seiner Vereidigung als Kanzler im Bundestag - zusammen mit Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron, dem damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und dem polnischen Regierungschef Donald Tusk.

Es war die erste grĂ¶ĂŸere gemeinsame diplomatische Initiative der EuropĂ€er, um zu einem Frieden in der Ukraine zu kommen. Von Kiew aus forderten die vier Staats- und Regierungschefs damals Russland ultimativ zu einem bedingungslosen Waffenstillstand auf. Daraus wurde nichts, auch spĂ€tere diplomatische Initiativen verliefen zunĂ€chst im Sande.

Erste TuchfĂŒhlung mit Moskau ernĂŒchternd

Merz hofft nun darauf, Russland mit anhaltendem militĂ€rischen Druck an den Verhandlungstisch zu bewegen. Außenminister Johann Wadephul hatte vor wenigen Tagen erstmals seit Jahren wieder TuchfĂŒhlung mit Moskau aufgenommen und den russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York getroffen. Das Ergebnis war aber ernĂŒchternd. Lawrow Ă€ußerte sich anschließend abschĂ€tzig ĂŒber das GesprĂ€ch und sagte, es habe nichts Neues gebracht.

Merz wertete das als weiteren Beleg dafĂŒr, dass diplomatische BemĂŒhungen in Moskau auf taube Ohren stoßen. Russland verstehe nur die "Sprache der StĂ€rke" und mĂŒsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden, sagte er. "Eintracht und StĂ€rke sind auch heute Erfolgsbedingungen fĂŒr Verhandlungen mit Moskau."

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